Anna und Bernhard Blume [D] :: Ohne Titel [1990]
Wollte man das Werk von Anna und Bernhard Blume mit einem Wort
beschreiben, so träfe das Adjektiv » grotesk « den Sachverhalt. In den
Fotoserien des Kölner Künstlerpaares treffen genau die Sachen ein, mit
denen wir nie gerechnet hätten, aber es geschieht gleichzeitig auf so
eine normale Art und Weise, dass man wenig überrascht ist.
Zumeist entsteht die groteske Wirkung der Blume´schen Bildsequenzen aus deren
sprachlicher Textur: » Das blutende Fleisch ist die Sache selbst » wird
auf dem Billboard behauptet, und als Beleg sehen wir ein großes
Fleischermesser auf dem Küchentisch, dicke Blutflecken oder - auf einem
anderen Photo - eine abgehackte Hand. Die Künstlichkeit der
Inszenierungen offenbart sich dem Blick unmittelbar, allein aus dem
Dialog zwischen Wort und Bild, zwischen der visuellen Phantasie und der
sprachlichen Vorstellungskraft entsteht ein subtiles Spiel zwischen Ekel und Neugier, Anziehung und Abstoßung, Sinn und Unsinn.
Die Ingredenzien der Spezies Mensch, sei es ein einzelnes Körperteil,
Blutplasma oder Organe wie das Auge, werden von Anna und Bernhard Blume
mit dem photographischen Seziermesser ausgesondert, mit anderen Dingen,
wie den Alltagsobjekten, konfrontiert, um eine neue Geschichte zu
erzählen – eine bei der den Objekten ebensoviel Eigenleben zugestanden
wird wie den handelnden Subjekten. Die Divergenz zwischen einer inneren
und einer äußeren Erzählweise wird auf diese Weise aufgehoben zugunsten
eines SOWOHL ALS AUCH eines – von Blume so genannten
Transzendentalen Konstruktivismus, der – wie der Name schon sagt –
Rückgriffe auf die
Philosophie Kants unternimmt ohne dabei in schwerfällige Denkerpose zu verfallen. Vielmehr überführen die Künstler ernste Gedanken in
absurde Bildwelten und erzeugen somit eine schwebende Balance zwischen Lust und Last, Wissen und Glauben, Sehen und Denken.
Text: Barbara Könches
Die Organe des Körpers als Buchstaben :: Vereinzelung