: ZKM :: Artikel :: IMPK 2002 | Jury
 
 

  

    \\internationaler\medien\kunstpreis 2002
\\ bilder-codes\\
verstehen wir bilder?

Jury


Aktueller denn je, drängt sich die Frage nach der Lesbarkeit von Bildern auf. Aufgeschreckt durch die Fotos und Videodokumentationen über die Ereignisse des 11.Septembers nimmt die Öffentlichkeit wahr, dass die vermeintliche Hollywood-Fantasie Wirklichkeit geworden ist. Fiktionale Bilder erschaffen die Greuel dieser Welt, und wie ein Alptraum lastet nun der leichte Schein des Simulacrums auf unserer visuellen Dramaturgie.
Wissenschaftler wie der amerikanische Kunsthistoriker W.J.T. Mitchell warnten bereits vor über 15 Jahren davor, die Bilder zu unterschätzen. Nicht zuletzt wegen der leichten Verfügbarkeit von visuellen Eindrücken in den Massenmedien wie dem Fernsehen oder dem Internet werden Informationen, aber ebenso sublime Formen der Manipulation, nicht länger über den Text, also die Sprache, vermittelt, sondern über Bilder. Diesen Wechsel bezeichnete Mitchell prägnant als »pictorial turn«.

Dass sich der Internationale Medienkunstpreis in diesem Jahr dem Thema »Bildercodes« widmet, liegt allerdings nicht allein an der politischen Brisanz , sondern ist ein ureigenstes Anliegen der Veranstalter.
Seit 10 Jahren nun währt die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Fernsehen und Kunstinstitution und damit einher geht die Ausstrahlung der »50 Besten« Medienkunstarbeiten. Insofern ist der diesjährige Themenschwerpunkt als Selbstbefragung anzusehen. Sind es nicht die Medien, die unsere Bilder erzeugen? Sind Gewalt und Verlust moralischer Werte Ergebnisse des 24-Stunden Fernsehkonsums? Diese Fragen erfordern ein gründliches Nachdenken und vor allem eines: Aufklärung.
Umso erfreulicher ist es, dass diese kritische Aufarbeitung künstlerischer Gedankengänge im umstrittenen Medium selbst seinen Platz findet. 50 Beiträge und damit über 8 Stunden Programm sendet der SWR im Rahmen des Medienkunstpreises, darüber hinaus sind zahlreiche Sonderprogramme geplant.
Aber - und dies ist bei einem Wettbewerb ja nicht die geringste aller Fragen - wer hat nun das beachtliche Preisgeld gewonnen? Bis zum 9. November wird nichts verraten, nur soviel: Die diesjährige Jury war wie in den vergangenen 9 Ausschreibungen hochkarätig besetzt mit zwei berühmten KünstlerInnen, Dara Birnbaum aus New York und Marina Grzinic aus Ljubljana, dem Filmemacher Haroun Farocki aus Berlin, der Kunstexpertin Christine van Assche aus Paris und dem schon erwähnten Medientheoretiker W.J.T. Mitchell aus Chicago.

 

 
(c) Foto: Franz Wamhof

Verschwiegen werden soll auch nicht, dass manch ein Künstler durchaus subtil-ironisch das Thema aufgreift, und dass »Bildercodes« auch schlichtweg die gelungene Visualisierung von Musik beinhaltet, die von den VJs tagtäglich in den Clubs gefeiert wird. Auch dies ein Beleg unserer Zeit - zwischen den Schrecken der Medienapokalypse wird freudig weitergerappt.

Information: medienkunstpreis@zkm.de

- > www.medienkunstpreis.de

- > Ausschreibung 2002

^

© 2014 ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe :: Impressum/Web Site Credits