: ZKM :: Artikel :: Veranstaltungsreihen : ghost dances II
 
 

  

ghost dances//landscapes of time

Vortragsreihe zur Zukunft des Theaters

- > Termine ::
28.11./29.11./30.11.2001
11.01./12.01.13.01/2002
Ort ::
Grosses Studio, Staatliche Hochschule für Gestaltung [HfG], Karlsruhe, und ZKM_Medientheater

Konzeption :: Birgit Wiens
[Eine Ko-Produktion zwischen dem ZKM und der HfG Karlsruhe, Fachbereich Szenografie.]

Nachdem der erste Teil der Veranstaltung die Frage nach dem Theater als kulturellem Gedächtnis ins Zentrum stellte [Theater als »Dialog mit den Toten« Heiner Müller] und seine Funktionsweise mit dem 'Gedächtnis' in der Medienkunst vergleicht, erweitert der zweite Teil die Fragestellung im Hinblick auf eine interkulturelle Perspektive.

landscapes of time

Erinnerung hat eine Zeit-Dimension, ist an Zeit [und an Raum] gebunden. Gegenwärtig, unter dem Einfluss der Medientechnologien, scheinen sich Zeitbegriff und –wahrnehmung zu verändern, manche befürchten: global einzuebnen. Man spricht von »Echtzeit«, Beschleunigung, Simultaneität. - Wie Kulturen jeweils »Zeit« verstehen, ist jedoch sehr verschieden: Sie gehen mit Zeit unterschiedlich um, sie haben verschiedene Kalender und Zeitrechnungen, feiern andere Feste. Ihre Sprachen haben verschiedene Tempi und Rhythmen. Auch die Künste sind durch Zeitdefinitionen geprägt: als »Zeitkunst« gilt traditionell das Theater; dabei werden einer Inszenierung oder Choreographie oft sehr kulturspezifische Zeitschemen zugrunde gelegt. Ein Darsteller, der sich in einer fremden Spielweise ausprobiert, macht die Erfahrung, dass das Tempo von Bewegung, Atmung etc. vollkommen unterschiedlich ist: er trägt die Zeit seiner Kultur, als Erinnerung, sozusagen im eigenen Leib.

Zunehmend finden sich Zeitphänomene auch in der Bildenden Kunst, Fotografie, Video- und Netzkunst, und hier lohnt sich ein Vergleich: Wie zeigen sich die globalen/lokalen Differenzen im Umgang mit Zeit in den darstellenden Künsten und in der Medienkunst? Hat ein neuer Zeitbegriff Folgen für die Grenzen zwischen den Gattungen?

° Veranstaltungen ::

November 2001

28.11.2001 ::

»Körper/Transformationen«
Vortrag von Dr. Konrad Mader [Chirurg, Berlin]
[19 Uhr , Großes Studio HfG , Eintritt frei]

29.11.2001 ::

»'Bildbeschreibung' - Theater als Zeit-Kunst«
Vortrag von
Michael Simon [Professor für Szenographie, HfG Karlsruhe]
[20.30 Uhr , Großes Studio HfG , Eintritt frei]

30.11.2001 ::

»Fotografie und der Faktor Zeit«
Vortrag von Michael Wesely [Künstler und Fotograf, Berlin]
[20.30 Uhr, Großes Studio HfG, Eintritt frei]

Januar 2002

11.01.2002 ::

Arnd Wesemann: »theater//labor«

Die Verknüpfung von Theater/Tanz und Medienkunst sprengt nicht nur den traditionellen Charakter des Werks in der darstellenden Kunst, d.h. die Definition von Raum und Zeit. Sie erfordert darüber hinaus prinzipiell andere Bedingungen und Arbeitswesen als die der heutigen Institution 'Theater'. Ausgehend vom Konzept eines neuartigen 'Labors' entwickelt Wesemann seine Vision zur Zukunft der performativen Künste.

Biografie :
Geboren 1961. Studium der Angewandten Theaterwissenschaft an der Universität Giessen, später Studium am theaterwissenschaftlichen Institut Frankfurt / Main. Seit 1990 tätig als Journalist; Kritiken und Essays zu zeitgenössischen Formen der Theaterkunst u.a. in ballet-tanz, Theater der Zeit, Theater heute und Musik & Theater. Seine Reportagen über neue Entwicklungen in der europäischen Kunst- und Theaterszene sowie zu Medienkunst erscheinen in überregionalen Tages- und Wochenzeitungen, u.a. in: Tagesspiegel, taz, Die Zeit, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung und Screen Multimedia. Mitglied in diversen Theaterjuries; Buchpublikationen u.a. »Datendummies & Netznomaden« [1996].
Seit 1997 ist Wesemann Redakteur der Zeitschrift ballet-tanz.

[ZKM_Medientheater, 19:00 Uhr, Eintritt EUR 4,50/2,50]

12.01.2002 ::

Penelope Wehrli: »'Operation Solaris'« - Theater als Futurologie

Die theatralische Inszenierung von Zeit erforscht die Berliner Bühnenbildnerin und Performancekünstlerin Penelope Wehrli in ihrer Bearbeitung von Stanislaw Lems »Solaris«. Aus der Raumstation, die der Wissenschaftler Kelvin als einziger bewohnt, wird eine Rauminstallation, seine Traumbilder und Begegnungen werden umgesetzt in eine Ästhetik, die mit dem Zeitempfinden des Publikums spielt.

· Biographie :
Penelope Wehrli ist Bühnenbildnerin und Performancekünstlerin. Sie arbeitet frei für verschiedene Häuser, darunter die Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, wo sie u.a. Bühnenbilder für Inzenierungen des Choreographen Hans Kresnik realisierte. Zahlreiche Performance-Projekte, darunter »Äther-Trommeln-Europa« [Festspielhaus Hellerau/Dresden 1999], das ständig weiterentwickelt wird. Zuletzt: »Solaris«, eine Koproduktion der Staatsbank, Französische Strasse und der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, Berlin.

· Synopsis von Solaris:
»Im trüben Licht am Ufer des zähflüssigen Ozeans landet eine kleine Raumkapsel. Der Wissenschaftler Kelvin ist von der Erde zur Raumstation auf den Planeten Solaris geschickt worden. Aber niemand steht zu seinem Empfang bereit. Als er behutsam in die Station vordringt, stößt er auf Anzeichen von Chaos und Auflösung. In den kahlen Gängen tauchen Gestalten auf, die aus einem Traum zu stammen scheinen. Kelvin begegnet seiner verstorbenen Frau. Realität oder Wahnvorstellung?«

[ZKM_Medientheater, 19:00 Uhr, Eintritt Eur 4,50/2,50]

13.01.2002 ::

Israel Rosenfield: »Wie Zeit entsteht. Aspekte der Wahrnehmung«

Den Abschluss des 2. Teils der Vortragsreihe bildet ein Vortrag des Hirnforschers Israel Rosenfield. Sein Vortrag untersucht die Wahrnehmung von Zeit: Wie nehmen wir zeitliche Abläufe wahr? Wie subjektiv ist Zeitempfinden? Israel Rosenfield lebt und lehrt in Paris und an der City University of New York; sein Hauptinteresse gilt der Gehirn- und Bewußtseinsforschung. [Vortrag in englischer Sprache.]

»Israel Rosenfield ist ein eindrucksvoller und origineller Denker. Nach seiner Meinung hat die klassische mechanistische Neurologie unbeschadet all ihrer grossen Errungenschaften abgewirtschaftet. Krankheit sei ohne Bezug zum ständig wechselnden Körperbild, zum Bewußtsein, zum Sein nicht zu verstehen...« [Oliver Sacks]
Rosenfield, geb. 1949, hat Medizin, Mathematik und Wissenschaftsgeschichte studiert; Promotion an City University of N.Y. mit den Forschungsschwerpunkten Medizingeschichte und Hirnforschung, Theorie des Bewusstseins, des Gedächtnisses und der Subjektivität; lebt und lehrt in Paris und New York. Zahlreiche sehr beachtete wissenschaftliche Publikationen, u.a. »Das Fremde, das Vertraute und das Vergessenen. Anatomie des Bewußtseins« [1992], sowie fiktionale Texte: »Freud's Megalomania« [New York, 2000]: ein Roman über den Fund eines die Forschung erschütterndes Manuskript Siegmund Freuds, der unter dem Titel »Freuds Grössenwahn« 2002 im Berlin Verlag erscheint.

[ZKM-Medientheater, 19:00 Uhr, Eintritt Eur 4,50/2,50]

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Theater und Neue Medien als »kulturelles Gedächtnis«

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