Kirsten Geisler [D/NL] :: Dream of Beauty 2.0 [1999]

Rosemarie Trockel führte uns vor, welche Schönheiten uns täglich auf den Plakatsäulen in den Straßen der Städte begegnen. Auf den ersten Blick ist nicht zu erkennen, dass die Dargestellten mittels digitaler Schönheitschirugie perfektioniert wurden. Auch die ::Beauty:: von Kirsten Geisler ist ein Kind der Vereinigung von binären Informationseinheiten, keine reine Kopfgeburt, sondern ein ::telegen/etisches:: Wesen, das zwinkern, lachen und küssen kann.

Eine virtuelle Olimpia, die den Betrachter einerseits durch ihre äußere Erscheinung für sich einnimmt, andererseits durch ihre zaghaften Versuche zu kommunizieren das Publikum in ihren Bann zieht. Zunehmend verschwinden die Grenzen zwischen Mensch und Maschine.
Obgleich Beauty bislang nur ein begrenztes Repertoire sozialer Interaktionen beherrscht, weist sie uns auf Risiken und Chancen der neuen Maschinen - Generation hin. Der menschliche Körper suggeriert Familienähnlichkeit, in Wahrheit jedoch stehen wir vor einem Scheingebilde, das keinerlei Referenten mehr kennt. Was früher als schwerfällige Stahlkonstruktion, als ungelenker Roboter, als eine vom Menschen erbaute und dem Menschen dienende Apparatur erkennbar war, hüllt sich nun in den fleischfarbenen Mantel augenscheinlicher Schönheit. Der menschliche Körper dient im Cyberspace nur mehr einem Zweck, der ästhetischen Animation.
Paul Virilio spricht von der »Niederlage der Tatsache des Liebemachens, hier und jetzt, zugunsten einer maschinellen Täuschung, bei der die Distanz wieder zur distentio wird, zur Auseinanderziehung und Trennung der Partner«.

Text: Barbara Könches

Der virtuelle Körper :: der Körper als reines Bild

  
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Januar-März 2001
  
  

 





 
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