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Andrei Ujica zu »2 Pasolini« [F, 2000]

Als Pasolini Il vangelo secondo Matteo vorbereitete, unternam er in Begleitung seines vatikanischen Beraters Don Andrea Carraro eine Prospektionsreise zu den Heiligen Orten, um zu prüfen, ob es möglich wäre, an den Originalschauplätzen zu drehen. Es war nicht möglich, denn die Moderne hatte bereits Einzug in die biblische Landschaft gehalten. Nur die Wüste war unverändert. Ein Kameramann der italienischen Wochenschau dokumentierte die Reise. Seine Aufnahmen sind nachträglich zu einem Dokumentarfilm mit dem Titel Sopraluoghi in Palestina zusammengefügt worden und Il vangelo secondo Matteo wurde in Süditalien inszeniert.

Ausgehend von Fragmenten aus Sopraluoghi in Palestina und Il vangelo secondo Matteo ließ ich Pasolini in der Wüste Jesus erblicken. Es ist, als wäre der Messias gerade dabei, die Rede gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer zu ersinnen. Durch ihren revolutionären Pathos war diese für den gläubigen Marxisten Pasolini schon immer die tröstlichste Stelle des Evangeliums. Der Text ist als innerer Monolog zu hören und während Jesus aus der Wüste kommend aufs Wasser wandelt, läßt Seine aufsteigende Wut das Meer immer stürmischer werden. Die Meeresbilder wurden mir vom französischen Sturmspezialisten zur Verfügung gestellt.

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[Veranstaltung am 16.01.2002 | ZKM_Medientheater]

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