Orlan [F] :: Operation Reussie n. III :: [1990] + Refiguration Selfhybridation n. 10,19,22 [1999]

Die französische Performancekünstlerin Orlan arbeitet seit 1990 an einem umfangreichen Projekt, das bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Ausgangsbasis war ein Selbstportrait der Künstlerin, das mit Hilfe eines Computers mit Bildern von Göttinnen aus der Mythologie und berühmten Frauenbildnissen aus der Kunstgeschichte überlagert und verschmolzen wurde. Das so entstandene hybride Bildnis lieferte die Vorlage für das neue Gesicht, das Orlan sich in mehreren plastischen Operationen - soweit medizinisch und anatomisch machbar - geben lassen wollte. Jede der bis dato neun durchgeführten Operationen wurde als Performance veranstaltet. Orlan, lediglich lokal betäubt, rezitiert während des Eingriffs thematisch passende Texte eines ausgewählten Autors, darunter Michel Serres, Antonin Artaud, Julia Kristeva und die Psychoanalytikerin Eugenie Lemoine-Luccioni. Das Ärzte-Team und die Patientin tragen für den speziellen Anlaß entworfene Kleidung, u.a. von Paco Rabanne oder Issey Miyake, der OP-Saal wird umgestaltet, jede Operation erhält ein eigenes Ambiente.
Die chirurgischen Eingriffe werden auf Film oder Video detailgenau festgehalten, einmal sogar live in verschiedene Institutionen in Europa und den USA übertragen.
Orlan benutzt ihren eigenen Körper als künstlerisches Medium, ihre Art Charnel Fleischliche Kunst läßt den OP-Saal zu ihrem Atelier werden. Die Methoden und Materialien der Schönheitschirurgie dienen ihr nicht wie üblich zur Erhaltung oder Herstellung von Schönheit, oder dem was zur Zeit in unserer Gesellschaft als Schönheit deklariert wird, sondern zum Angriff auf die gängigen Schönheitsideale indem sie sich z.B. zwei Silikonimplantate als Beulen an den Schläfen verpassen läßt. Statt mit westlichen Frauenbildnissen arbeitet Orlan in der im letzten Jahr entstandenen Photoserie Refiguration Selfhybridation mit Bildern präkolumbianischer Skulpturen, die sie per Computer mit ihrem eigenen Gesicht zu neuen, fremdartigen Selbstportraits verbindet. Der Operationszyklus indessen ist noch nicht ganz beendet, eine Veränderung der Nase wird noch stattfinden. Danach wird sie sich mit der Frage befassen, ob eine Veränderung am Köper nicht auch eine Veränderung der Identität bewirkt. Orlans nächstes Projekt ist, sich durch den französischen Staat eine neue Identität anerkennen zu lassen.

Text: Barbara Filser

Die Objektvermählung :: der Cyborg

wichtiger Termin::
Orlan wird am 17. Mai 2000, um 19:00 Uhr, im Rahmen der Ausstellung ::Der Anagrammatische Körper:: im ZKM einen Vortrag halten.

  
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Januar-März 2001
  
  

 





 
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