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ZKM_Veranstaltungen im Juli 2002 ::

Typologie

Veranstaltungsreihe

Beginn :: 07.07.2002

Unter dem Titel Typologie ist eine Reihe von Veranstaltungen zusammengefasst, die sich mit den logischen Strukturen in der Kunst auseinandersetzt.

Der einfachste und direkteste Weg vom Bild zum Gespräch über Bilder führt unvermeidlicher Weise zur Sprache, zu deren fundamentaler Einflussnahme auf die Perzeption. Wie beeinflussen Linguistik und Semantik unser visuelles Wahrnehmungsvermögen? Was fügen die Wörter den Bildern bei, was nehmen Sie Ihnen weg? Können wir Kunst verstehen, ohne deren Begriffe genau studiert zu haben?
Die am Nachmittag des 07. Juli 2002 vorgestellten Projekte und Werke handeln über die Selbstreflexion, darüber wie wir die Welt mit Hilfe der Sprache verstehen ganz im Sinne von Michel Foucault, der seinen Studenten den folgenden Rat erteilte: »Man kann sich selber gegenüber in der Rolle eines Technikers, eines Handwerkers, eines Künstlers verhalten, der - von Zeit zu Zeit - in seiner Arbeit innehält, prüft, was er tut, sich selbst an die Regeln seiner Kunst erinnert, und diese Regeln mit dem vergleicht, was er bisher zustande gebracht hat.« Foucault ging es nicht darum, stures Reglement aufrechtzuerhalten, sondern im Gegenteil, die Lücke aufzudecken, die sich zwischen den Normen, Gewohnheiten, Ideengebäuden eröffnet; eine Nahtstellte, die das starre Konstrukt der Geschichte auf ein flexibles Plateau des Denkens neu errichtet.

- > toweringterms: access2innosense von Freddy Paul Grunert ist eine jener Arbeiten, die den Ansatz Foucaults aufgreift und in ein künstlerisches Projekt überführt. Ein überdimensionaler Liegestuhl lädt zum Verweilen an - zur bequemen Denkhaltung, die zu unbequemen Gedanken führen soll.
Wie der unübersetzbare Titel bereits andeutet, handelt es sich um eine doppeldeutige Angelegenheit: die sich auftürmenden Begriffe bieten zweifachen Zugriff auf die Unschuld der Gedanken einerseits wie auch auf die Sinnhaftigkeit andererseits. Gemeint ist damit der Zwiespalt zwischen frei flottierendem, unbewertetem Denken und der Evaluierung von Termen, also von logischen Modulsystemen. Freddy Paul Grunert wird im regelmäßigen Abstand per E-Mail eine Sentenz schicken, die auf einem Architekturplotter im Foyer ausgedruckt wird. Nach und nach versperren die paradoxen Sinnsprüche die Sicht im Raum, um sich Einlass zu verschaffen in andere, neue und ungewohnte Denkweisen. [B.K.]

-> Freddy Paul Grunert : Biographie

[Anläßlich der Ausstellungseröffnung am 07.07.2002 spielt der Musiker Manfred Paschen sein Werk »hindu ohne«, das auf einer von Friedrich Rückert stammend Übersetzung indischer Lyrik basiert.]

Freddy Paul Grunert, »toweringterms: access2innosense«, [work in progress]
Eröffnung :: 07.07.2002, 16.00 Uhr, ZKM_Foyer
Ausstellungsdauer 08.07.2002 - 08.09.2002

- > Mit Begriffen, deren logischen Verknüpfungen und assoziativen Annäherungen beschäftigt sich auch eine Arbeit der Künstlergruppe Art & Language. »Blurting in A & L online« ist eine Website, die auf dem ZKM-Server installiert ist. Mitglieder der Gruppe stellten 1973 ein Lexikon mit Erklärungen des eigenen Theorie-Vokabulars zusammen, dessen Querverweise eine Transkription in Hypertext nahezu notwendig machen. Dies hat Thomas Dreher in enger Zusammenarbeit mit dem ZKM | Institut für Netzentwicklung und in Abstimmung mit der Künstlergruppe unternommen. Er wird sein Projekt im Rahmen eines Symposiums vorstellen, an dem ebenso Michael Corris, Mitglied von A & L, und Thomas Wulffen, Kunstkritiker, teilnehmen werden.

Vorträge ::
Thomas Dreher: »Art & Language & Hypertext: Mapping, Blurting und Browsing«
Michael Corris: »Reconsidering the Social Dimensions of Indexing«
Thomas Wulffen: »Art & Language und eine mögliche Theorie nicht linearer Künste«


Art & Language/Thomas Dreher: »Blurting in A & L online«
Archiv-Ausstellung, ZKM_Medialounge
Eröffnung :: 07.07.2002
Ausstellungsdauer : 08.07. - 28.08.2002
Symposium »Blurting in A & L online« : So 07.07.2002,
17 Uhr, ZKM_Vortragssaal
  - > weiterführende Projektinformationen von Thomas Dreher

- > David Link, Medienkünstler aus Köln, greift den Diskurs über Sprache aus Sicht der Maschinen auf. Nicht das menschliche Denken steht hier im Vordergrund, sondern das adaptierte »Denken« der Maschinen, also das logische Verweisen. Der Künstler beschreibt seine Arbeit wie folgt: »Der Besucher betritt einen halbdunklen Raum. Über eine Leinwand fließt der Text, den niemand schreibt. Die Tasten der Tastatur davor bewegen sich wie von Geisterhand. Eine monotone, mechanische Stimme verliest den generierten Text, Satz für Satz.
Ohne die Nähe von Zuschauern schreibt das System schnell und flüssig. Buchstabengewitter. Ohne Unterlass folgt ein Wort auf das andere. Nähern sich Besucher, gerät der Textgenerator ins Stocken, zögert, verstummt zeitweilig ganz. Das System überlässt dem Betrachter den Schauplatz, lädt ihn ein, selbst in die Tasten zu greifen. Gibt dieser Worte ein, erscheint sein Text wie der der Maschine auf der Leinwand. Poetry Machine nimmt den Text auf und beginnt ausgehend von seinen Worten zu assoziieren. Der Strom von Texten im Wechselspiel zwischen der Maschine und ihrem Benutzer reißt nicht ab.«
David Link, »Poetry Machine« (version 1.0), 2001
Eröffnung :: 07.07.2002, 20.00 Uhr, Balkon vor dem Medienmuseum
Ausstellungsdauer :: 08.07.2002 - 31.07.2003
Öffnungszeiten ::
          · Mi 10 - 20 Uhr
          · Do - Fr 10 - 18 Uhr
          · Sa - So 11 - 18 Uhr
          · Mo + Di geschlossen
  - > weiterführende Informationen: http://www.alpha60.de/poetrymachine/

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° Weitere Veranstaltungen ::

01.07.2002, Mo. ::

Konzert mit Mauser, Gesprächskonzert mit Siegfried Mauser
- eine Veranstaltung der HfG Karlsruhe in Kooperation mit dem ZKM -
[18.30 Uhr : Großes Studio, HfG | Eintritt frei]

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