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Tobias Rehberger "Geläut - bis ich's hör' ..."

01. Mai - 11. August 2002 | Museum für Neue Kunst

Das Museum für Neue Kunst stellt Tobias Rehberger (*1966 in Esslingen) in seiner ersten umfassenden, als Überblicksschau angelegten großen Einzelausstellung vor. In den beiden Lichthöfen des Museums werden über fünfzig Werke und Werkgruppen des in Frankfurt am Main lebenden und arbeitenden Künstlers ausgestellt, darunter zahlreiche neu für diese Ausstellung geschaffene Arbeiten. Ein besonderer Höhepunkt wird eine riesige Lichtinstallation sein, die den gesamten ersten Lichthof überspannt. Hinzu kommen Videoarbeiten, Rauminstallationen, Wandmalereien und die Serie der seit 1999 in Thailand von Handwerkern gefertigten "berühmten" Automobile, für die aus dem Gedächtnis gezeichnete Skizzen des Künstlers als Vorlagen dienten.

Tobias Rehbergers oftmals mit dem Designstil der siebziger und achtziger Jahre spielende Environments, Möbelentwürfe, Skulpturen und Deckengestaltungen haben ihn ins Zentrum einer Kunstkritik gestellt, die kontextuelle Ansätze und Cross-Over-Bestrebungen betont. Er selbst bewegt sich in diesen festgelegten Feldern der Kritik, ohne sie bei seiner Arbeit als wirklich ausschlaggebend zu berücksichtigen. Wo das Design die "Nützlichkeit" von Gebrauchsgegenständen nicht nur herstellt, sondern auch um einen ideellen Mehrwert ergänzt, da konzentriert sich Tobias Rehberger auf die Übertragung solcher Fragestellungen auf das Gebiet der Kunst und stellt so im Handstreich die gesamte Politik von kunstkritischen Interpretationen zur Disposition.

Indem er Besuchern die Möglichkeit gibt, die Ausstattung und die Gestaltung des Ausstellungsraums mitzubestimmen, indem er Vorschläge oder Vorgaben von Freunden und Bekannten in ein künstlerisches Ambiente, in Möbel oder Porträts übersetzt, die sodann die Handschrift aller Beteiligten - der Vorschlagenden und des Künstlers - tragen, indem er schließlich das Funktionieren seiner Installationen und Objekte von der Bereitschaft zur Benutzung durch andere abhängig macht, diskutiert Rehberger stets seine Grundfrage: Was ist eigentlich ein Kunstwerk, und wieviel an ihm ist von Vorstellungen, Wahrnehmungen und äußeren Einflüssen bedingt?

Auf diese Weise zeigt der Künstler Möglichkeiten auf und macht Vorschläge, die von den Vorstellungen und Erwartungen der Betrachter abhängig sind, um überhaupt "lesbar" zu werden. Man könnte also alles auch ganz anders machen, wenn man nur wüßte, wie. Insofern sind die typischen Modeerscheinungen "ambient music" und "ambient space" bei Rehberger nur scheinbar Bedingungen einer "ambient art", die jedoch zeigt, wie leicht man sich mit Festlegungen auf nur eine Möglichkeit aus dem Zentrum herausbewegen kann oder gar niemals in seine Nähe kommt. - In Karlsruhe wird unter anderem die komplette Serie der Fragments of their pleasant spaces zu sehen sein, in der Tobias Rehberger genau diesen Ansatz seit 1996 verfolgt. Jedes Werk der Serie besteht aus einem Ensemble von Möbelstücken und Objekten.

Zur Ausstellung ist ein vom Künstler gestaltetes Katalogbuch mit einer Dokumentation der Ausstellung und Texten von Tobias Rehberger, Penelope Curtis und Ralph Melcher (Kurator der Ausstellung).

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