Rosemarie Trockel [D] :: Beauty [1995]

Das menschliche Erbgut setzt sich aus vier Bausteinen, oder wenn man so will Buchstaben, zusammen: A wie Adenin verbindet sich mit T wie Thymin, G wie Guanin verbindet sich mit C wie Cytosin. Die Künstlerin Rosemarie Trockel benötigt lediglich drei Grundbausteine, um eine imposante Phalanx menschlicher Schönheit zu kreieren. »Beauty« , so der Titel einer Plakatserie, die 1995 für das Wiener ::museum in progress:: geschaffen wurde, basiert auf drei authentischen Gesichtern lebender Personen, aus denen Trockel per Digitalisierung verschiedene Antlitze modellierte.

Eine besondere Eigenschaft charakterisiert die stereotype Reihung kühler Portraits: Schönheit. Indem Schönheit sich von der Gnade der Natur emanzipiert, - sie wird nun synthetisch herstellt, eine beliebig zu reproduzierende Ware -, geht ein Menschheitstraum in Erfüllung. Aber was ist Schönheit, beruht ihr Wesen nicht eigentlich auf einer sozialen Konvention, einer sprachlichen Vereinbarung über Mode? Wer würde heute noch die pralle Leiblichkeit eines Rubens als Idealbild loben?

Die hintersinnigen Arbeiten der 1952 in Schwerte geborenen Künstlerin bestätigen keineswegs den ersten Eindruck einer bloß affirmativen Haltung gegenüber den gängigen Klischees, sondern ihre raffinierte Taktik besteht darin, oberflächliche Opportunität ad absurdum zu führen. Daher reüssierte Trockel seit ihren ersten Ausstellungen Anfang der 80er Jahre zu einer national und international anerkannten Künstlerin. 1997 errichtete sie auf der documenta X das zusammen mit Carsten Höller konzipierte ::Schweinehaus::, 1999 gestaltet sie auf der Biennale in Venedig den deutschen Pavillion. Zahlreiche Ausstellungen, zum Beispiel im Leopold-Hoesch-Museum und eine in Hamburg, London, Stuttgart und Marseille gezeigte Retrospektive zeugen von der Bedeutung des Werkes Rosemarie Trockels für die zeitgenössische Kunst.

Text: Barbara Könches

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Januar-März 2001
  
  

 





 
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