Smith/Stewart [GB] :: Vent [1998]

In der Videoinstallation Vent befindet sich der Betrachter in einem abgedunkelten Raum und blickt auf eine leuchtende weisse Wand, in deren obere und untere Bildkante sich Zahnreihen hineinschieben. Erst durch den Ton, eine Mischung aus Stöhnen und Atmen, wird deutlich, daß die Kamera den Blick aus dem Inneren einer Mundhöhle zeigt.

Die Stimme selbst scheint seltsam abgelöst vom Körper und direkt in den Raum gerichtet. Für den Betrachter wird der Ton umso intensiver, da er sich durch die Positionierung der Kamera scheinbar im Inneren des Körpers befindet. In der Dunkelheit des Raumes wird die Wahrnehmung des eigene Ichs stärker. Man beginnt eigene Körpergeräusche wahrzunehmen. Der Ton der Installation verbindet sich mit den Atemgeräuschen des Betrachters und bezieht diesen körperlich mit ein. »Wir haben die Kamera sowohl als Medium als auch als Teil unserer selbst benutzt, und wir tun das weiterhin. Wenn wir die Kamera oder das Mikrophon in den Körper hineinbringen, so versetzt das den Betrachter "in" uns oder ihn selbst und macht ihn zu einem Teil der Arbeit« (Smith/Stewart). Nicht das Auge, sondern der Mund gibt den Blick nach außen frei und die Kamera dient als Mittel, um sichtbar zu machen, als Sehorgan. Stephanie Smith und Edward Stewart, die seit 1993 zusammenarbeiten, haben in ihren gemeinsamen Werken fast ausschließlich mit dem Medium Video gearbeitet. Trotzdem verweisen sie in Interviews gerne darauf, daß sie sich selbst nicht unbedingt als Videokünstler sehen und sie ihre Arbeiten mehr im Sinne von Performances betrachten, auch wenn diese nicht "live" stattfinden. Thema ihrer Arbeit ist immer der eigene Körper. In früheren Werken dominiert die Auseinandersetzung und Interaktion zwischen Mann und Frau, die Inszenierung einer Beziehung mittels des eigenen Körpers.
»We’re really exploring a male/female relationship. That’s a main concern in our work; exploring what that means, what that relationship could be, incorporating degrees of obsessive, even aggressive, extremes and transgressions« (Smith/Stewart). In der Videoinstallation Vent steht nicht mehr die Dualität der beiden Performer im Vordergrund, sondern die Polarität von Innen und Aussen.

Text: Sabine Himmelsbach

Die Organe des Körpers als Buchstaben :: Vereinzelung

Linkempfehlungen ::
Art Gallery of York University
Projekt: Konfrontation/Beziehung

  
  Seeing Time
  
  Wichtige Ausstellungen
Januar-März 2001
  
  

 





 
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