Heiner Blum [D] :: Läufer I-III [1990/91]

Betrachtet man es von weitem, so erinnert das Wandobjekt ::Läufer I-III:: von Heiner Blum an drei aufgehängte Ruder im Trainingszentrum einer maritimen Sportgemeinschaft. Ein großes Paddel für die Senioren Gruppe, ein mittleres für die Jugendabteilung und das kleine für den Nachwuchs. In der Tat betitelte der Künstler diese Arbeit einst mit Vater Mutter Selbst (Gelebte Zeit).

Die Größe der an die Metallverankerung festgezurrten Stäbe nehmen offensichtlich Bezug auf Ausdehnung, Wachsen, Gedeihen, kurz auf Zeit - ein Topos, den man im Werk des 1959 in Stuttgart geborenen Künstlers häufig antrifft. Das zweite, entscheidende Motiv im Blum´schen Oeuvre stellt die Sprache dar. Für eine 3sat Produktion brachte der Konzeptkünstler beide Aspekte in Übereinstimmung, indem das kurzfristige Aufleuchten von 30 Fragen, die ephemere Erscheinung der Wörter, der langwierigen Antwortsuche, der existentiellen Fragwürdigkeit, gegenüber gestellt wird. »Haben wir oder sind wir Körper? Werden wir durch unsere Sinne betrogen? « Wie Bellmer versucht auch Blum Körperlichkeit, Leiblichkeit, mittels Sprache zu erfassen, und wie Bellmer zerlegt er den Leib in einzelne Teile, deren plastische Konfiguration Irritation erzeugt. Die Hände der »Läufer« sind in ihrer Detailgenauigkeit echten Körperteilen zum Verwechseln ähnlich, aber sie sind aus Radiergummi modelliert. Einem Material, das aufgerieben wird und dadurch dem zeitlichen Verfall anheim fällt.

Blum spielt mit dem philosophischen Paradoxon, wenn er das flexible Material an die Wand anschraubt, die Läufer auf die fragmentarische Gestalt der Stafette reduziert und deren Botschaft hinter dem Übergabemythos zurücktreten läßt.

Text: Barbara Könches

Die Organe des Körpers als Buchstaben :: Vereinzelung

  
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