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Symposium Bildersturm und Bilderflut / Image Wars and Image Floods

Reflexionen zur Ausstellung iconoclash

Fr 12. Juli – Sa 13. Juli 2002
9 - 20 Uhr | ZKM_Medientheater

Programm


Referenten ::

Hubertus von Amelunxen | Jan Assmann | Hans Belting | Anne-Marie Bonnet | David Freedberg | Dario Gamboni | Siegfried Gohr | Lydia Haustein | Othmar Keel | Joseph Leo Koerner | Bruno Latour | Friedhelm Mennekes SJ | W.J.T. Mitchell | Brian O'Doherty | Henk van Os | Martin Schulz | Peter Sloterdijk | Peter Weibel | Gerhard Wolf

Hubertus von Amelunxen [Lübeck/Montréal] ::

»A W-Hole Image - Gordon Matta-Clark und die Bleibe des Bildes«

Curriculum Vitae :
Gründungsrektor der Internationalen Schule für Neue Medien in Lübeck und Kurator für Fotografie und Neue Medien am Canadian Center for Architecture in Montréal, Kanada. Herausgeber der Zeit-schrift „Fotogeschichte“, früher Professor für Kulturwissenschaft an der Muthesius-Hochschule Kiel.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
Die aufgehobene Zeit. Eine Monografie über Henry Fox Talbot; Allegorie und Fotografie; Herausgeber des Katalogs Fotografie nach der Fotografie; Theorie der Foto-grafie Bd. IV.

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Jan Assmann [Heidelberg] ::

»Zwischen Ikonoklasmus und Idolatrie: vom Sinn des Bilderverbots«
Der Vortrag behandelt den »Sinn« des Bilderverbots im antiken Judentum. Dabei geht es zum einen um den politischen Widerstand gegen alle Formen staatlicher Repräsentation nicht nur von weltlicher, sondern auch religiöser Macht, und zum anderen um die Verwerfung des »Kosmotheismus«, der die Welt nicht nur als Schöpfung, sondern als Erscheinungsform des Göttlichen anbetet.

Curriculum Vitae :
Jan Assmann [*1938] ist Professor für Ägyptologie an der Universität Heidelberg.
Forschungsschwerpunkte sind neben archäologischer Feldarbeit [Thebanische Nekropolen] ägyptische Religion und Literatur in theoretischer und vergleichender Perspektive, Kulturtheorie [bes. das »kulturelle Gedächtnis«], allgemeine Religionswissenschaft [Polytheismus und Monotheismus] sowie die Rezeption Ägyptens in der europäischen Geistesgeschichte.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
Ma`at. Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im alten Ägypten, München 1990; Stein und Zeit. Mensch und Gesellschaft im Alten Ägypten, München 1991; Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1992. Ägypten - eine Sinngeschichte, München 1996; Moses der Ägypter. Entzifferung einer Gedächtnisspur, München 1998; Herrschaft und Heil Politische Theologie in Altägypten, Israel und Europa, München 2000; Religion und kulturelles Gedächtnis, München 2000; Tod und Jenseits im Alten Ägypten, München 2001.

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Hans Belting [Karlsruhe] ::

Moderation

Curriculum Vitae :
Hans Belting lehrt seit 1993 Kunstwissenschaft und Medientheorie an der neugegründeten Medienakademie »Hochschule für Gestaltung« in Karlsruhe, daneben als Honorarprofessor an der Universität Heidelberg. Vor seiner Berufung nach Karlsruhe hatte er die Professur für Kunstgeschichte an der Universität München inne. 1994-95 war er Fellow des Wissenschaftskollegs in Berlin, im Frühjahr 2000 Gast des Rektors. Bei diesem Aufenthalt entstand die Druckfassung des jetzt veröffentlichten Buches, mit dem sich der Vortrag beschäftigt: »Bild-Anthropologie. Entwürfe für eine Bildwissenschaft«. Der Redner ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Akademien und des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaft und Kunst. Das Collège de France hat ihn für 2002 auf eine Europa-Professur berufen.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
Das Unsichtbare Meisterwerk. Die modernen Mythen der Kunst, München 1998; Identität im Zweifel. Ansichten der deutschen Kunst, Köln 1999; Bild-Anthropologie. Entwürfe für eine Bildwissenschaft, München 2001; Hieronymus Bosch. Der Garten der Lüste, München 2003; Quel corps: Eine Sache der Repräsentation, Hrsg., München 2003.

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Anne-Marie Bonnet [Bonn] ::

»Ausweitung der Bildzone von Körpern und Bildern im 'bodyturn'«
Versucht man eine Bilanz zum Bild des Menschen in den bildenden Künsten des ausgehenden 20 Jh. zu ziehen, kann man feststellen, dass zum einen die Grenzen zwischen Bild-Körper und Körperbild fließend geworden sind, und dass zum anderen sich Auseinandersetzungen mit dem Bild des Menschen vorwiegend in photographischen Bildern oder in den sog. neuen elektronischen Medien ereignen. Bild des Menschen und Bild des Körpers sind geradezu synonym geworden, der Mensch wird mit seinem Körper geradezu gleichgesetzt. Während in den 60er/70er Jahren der Körper den KünsterInnen zum Medium einer Neudefinition ihrer Kunstauffassung und Selbstfindung avancierte, wurde er in den 80er Jahren zum ‘Schlachtfeld’ zum Austragen von Gender- und Minderheitenforderungen. Im Zeitalter allgemeiner Ästhetisierung, der Simultation und der visuellen Bilderflut, als das Bild der Welt hinter den Bildern der Welt zunehmend mehr verschwand, man von ‘pictorial turn’ sprach, die Zeichen und Bilder ihre Bedeutung veränderten, in den 90er Jahren also, kann dann geradezu von einem ‘body-turn’ gesprochen werden, denn die Bedeutung des Körpers, seiner Nutzung und Darstellung in den bildenden Künsten unterlief erneut eine fundamentale Veränderung. Während das Menschenbild in die Krise geriet [s. post-human Debatte, nun Genom-Problematik], tritt zunehmend mehr der Körper gleichsam als letzter Rückzugsort für das Selbst, die Identität in der Vordergrund. Die Auseinandersetzungen fanden zunächst in photogaphischen Bildern statt, zu einem Zeitpunkt als sie Photographie selbst bezüglich ihres Selbstverständnisses als Bildmedium in eine Identitätskrise geriet. Mit der visuellen Bilderflut geht bekanntlich eine Verflüchtigung der Wirklichkeit einher. Dies ist einer der Hauptursachen der allgegenwärtigen Identitätskrisen ( Was ist real? Was ist ein Mensch? Was ist eine Frau? Was ist ein Mann?) Im Kontext der heutigen Beschwörung von Leiblichkeit, die als verzweifelter Kampf gegen jene Entkörperlichung zu verstehen ist, die aus der Allgegenwart unserer visuellen Kultur resultiert, erschien die heutige Photographie in ihrer Unschärferelation zwischen Sein und Schein, zwischen real Existierendem und bloß Gedachtem, zwischen Tatsachen und Sehnsüchten zunächst als adäquates Medium zur Auslotung von Identitätskrisen. In den 80er und 90er Jahren fand eine mediale Selbstreflexion des photographischen Aktes statt, besonders hinsichtlich der Position zwischen Reproduktion und Produktion eines Bildes, die sich mit der Selbstbefragung des Menschen in seiner Leiblichkeit traf. Indem der Körper sowohl Medium als auch Ziel, Subjekt wie auch Objekt wurde, konzeptuell und selbstreflexiv in den bildenden Künsten immer erst konstituiert werden will, nicht mehr nur dokumentiert zu werden vermag, kann und muss von einem Paradigmawechsel [‘body-turn’] gesprochen werden, der anhand von Werkbeispielen dargelegt und versuchsweise in einen geistesgeschichtlichen Kontext eingebettet werden wird. Insbesondere der Wandel der Medien in den ausgehenden 90er Jahren bestätigt diesen Wechsel.

Curriculum Vitae :
Nach einem Studium der Anglistik und Germanistik in Aix-en-Provence Wechsel nach Heidelberg (1975). Dort Abschluß in Kunstgeschichte, Germanistik und Romanistik mit Promotion (1982) über die Entstehung profaner Bilder zu Beginn des 13. Jh.
Erste Erfahrungen in Museumsarbeit, Kunstkritik und Lehre in Mannheim und Heidelberg bis zum Wechsel 1981 nach München als Assistentin am Institut für Kunstgeschichte. 1993 Habilitation über Akt bei Dürer. Nach Lehrtätigkeit in Leipzig und Freiburg seit Sommersemester 1997 Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte in Bonn.
Forschung und Lehre kreisen um die Themen: Kunst und Körper von der Neuzeit bis heute, Kunst und Kultur der Moderne und Gegenwart, Zukunft des Faches.

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David Freedberg [New York] ::

»The Kachinas of Oraibi: Ethnography, Photography and Iconoclash«
Warburg's gross misunderstanding of the Hopi Kachinas and the Hopi Snake Dance exemplifies some of the less commonly acknowledged aspects of the iconoclash. I go on to speak of the following: Warburg's drive to understand the emotionality of Western images by appealing to the surviving primi-tive cultures of the American West. His failure. The museum as the true site of the iconoclash. How ethnography drains images of their powers, and thus destroys what makes them distinctive. The mask as true image. The loss of self control – entailed by laughter, or desire – as a factor in the wish to drain images of their power, or to destroy them. Warburg's Bilderatlas as the consequence and antithesis of the irrationality he feared in the response to images.

Curriculum vitae :
Promotion in Oxford mit der Dissertation über „Iconoclasm and Painting in the Revolt of the Netherlands, 1566-1609“. Lecturer am Courtauld Institute of Art, London. 1984 Chair am Department of Art History im Barnard College, New York. Seit 1986 Professor am Department of Art History der Columbia University. Seit 2000 Direktor der Italian Academy for Advanced Studies in America an der Columbia University in New York. 1996 bis 1998 Andrew W. Mellon Professor an der National Gallery of Art in Washington.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
Iconoclasts and their Motives, Maarssen 1985; Iconoclasm and Painting in the Revolt of the Netherlands, 1566-1609, New York 1988; The Power of Images: Studies in the history and theory of response, Chicago 1989; Anaxagoras: An Essay on the History of Classifi-cation (im Druck); Modes of Seeing: Mind, Body and Emotion in the History of Art (im Druck).

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Peter Galison [Harvard] ::

»Simulation, Imagery and the Iconoclash«

Curriculum Vitae :
Peter L. Galison ist Mallinckrodt Professor für Wissenschafts- und Physikgeschichte an der Harvard University Er beschäftigt sich mit philosophischen und historischen Fragen im Hinblick auf die Forschungsmethoden [Theorie und Experiment] der modernen Physik. In diesem Zusammenhang hat er sich vor allem mit Fragen der wissenschaftlichen Visualisierung auseinandergesetzt. Er lehrt über die Geschichte der Physik des 20. Jahrhunderts, des Experimentierens, über Wissenschaft und Realismus der Einsteinschen Revolution und Theorie der Physik des 20. Jahrhunderts. 1997 wurde er Fellow der John D. and Catherine T. MacArthur Foundation, 1999 gewann er den Max-Planck-Preis der Max-Planck-Gesellschaft und der Humboldt Stiftung.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
How Experiments End [1987], Image and Logic: A Material Culture of Microphysics [1997], Picturing Science, Producing Art [1998] sowie The Architecture of Science [1999]. Für Image & Logic erhielt er im Oktober 1998 den Pfizer Award der History of Science Society.

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Dario Gamboni [Amsterdam] ::

»Neque delenda imago«
»Iconoclash« proposes to »suspend the iconoclastic gesture«. This paper will explore some visual and semantic aspects of such a suspension, in relation to political representation, monumental sculpture, and notions of time. It will argue that suspension can visualize an »epochè« that shows a way out of cyclic repetition and the alternative iconoclasm/idolatry.

Curriculum Vitae :
Dario Gamboni promovierte 1989 in Kunstgeschichte an der Universität von Lausanne. Neben seiner Tätigkeit als Kurator zahlreicher Ausstellungen lehrte er an der Universität von Zürich und der Universität von Strassburg. Von 1991 bis 1998 war er Professor für Kunstgeschichte an der Universität Lyon II, von 1993 - 1998 Mitglied des Institut Universtaire de France, 1996 Ailsa Mellon Bruce Senior Fellow am Center for Advanced Study in the Visual Arts, National Gallery of Art, Washington D.C., von 1998 bis 2000 Andrew W. Mellon Professor of Humanities am Department of Art History and Art der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio. Seit 2000 lehrt Gamboni als Professor für Kunstgeschichte am kunsthistorischen Institut der Universität von Amsterdam.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
Un iconoclasme moderne. Théorie et pratiques contemporaines du vandalisme artistique [Zürich und Lausanne 1983], La plume et le pinceau. Odilon Redon et la littérature [Paris 1989] und The Destruction of Art: Iconoclasm and Vandalism since the French Revolution [New Haven und London 1997; deutsche Übersetzung bei DuMont, Köln 1998]; Louis Rivier (1885- 1963) et la peinture religieuse en Suisse romande, Lausanne: Payot, 1985; La géographie artistique (Ars helvetica. Arts et culture visuels en Suisse, vol. I), Disentis: Desertina, 1987; Zeichen der Freiheit. Das Bild der Republik in der Kunst des 16. bis 20. Jahrhunderts [Mitherausgeber Georg Germann], Katalog von Council of Europe, Bern 1991.

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Siegfried Gohr [Karlsruhe] ::

»'Bilderstreit' als Bilderstreit«

Curriculum Vitae :
1949: geboren in Merkstein bei Aachen. Ab 1967: Studium der Kunstgeschichte, Archäologie und Philosophie in Köln und Tübingen. 1974: Promotion in Köln; wissenschaftlicher Assistent am Wallraf-Richartz-Museum Köln. 1975: Referent an der Kunsthalle Köln. 1978-1985: Direktor der Kunsthalle Köln 1985-1991: Direktor des Museums Ludwig Köln Lehraufträge an den Universitäten Köln, Bonn und Hannover. Ab 1991: Freier Publizist und Ausstellungsmacher. Seit 1993: Professor für Kunstwis-senschaft und Mediengeschichte an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Organisation von zahl-reichen monographischen und thematischen Ausstellungen zur Kunst des 20.Jahrhunderts, z.B. Léger, Klee, Beckmann, Picasso, Duchamp, de Kooning, Jaspar Johns, Roy Lichtenstein, Georges Rouault, Expressionistische Skulptur, Europa – Amerika, Bilderstreit, Baselitz, Lüpertz, Penck, Polke und viele andere. Organisation von Ausstellungen zur modernen deutschen Kunst in Europa, Amerika und Asien. Zahlreiche Texte zur Museumssituation, zur modernen und zeitgenössischen Kunst, zum Selbstverständnis des Künstlers in der Moderne.

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Lydia Haustein [Berlin/Göttingen] ::

»'Apocalypse Now' – Das Bild als Tor zum Leben«

Curriculum vitae :
Promotion an der Universität Göttingen über Alfred Kubin. Professorin an der Hochschule für bildende Künste in Berlin-Weissensee. Kunsthistorikerin und Ethnologin. Mitveranstalterin des Internationalen Symposiums „Der Ort der Bilder“ im Haus der Kulturen der Welt in Berlin 1996; Mitherausgeberin des Sammelbands „Das Erbe der Bilder. Kunst und moderne Medien in den Kulturen der Welt“. München 1998. Kuratorin und Gastdozentin bei zahlreichen Ausstellungen und Tagungen zur zeitgenössischen Kunst in Afrika und Südamerika.

Publikation in Vorbereitung: Die Videokunst, München 2002.

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Othmar Keel [Fribourg] ::

»Die Eherne Schlange in Jerusalem und ihre Zerstörung«
Das 5. Buch Mose [21,4-9] erzählt von einer Schlangenplage, bei der Mose auf Geheiss Jahwes eine bronzene Schlange anfertigte. Ihr Anblick machte die Schlangenbisse unwirksam. Im 2. Königsbuch steht: »Hiskija zerschlug die Bronzeschlange, die Mose angefertigt hatte, und der die Israeliten bis zu jener Zeit Rauchopfer dargebracht hatten. Man hatte sie Nehuschtan [Bronzebild] genannt«. Einige Fragen, die sich stellen, sind: In welchem Verhältnis stehen die beiden Texte zueinander? Wie hat man sich das Schlangenbild im Lichte der Ikonographie Palästina/Israels vorzustellen? Was veranlasste Hiskija, das Bild zu zerstören? In welchem Verhältnis stehen der Text bzw. das Ereignis zum Zweiten Gebot? Der Vortrag versucht, auf diese Fragen Antworten zu finden.

Curriculum Vitae :
Othmar Keel [*1937] studierte in Zürich, Freiburg/Schweiz, Rom, Jerusalem und Chicago Theologie, biblische Exegese und altorientalische Ikonographie. Er ist seit 1969 Professor an der Universität Freiburg/Schweiz für Exegese des sogenannten Alten Testaments und seine Umwelt. Sein Spezialgebiet ist die Erforschung der Kleinkunst Palästina/Israels, deren Beziehung zur Ikonographie der grossen Nachbarkulturen einerseits und zum Alten Testament andererseits.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
Die Welt der altorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament. Am Beispiel der Psalmen, 1. Aufl. 1972; 5. Aufl. 1996; Das Recht der Bilder gesehen zu werden. Drei Fallstudien zur Methode der Interpretation altorientalischer Bilder, 1992; Corpus der Stempelsiegel-Amulette aus Palästina/Israel. Von den Anfängen bis zur Perserzeit I. Einleitung, 1995; Katalog I, 1997; zusammen mit Ch. Uehlinger, Göttinnen, Götter und Gottessymbole. Neue Erkenntnisse zur Religionsgeschichte Kanaans und Israels aufgrund bisland unerschlossener ikonographischer Quellen, 1. Aufl. 1992; 5. Aufl. 2002 (englisch 1998; französisch 2001); zusammen mit Silvia Schroer, Schöpfung. Biblische Theologien im Kontext altorientalischer Religionen, 2002.

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Joseph Leo Koerner [London] ::

»Divine Concealment in Hieronymus Bosch«

Curriculum Vitae ::
Joseph Leo Koerner ist Professor am Department of History of Art des University CollegeLondon Nach dem Studium der Philosophie und der englischen und deutschen Literatur in Yale, Cambridge und Heidelberg wechselte Joseph Leo Koerner durch seine Arbeit über Caspar David Friedrich zur Kunstgeschichte und verlegte seinen Forschungsschwerpunkt auf deutsche Malerei von der Renaissance bis zur Gegenwart. Von 1989-1999 hatte er den Lehrstuhl für nordeuropäische Kunst von 1300 bis zur Gegenwart an der Harvard University inne und lehrte dort Kunst- und Architekturgeschichte, 2000 lehrte er am Lehrstuhl für Allgemeine Kunstgeschichte der Universität Frankfurt, seit 2001 unterrichtet er am Department of History of Art des University College London. 1992 erhielt er den Mitchell Prize for the History of Art.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
The Moment of Self-Portraiture in German Renaissance Art [1993] und Caspar David Friedrich: Landschaft und Subjekt [München 1998]; Hans Baldung Grien: Buchholzschnitte aus Augsburger Beständen; Ausstellungskatalog im Maximilianmuseum Augsburg 1992; The printed world of Pieter Bruegel, the elder, Ausstellungskatalog Cambridge 1995.

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Bruno Latour [Paris] ::

»What is Iconoclash?«
Was die Ausstellung „Icono-clash“ [nicht Ikono-klasmus] nennt, ist das Vorhandensein einer tiefgrei-fenden und verstörenden Unischerheit hinsichtlich der Rolle eines Bildes oder einer Form der Reprä-sentation. Es soll nicht nur der Glaube an Bilder in der Schwebe gehalten bzw. außer Kraft gesetzt werden sondern auch der Unglaube gegenüber Bildern. Vielleicht sind diese zerbrechlichen Reprä-sentationen alles, was uns zur Verfügung steht. Aber wenn dem so ist, dann muß eine andere Form der Verteilung von Vertrauen in und Zurückhaltung gegenüber Bildern entworfen werden. Um dies zu erreichen müssen wir verschiedene Modelle des Glaubens und des Unglaubens, des Zweifels an der Repräsentation vergleichen. Ein großer Teil unserer europäischen Tradition, mit Bildern umzugehen, stammt aus dem Bereich der Religion. Im Bereich der Religion existieren gleichzeitig Bilderverbote und eine Verbreitung von Bildern. Daher rührt also die Präsentation so vieler „Iconoclashes“, dem Aufeinandertreffen dieser gegenläufigen Bereiche in der Ausstellung.
Es existiert aber auch Repräsentation, die nicht der Religion entstammt, sondern der Wissenschaft-stradition. Auch hier spielt sich wieder der Kampf wissenschaftlicher Vorgehensweisen gegen die Macht der Bilder und der Imagination ab, die dabei aber gleichzeitig in ihrem Bestreben, objektives Wissen zu produzieren, notwendigerweise eine unendliche Zahl an Repräsentationsmöglichkeiten hervorbringen. Daher also eine weitere Form des Vertrauens und der Zurückhaltung gegenüber Bildern. Der Bereich aber, in dem am Systematischsten zugunsten und gegen Bilder experimentiert wurde, ist die Kunst. Auch hier wird deutlich, dass die Forderung nach neuen Formen der Zerstörung von Bildern wiederum einen unausgesetzten Fluß neuer Formen der Herstellung von Bildern hervor-gebracht hat. Alle diese Muster von Glaube und Zweifel an Bildern - ob in den Wissenschaften, der Religion oder in der Kunst - waren an einem bestimmten Punkt aufs Stärkste mit dem Bereich der Repräsentation par excellence verbunden: der Politik.

Curriculum Vitae :
Bruno Latour lehrt am Centre de sociologie de l’innovation der Ecole Nationale Supérieure des Mines in Paris als Wissenschaftssoziologe. Er studierte zunächst Philosophie sowie anschließend Anthropologie. Nach Feldstudien in Afrika und Kalifornien spezialisierte er sich auf die Analyse der Arbeitsweisen von Wissenschaftlern und Ingenieuren. Neben seiner Tätigkeit in den Bereichen Philosophie, Geschichte, Soziologie und Anthropologie, war Latour an zahlreichen Studien zu Grundsätzen und Methodik der Naturwissenschaften sowie zum Forschungsmangement beteiligt.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
Laboratory Life. The construction of Scientific Facts. [Princeton University Press], Science in Action und The Pasteurization of France [beide Harvard University Press]. Latour veröffentlichte außerdem eine Feldstudie zu einem automatischen/automatisierten Untergrundsystemen, Aramis or the love of technology, und einen Essay über symmetrische Anthropologie, »We have never been modern« [die beiden bei Harvard Univerity Press erschienen Publikationen wurden bisher in 15 Sprachen übersetzt]. Außerdem erschien im selben Verlag die Essaysammlung Pandora's Hope, Essays in the Reality of Science Studies. In einer weiteren Serie von Büchern, die bisher in französischer Sprache erschienen sind, setzt sich Latour mit den Auswirkungen naturwissenschaftlicher Studien auf verschiedene Forschungsbereiche der traditionellen Soziologie auseinander [Sur le culte moderne des dieux faitiches, und Paris ville invisible, ein fotografischer Essay über die technischen und sozialen Aspekte der Stadt Paris]. 1999 veröffentlichte Latour Politiques de la nature [Das Parlament der Dinge. Naturpolitik, 2001], ein Buch, das sich mit philosophischen Aspekten der Umweltpolitik befaßt. Die Ergebnisse seiner aktuellen Feldstudien bezüglich eines der Obersten Gerichtshöfe Frankreichs werden vorraussichtlich im Herbst diesen Jahres unter dem Titel Dire le droit. Une ethnographie du Conseil d'Etat publiziert werden.

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Friedhelm Mennekes SJ [Köln/Frankfurt] ::

»Praxis Bilderstreit. Über den Umgang mit Bildern in Sankt Peter in Köln«
Der sakrale Raum wird heute von vielen Menschen nicht so sehr als ein Ort der Antworten begriffen, sondern als ein energiegeladener Raum zum Suchen und Fragen. Nach einer alten theologischen Unterscheidung ist es die pastoral begründete Akzentverlagerung von einer fides quae zu einer fides qua, von einer inhaltlichen Orientierung des Glaubens als Credo auf die vitale Sorge um einen regen und kreativen Glauben als Form und Praxis. Für eine solche Orientierung ist der sakrale Raum als frei- und leergeräumter Raum eine wichtige Voraussetzung. Das bedeutet nicht die Dekonstruktion einer Kirche in eine Fabrikhalle. Auch ein kahler Raum benötigt kühne abstrakte Formen, um ihn den Charakter der Sakralität und Würde zuzu-schreiben. Vor allem aber benötigt er die Freiheit von überflüssigem Mobiliar, das allenfalls konfessio-nelle Milieus repräsentiert. Der moderne Sakralraum muss von seinen scheinbaren Eindeutigkeiten befreit werden, um ihn in seine überkommene Offenheit und komplexe Vieldeutigkeit zurückzuholen. Das bedeutet keinen Bildersturm. Katholischerseits beispielsweise heißt es, die Orte für Altar, Kreuz, Madonna und möglicherweise den Kirchenpatron sorgfältig auszuwählen. Der Rest aber muss mobil gehalten werden, um den architektonisch sakral konzipierten Raum sich selbst freizugeben und ein-deutiger in seine Sakralität hin zu öffnen, von der größeren Bandbreite für seine liturgische Nutzung ganz zu schweigen. Die dynamische Dimension des Raumes ist immer auch offen für Bilder – als gestaltete Fragen. In Sankt Peter z.B. finden regelmäßig Ausstellungen moderner Kunst statt, um den Betrachter mit der Zeit, in der er lebt.

Curriculum vitae :
Friedhelm Mennekes (* 1940 in Bottrop) Jesuit, Studien in Philosophie, Politikwissenschaft und Theologie in Bonn, München und Frankfurt (M); Promotion zum Dr. phil. In Bonn, Professor für Praktische Theologie und Religionssoziologie an der Phil.-theol. Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main, Pfarrer an Sankt Peter zu Köln. Leiter des dortigen Ausstellungszentrums „Kunst-Station Sankt Peter“, Honorarprofessor an den Kunsthochschulen in Mainz und Braunschweig.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
zahlreiche Veröffentlichungen zum Themenbereich Kunst und Religion, Monographien über Beuys, Rainer, Chillida; James Lee Byars: The White Mass, Köln (Oktagon) 2002 (in Druck).

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W.J.T. Mitchell [Chicago] ::

»Offending Images«
The title of this talk is deliberately ambiguous: some images are, of course, offensive to some people, but what about the reverse situation, when people set out to offend an image? What does it tell us about the nature of images that it makes sense for people to destroy, disfigure, banish or otherwise punish and “offend” them? What are the various ways of offending images? This paper will explore outbreaks of iconoclasm and offensive images in contemporary culture, from the Sensation show at the Brooklyn Museum to the destruction of the World Trade Center to the emergence of cloning as a subject for public debate.

Curriculum vitae :
W. J. T. Mitchell is Professor of English and Art History at the University of Chicago. Editor of Critical Inquiry since 1978. Ph.D. Johns Hopkins University, fellowships from the Guggenheim Foundation, and the American Philosophical Society. 1993 Fairchild Distinguished Scholar at the California Institute of Technology. Critical Inquiry has thrice been recognized for the "Outstanding Special Issue of a Scholarly Journal" by the Conference of Editors of Learned Journals. His most recent work, The Last Dinosaur Book: The Life and Times of a Cultural Icon (1998) was selected as one of the top 100 books of 1999 by the Toronto Globe & Mail.

Selected Publications :
Blake's Composite Art (Princeton, 1977), Iconology (Chicago, 1986), Picture Theory (Chicago, 1994), and The Last Dinosaur Book (Chicago, 1998). He has edited six collections of essays, all published by University of Chicago Press: The Language of Images (1980), On Narrative (1981), The Politics of Interpretation (1983), Against Theory (1985), Art and the Public Sphere (1993), and Landscape and Power (1994). During his editorship, Critical Inquiry has published issues on canon-formation, gender, race and writing, public art, politics and poetic value, metaphor, psychoanalysis, identity politics, pluralism, new directions in art history, questions of evidence, and many other special topics. He is currently working on a two volume project entitled: What Do Pictures Want? Volume one will be entitled The Lives of Images; volume two will be Addressing Media.

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Brian O'Doherty [New York] ::

»The last Duchamp Portrait by Patrick Ireland alias B. O'Doherty«
In 1966, Patrick Ireland (then Brian O'Doherty), asked his friend Marcel Duchamp if he could make his portrait. Duchamp agreed, and O'Doherty, an ex-doctor, recorded Duchamp's electrocardiogram. He then designed an artwork which represented Duchamp's heart-tracing beating on indefinitely on an oscilloscope. While seen by some as a tribute, the Duchamp portrait contests some of Duchamp's primary ideas, and is in fact an anti-Duchamp gesture. This was one of several of what Ireland/ O'Doherty called "Gestures" made in the following decade. These include an on-going photo-graphic self-portrait (from 1969), "Wittgenstein 7H to 7B", and a compendium in a box, "Aspen 5+6" (1967), which has been called the first conceptual exhibition outside the gallery.

Curriculum Vitae :
Patrick Ireland (Brian O'Doherty) has shown his work widely in Europe and the United States. An ex-medical doctor, he was closely involved with the beginnings of the conceptual movement in New York in 1966/7. Between 1966 and 1975 he produced conceptual and performance works. At present he is best known for his installations. His work has been seen in numerous one-person exhibitions and in such group exhibitions as Rosc, Documenta and the Venice Bienale.

Selected Publications :
Inside the White Cube; Notes on the ideology of the Gallery Space; his novel, "The Deposition of Fr. McGreevy", which was short-listed for the Booker Prize, is currently being translated into German.

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Henk van Os [Amsterdam] ::

»What to do with the return of iconoclasm? Museums and Iconoclasm«
Generally only the motifs of iconoclasts are studied by scholars of iconoclashes. I would like to talk about the policy, ideology and emotions of museum people who present the iconoclasts with their works of art, including my own thoughts and emotions as general director of the Rijksmuseum after the attack with hydrochloric acid of the Nightwatch on April 9, 1990. How do curators and restorers deal with ‘meaningful damages’? Also I would like to make clear that the acquaintance with the emotions of Wim Beeren as director of the Stedelijk Museum after the destruction of Barnett Newman’s painting, is crucial if one wants to understand the terrible scandal caused by Goldreyer’s restoration.

Curriculum Vitae :
Henk van Os (* 1938) held a professorship in Art and Cultural History at the Rijksuniversiteit Groningen from 1974. Between 1989 and 1996 he was General Director of the Rijksmuseum Amsterdam. Since December 1996 he is working as University Professor appointed to a chair in Art and Society at the Universiteit van Amsterdam. Throughout the years of academic exchange with foreign universities, he served as a guest lecturer in Europe as well as in the United States. Van Os is also well-known as presenter for Museumschatten and Beeldenstorm, a TV programme on objects in (Dutch) public collections of art.

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Martin Schulz [Karlsruhe] ::

»Die ikonoklastische Geste des Modernismus«
Es wird im Vortrag weniger darum gehen, einmal mehr den Ikonoklasmus der modernen Malerei darzustellen ([wie er in der Ausstellung bereits ausführlich gezeigt wird], als vielmehr darum, dem Ikonoklasmus auf der Metaebene des klassifizierenden, säkularisierenden, ideologischkritischen und sprachlich sich äußernden, spezifisch modernistischen Urteils über die Bilder nachzuspüren – dem ikonoklastischen Blick auf die ikonoklastischen Bilder selbst. Es besteht ein besonders widersprüchlicher iconoclash zwischen den ikonoklastischen Bildern des geschichtslogischen modernistischen Diskurses und den eigentlichen Bildern der ikonoklastischen Malerei. Kaum eines der radikalsten Werke moderner Malerei scheint in dem Maße bilderfeindlich zu sein, wie es die dogmatischen Kritiker des Modernismus darstellen. Wer verfügt über die richtigen und wer hat die falschen Bilder?

Curriculum Vitae :
Martin Schulz, geb. 1962. Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Klassischen Archäologie in Heidelberg, Rom, München, New York und Karlsruhe. Magister 1991 an der Universität München; Promotion an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe 1996. Seit 1997 Assistent am dortigen Institut für Kunstwissenschaft und Mediengeschichte. Konzeption und wissenschaftliche Betreuung des Graduiertenkollegs »Bild.Körper.Medium. Eine anthroplogische Perspektive«; Forschungsaufenthalte in Italien und den USA; Schwerpunkte der Forschung, Lehre und Publikationen: Moderne und zeitgenössische Kunst, Theorie der Neuen Medien und Medienkunst, Kulturgeschichte des Bildes und seiner Medien, Bild-Anthropologie.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
Imi Knoebel. Die Tradition des gegenstandslosen Bildes, Verlag Silke Schreiber, München 1998. verschiedene Beiträge zum christlichen Kultbild, zur zeitgenössischen Kunst und zur Photographie; zuletzt erschienen: »Spur des Lebens und Anblick des Todes. Die Photographie als Medium des abwesenden Körpers«, in: Zeitschrift für Kunstgeschichte 3, 2001, 381-396.

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Peter Sloterdijk [Karlsruhe] ::

»Gewalt der Bilder – Bilder der Gewalt«

Typen der Gewalt
Um Gewalterscheinungen in unserer modernen Gesellschaft zu erklären, muss man zwei grundle-gende Typen von Gewalt unterscheiden: Zum einen die innerfamiliäre Gewalt, die zu enthemmender, generationenübergreifender Eskalation führt. Zum anderen existiere eine Form von Gewalt, die sich als institutionalisierte Gewalt etwa in Kriegen entwickelt. Brot und Spiele Zorn, Gewalt und die Macht, den Untertanen den Tod zu geben, wurden zum Zeichen von Majestät erhoben und in eine Ästhetik des Erhabenen gefasst. Das Erhabene brauchte den gewalttätigen Zorn des Herrschers, um die Untertanen vor ihm zittern zu machen. Diese Rolle ging später auf die All-macht der Natur über, vor der ein schreckensbewegtes Publikum erschauerte. Eine harmlose Dar-stellung von Gewalt gibt es nicht: Wer mitteilt, teilt die Sache selbst, der Erzähler ist immer auch Ver-bündeter, Komplize und Kritiker. Das Grundproblem des 20. Jahrhunderts ist, dass der römische Amüsierfaschismus - Brot und Spiele - über das Sportlerideal des griechischen Helden gesiegt hat.

Der ehrenhafte Tod
Die national-imperialen Staaten stützen sich heutzutage auf eine Massenkommunikation, durch die das Volk täglich indoktriniert wird – Stichwort "Halluzinationsgemeinschaft". Kolumnisten, Prediger und Revoluzzer hauchen der Masse Einheit ein. Die wichtigste Gattung der Gewaltdarstellung in der Populärkultur ist der Horrofilm, der eine zivilisierende Funktion hat und ein Katalysator für Angst ist.

Offenbarung des Sprengstoffs
Die Fluten gewalttätiger Kino-Bilder haben eine wichtige Funktion in der gegenwärtigen Gesellschaft: Wenn das Kino eine Kirche wäre, dann würde dort die Offenbarung des Sprengstoffes zelebriert. Die Botschaft der heutigen Unterhaltungsindustrie lautet: Es ist herrlich ein Vernichter zu sein unter lauter Unterdrückten.

Curriculum Vitae :
Peter Sloterdijk wurde am 26. Juni 1947 in Karlsruhe geboren. Schülerjahre und Studium verbrachte er in München; er promovierte mit einer Studie zur Philosophie und Geschichte moderner autobiographischer Literatur an der Universität Hamburg. Er veröffentlichte von 1980 an zahlreiche Arbeiten zu Fragen der Zeitdiagnostik, der Kultur-und Religionsphilosophie, der Kunsttheorie, zur Grundlagenreflexion der therapeutischen Berufe und zu gesellschaftspolitischen Themen. Seit 1992 ist er ordentlich öffentlicher Professor für Philosophie und Ästhetik an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung. Er hat Gastprofessuren in Paris, Zürich, Wien und New York wahrgenommen.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
Seine »Kritik der zynischen Vernunft«, 1983, 15. Auflage 1999, gilt als das meistverkaufte philosophische Buch deutscher Sprache seit dem Zweiten Weltkrieg. Er erhielt den Ernst Robert Curtius Preis für Essayistik, Bonn, 1993 sowie den Friedrich Merker Preis für Essayistik, München, 2000. Mit seinem Hauptwerk »Sphären I«, 1998, und »Sphären II«, 1999, hat er für die aktuelle Diskussion über Probleme der Globalisierung neue Maßstäbe gesetzt.

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Peter Weibel [Karlsruhe] ::

»Das algorithmische Bild – von der Repräsentation zur Partizipation«
Aus der Krise der bildlichen Repräsentation um 1915 entstanden zwei Strategien: erstens die Verbannung der Abbildung des Gegenstandes aus der Malerei [der Beginn der Abstraktion], zweitens die Einführung des realen Gegenstandes als künstlerisches Objekt. In beiden Fällen verschwand das Bild des Gegenstandes. Mit dem Gegenstand kam ein sanfter Paradigmenwechsel von der ästhetischen Erscheinung zur Gebrauchsfunktion des Objekts. In einer zweiten Stufe wurde der Gegenstand abgelöst von einer Gebrauchsanweisung, die den Gegenstand implizit immer schon begleitete. Handlungsanweisungen an den Benutzer eines Gegenstandes bzw. den Betrachter eines Bildes führten in der dritten Stufe zur expliziten Integration des Rezipienten, der an der Konstruktion des Kunstwerkes wesentlich Anteil hatte. Dieser Schritt wurde in der Musik wie auch in der bildenden Kunst durch den Computer wesentlich erleichtert, da das berechenbare interaktive Bild in seiner Entstehung von Entscheidungsprozeduren des Beobachters abhängig ist.

Curriculum Vitae :
1944 in Odessa geboren, studierte Peter Weibel Medizin, Literatur, Film, Philosophie und Mathematik [Modallogik] in Wien und Paris. Neben seinen Tätigkeiten als Künstler und Kurator machten ihn seine Schriften zur Kunst- und Medientheorie international bekannt. Weibel lehrte an zahlreichen Hochschulen in Österreich, Deutschland und den USA und gründete 1989 das Institut für Neue Medien in Frankfurt/Main. Der langjährige künstlerische Leiter der Ars Electronica in Linz, der von 1993 bis 1999 den österreichischen Beitrag zur Biennale von Venedig kuratierte, leitet seit Januar 1999 das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe.

Ausgewählte Veröffentlichungen :
Kritik der Kunst. Kunst der Kritik: es says & I say [Wien 1973]; Studien zur Theorie der Automaten (Automata Studies), C. E. Shannon und J. McCarthy [Hg.], hsgg. mit Franz Kaltenbeck, [München 1974]; die Kataloge der Ars Electronica von 1986 bis 1995; Logokultur [Wien 1987]; Die Beschleunigung der Bilder. In der Chronokratie [Bern 1987]; Vom Verschwinden den Ferne, hsgg. mit Edith Decker [Köln 1990]; Das Bild nach dem letzten Bild, hsgg. mit C. Meyer [Cologne 1991]; Identität: Differenz. Tribüne Trigon, 1940-1990. Eine Topographie der Moderne, hsgg. mit C. Steinle [Wien, Köln, Weimar 1992]; Kontextkunst [Köln 1994]; Pittura Immedia [Klagenfurt 1995]; The Media Pavilion [Wien/New York 1995]; Jenseits von Kunst [Wien 1997]; Inklusion: Exklusion [Köln 1997]; Kunst ohne Unikat [Köln 1999]; Offene Handlungsfelder [Wien 1999]; Net_condition [Cambridge, Mass. 2000]; Olafur Eliasson. Surroundings Surrounded , hsgg. mit O. Eliasson [Cambridge.Mass 2001]; ctrl_space , hsgg. mit Ursula Frohne und Thomas Y. Levin [Cambridge, Mass 2002].

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Gerhard Wolf [Rom/Trier] ::

»acheiropoieton. Das Bild als Nicht-Bild?«
Die der Legende nach nicht von Menschenhand geschaffenen Bilder Christi in Byzanz und im Westen zeichnen sich durch eine privilegierte Beziehung zum Körper aus, denn sie sollen durch einen Abdruck des Gesichtes entstanden sein. Damit überschreiten sie den Bildcharakter, stellen diesen selbst infrage: sind sie eine Form oder Konsequenz von »iconoclash«? Totenkopf und Seitenwunde sind ihr alter ego, sie sind ein zentrales Paradox in der europäischen Bild- und Mediengeschichte. In den Kopien werden sie erst eigentlich sichtbar; in diesen manifestiert sich zugleich der Drang nach Selbstüberwindung und -aufhebung der von Menschenhand geschaffenen Bilder sowie die Dialektik von Materialität und Medialität.

Curriculum Vitae :
Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Christlichen Archäologie; seit 1997 Lehrstuhl für Kunstgeschichte an der Universität Trier, Gastprofessuren in Basel, Wien, an der Humboldt Universität Berlin, sowie der EHESS, Paris; zur Zeit Richard Krautheimer Gastprofessor an der Bibliotheca Hertziana (Max Planck Institut), Rom. Forschungsschwerpunkte: Italienische und mediterrane Kunstgeschichte von der Spätantike bis zum Barock, Methodengeschichte, historische Bild- und Medienanthropologie.

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