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ZKM_Veranstaltungen im Mai 2002::

Heptameron
Interaktive Oper von Gerhard E. Winkler
Sa/So 11.12.05.2002
20:00 Uhr, ZKM_Medientheater
Eintritt :: EUR 15/8

Heptameron nannte Margarete von Navarra (1492 1549) eine Sammlung von 72 Erzählungen. Schnörkellos, mit fast modern dokumentarischer Offenheit schildert die Renaissancefürstin Begebenheiten aus dem ewigen Spiel von Liebe, Lust, Leid und Kampf zwischen Mann und Frau. Sieben Geschichten davon wählte Gerhard E. Winkler aus, nicht um sie auf der Bühne nachzustellen, sondern um ihre Grundkonstellationen zum Kern eines interaktiven Konzepts zu machen, bei dem Musik, Bühnenbild, szenische Aktion und Licht in ganz spezifischer Art aufeinander bezogen sind.

Was Sie hören und sehen, beruht auf einem überschaubaren Fundus an Grundmaterialien, auf Samplern, die Körperklänge musikalisch ausbauen, auf Partiturelementen für drei Sänger und drei Instrumentalisten, auf einem Reservoir an Bildern, Zeichen, Farben. Sie werden aktiviert einerseits durch Computerprogramme, andererseits durch die Aktionen auf der Bühne. Ein Computerprogramm bestimmt die Folge der Geschichten und Szenen; sie laufen nicht nacheinander ab, sondern verschränken sich, kommen und gehen in Fragmenten. Das Bühnenbild besteht nicht aus gebauten Kulissen, es entsteht durch Videoprojektionen. Was Sänger, Schauspieler und Tänzer auf der Bühne bewegen, entscheidet darüber, wie das Archiv von Klängen und Bildern bearbeitet und aktiviert wird, welche Partiturausschnitte über Bildschirme an die Sänger und an die Musiker im Bühnenhintergrund geschickt werden.

Dazu nehmen Sensoren unterschiedlicher Sensibilität, Reichweite und Funktionsweise das szenische Tun und Treiben auf und geben entsprechende Signale an die Computer weiter, die dann Klang- und Bildereignisse steuern. Die Sensoren reagieren auf Neigungen und Bewegungen von Händen und Armen, auf Ortswechsel im Bühnenareal, auf Entfernung, Höhe und Tiefe, Geschwindigkeit und Druck von Bewegungen. So entsteht ein Spiel von Klängen und Tönen, von Licht, Farbe, Bild, Form und Figur. Es hat den Stilisierungsgrad des Tanzes, nur in Momenten die Deutlichkeit des Schauspiels. Jede Aufführung dieses Gesamtkunstwerks auf der technischen Höhe unserer Zeit aber fällt anders aus, und dennoch bleibt es in all den verschiedenen denkbaren Gestalten das gleiche Werk, angeregt durch Literatur, die ganz und gar in die ästhetische Gestalt des multimedialen Bühnenstücks aufgegangen ist.

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