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Die Komposition »Medusa« benutzt die Software Genesis, mit deren Hilfe physikalische Modelle erstellt werden. »Genesis« ermöglicht es, Klänge zu erzeugen, die eindeutig einem bestimmten Material entstammen. Jeder Klang wird sofort mit einer Quelle, wie Holz, Metall, Blech oder Eisenstange assoziiert. Zusätzlich sind manche Klänge, denen existierender Instrumente so ähnlich, dass man keinen Unterschied zwischen echtem und künstlich erzeugtem Klang hören kann. Sicherlich, in dem Moment, in dem der virtuelle Klang dem Wirklichen ähnlich ist, verliert er an Einzigartigkeit, besonders für einen Komponisten, der daran interessiert ist, neue Klänge zu finden. ][

Die Möglichkeiten, mit physikalischen Modellen zu arbeiten gehen aber noch weiter. Nicht nur, daß der Klang simuliert werden kann. Es ist möglich Strukturen zu erzeugen, die wiederum komplette Spielereignisse hervorbringen. Man kann zum Beispiel ein Becken mehrmals anschlagen und den Eindruck bekommen, dass dieses Becken von einem Schlagzeuger angeschlagen wird. Dies wird durch eine Art langsame Saite möglich. Die langsame Saite berührt an einer Stelle das klingende Objekt und erzeugt damit einen Anschlag. Diese Saite simuliert in dem Modell den Spieler während das klingende, also schnell schwingende Objekt das Instrument darstellt. Sicherlich ist es nicht so einfach möglich mit dieser Technik einen Ersatz für einen Spieler zu schaffen, der eine beliebige Partitur interpretiert. Jedoch ist es andererseits möglich neue musikalische Gestalten zu entwickeln. Das physikalische Modell ist also in der Lage einen virtuellen Spieler hervorzubringen. Es kann demnach als kompositorisches Instrument benutzt werden.

Zu den Gesten der virtuellen Komposition wurden mit Hilfe von Algorithmen, also mit Computerprogrammen, Strukturen für die wirklichen Spieler errechnet, in ein Notationsprogramm eingegeben und von den 2 Schlagzeugern interpretiert. Danach wurde die Komposition im Recording Studio des Instutes für Musik und Akustik aufgenommen und in einer neuartigen Anordnung abgemischt. Dank der Erfahrung des Tonmeisters Christian Venghaus konnten die Instrumente in einer 5 Kanal Abmischung zusammen mit dem 4 kanaligen Tonband zu einem Surroundmix verarbeitet werden, der für das neue Medium DVD vorbereitet ist.

Der nächste Schritt in Entwicklung von »Medusa« geht über die Erstellung von rein akustischem Material hinaus. Mit den Animationen die für die Klangerzeugung benutzt wurden, können auch visuelle Sequenzen erzeugt werden. Diese sollen nicht den Zweck eines klassischen Videos erfüllen, sondern eher die Funktion eines visuellen Zuspielbandes, das, nicht andauernd präsent, etwas zu der Komposition hinzufügt - vielleicht ein Begreifen von Zeit, eine Faszination der Bewegung oder einfach eine Illustration von Verläufen der realen Spieler, des realen [sichtbaren] Klanges und der des virtuellen Klanges [des Tonbandes] und des virtuellen Spielers [der des physikalischen Modells].

Text: Ludger Brümmer

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