Franziska Megert [CH] :: Das Spiel mit dem Feuer [1989]

Auf je zwei Säulen aus drei hochkant übereinandergestellten Monitoren zeigt Franziska Megert lebensgroße Akte. Die Körper werden scheinbar von den Begrenzungen der Bildschirme durchschnitten, sie sind gewissermaßen zerstückelt, Kopf und Brust, Unterleib bis Oberschenkel und Füße werden von je einem Videoband zugespielt.

Die Anordnung dieser Körperteile ist unverändert, aber die Köper selbst sind einem stetigen Wandel unterworfen. In »Das Spiel mit dem Feuer« wird das Bild einer Frau graduell von dem eines Mannes überlagert, beide Bilder verschmelzen stellenweise kurz miteinander und erscheinen dann wieder getrennt. Der Körper der Frau wird mit dem des Mannes rekombiniert und umgekehrt. Flammen umzüngeln die Körper, man hört das Prasseln von Feuer. Auf beiden Monitorsäulen sind die gleichen Videosequenzen zu sehen, jedoch zeitversetzt. Mit dem Begriff des Feuers werden von alters her entgegengesetzte Bedeutungen verbunden. Das Feuer ist zugleich lebensnotwendig und gefährlich. Es steht einerseits für Reinigung und Erneuerung und andererseits für Bedrohung und Zerstörung. Feuer ist anziehend und abstoßend zugleich.

Franziska Megert benutzt das Feuer als Metapher für zwischenmenschliche Beziehungen, vor allem die Beziehungen zwischen den Geschlechtern. Die Metapher wird auf das Bild übertragen, nicht nur durch die Darstellung des Feuers, sondern vor allem im beständigen Wechselspiel des weiblichen und männlichen Köpers. Dieses permanente Changieren wiederholt sich in »Arachne-Vanitas«, doch spielt es sich hier zwischen einer jungen und einer alten Frau ab. Der Titel dieser Arbeit verweist auf die Geschichte der jungen Lydierin Arachne, die Ovid in den Metamorphosen erzählt. Das Mädchen, wegen ihrer Webkunst im ganzen Land bekannt, maßt sich an, ihre Geschicklichkeit der von Athene, der Göttin des Handwerks gleichzustellen. Trotz der Warnungen einer alten Frau, der verwandelten Athene, läßt sie sich auf einen Wettstreit mit dieser ein. Arachnes tatsächliche Kunstfertigkeit im Weben, die Athene nicht übertreffen kann, erzürnt die Göttin so sehr, daß sie ihre Rivalin bestraft. Der verzweifelte Selbstmord der Archane ist Athene nicht Rache genung und sie verwandelt das Mädchen in eine Spinne. In Anspielung auf diese Geschichte krabbeln stetig Spinnen als Schatten und schemenhafte Umrisse über die Körper. Ein leises Rascheln läßt sich dabei vernehmen, vermischt mit Geräuschen aus der Insektenwelt. »Das Spiel mit dem Feuer« und »Arachne-Vanitas« bilden zusammen mit der 1992/93 von Franziska Megert geschaffenen Arbeit Philemon und Baukis, die ebenfalls auf Ovid basiert, eine Trilogie der Metamorphosen, der beständigen körperlichen Wandlungen.

Text: Barbara Filser

Die multiplen Organe :: Rekombinationen des Körpers

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The Analytical Onomasticon Project

  
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