Natacha Lesueur [F] :: Sans Titre [1998]

»Ich habe Dich zum Fressen gerne« - sagt man leichthin, wenn einem das Herz überquellen will. Ebenso geläufig ist, dass »Liebe durch den Magen geht«, oder der verliebte Koch die Suppe gerne versalzt. Keine Frage, die Nahrung zeichnet eine Qualität aus, die beides vereint Körper und Geist. Der Gourmet wird ebenso für seine feinen Geschmacksnerven gelobt wie der Kunstliebhaber, der Parfümeur, der Ästhet.

Die junge Französin Natacha Lesueur bringt in ihren Photographien beides in Einklang. Die appetitlichen Gesichtszüge des hübschen Fotomodells werden ersetzt durch ein graphisches Spaghettimuster, das orange leuchtende Karottenscheiben umgarnt. Oder es sind die schlanken Fersen, die zum Knabbern einladen. Für den Gemüseliebhaber gibt es Weißkohl bandagierte Beine. In der Stilistik der reizvollen Aufnahmen bleibt Natacha Lesueur den
Vorbildern aus der Werbung treu, aber ihre Ware ist nicht käuflich, sie macht vielmehr Lust auf das Individuelle, auf das Ungewöhnliche und Ausgefallene. Wenn Werbung und Mode den Lifestyle einer Generation kreieren, so führt die Künstlerin diesen Habitus mit einem ironischen Lächeln ad absurdum. Der Wille zu Gefallen wird zur extravaganten Hypertrophie kosmetischer Selbstzwecke, die auch vor einer grotesken Manieriertheit nicht Halt macht.

Text: Barbara Könches

Die Objektvermählung :: der Cyborg

  
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Januar-März 2001
  
  

 





 
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