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Mille Plateaux Labelnight

DJ-night mit Vladislav Delay (Helsinki) Kid 606 (San Francisco) Twerk (San Francisco)

Das nach einem Buch des französischen Philosophen Gilles Deleuze benannte Frankfurter Label Mille Plateaux spielt in Theorie und Praxis eine weltweit führende Rolle in der Entwicklung experimenteller elektronischer Musik zwischen Ambient und Noise, Minimal Techno und Dub, Easy Listening und House. Der Labelpolitik entsprechend widmet sich Mille Plateaux der Progression digitaler Klangsynthesen; Konzepte wie Virtualität, Digitalität und Maschinismus stehen im Mittelpunkt. Typisch für den Sound des Labels sind dabei immer wieder die vordergründig unwesentlichen, meist ungehörten oder sogar unerwünschten Klänge wie Klicks, Kratzer oder Schnitte. Aus den dermaßen bloßgestellten Klangatomen entsteht ein neuer musikalischer Mikrokosmos: Das Irrelevante wird zur Musik, die Bewegung von Null und Eins wird hörbar. Eine Europatournee zur Feier des 10-jährigen Bestehens von Mille Plateaux und dessen Schwesterlabel Force Inc. führt nun einige der interessantesten neuen Acts des Labels mit DJ-Sets und Live-Performances ins ZKM.

Der junge Finne Vladislav Delay ist der am meisten beachtete und sicherlich spannendste Künstler der sich rasant entwickelnden skandinavischen Electro-Scene; seine Veröffentlichungen (auch unter den Pseudonymen »Luomo« und »Uusitalo«) sorgten in der Technohouse Community für Furore. Das Fundament seiner Musik bilden fragmentierte, impulsartige Klänge, die er durch ausgedehnte Arrangements in einen organischen Fluss bringt. Phrasen aus Atemgeräuschen, Flüstern oder gehauchten Vokalisen wiederholen sich über minimal alterierenden Grooves und warmen Flächenklängen und erzeugen eine subtile, stetig steigende Intensität: »Des Techno reine Seele« (SPEX). Der San Franciscoer Laptop-Musiker Kid 606 zeigt sich mit seiner neuen Veröffentlichung »PS: I Love You« als einer der unbändigsten und vielseitigsten Acts des Mille Plateaux Labels, der stilistisch mühelos zwischen Ambient, Click-Funk und Breakbeats zu pendeln weiß und dabei durch seine Fähigkeit beeindruckt, kleinste, nicht-essentielle Klänge zu großen melodischen Konstrukten zusammenzusetzen. Ebenfalls aus der Bay Area stammt Shawn Hatfield alias Twerk, und es ist nicht zuletzt seinen minimalistischen, streckenweise aggressiven Beats und diversen Veröffentlichungen auf lokalen Independent-Labeln zu verdanken, dass Kalifornien den Ruf einer Top-Adresse für Underground Techno für sich in Anspruch nehmen kann.

24.05.2001 :: 21-1:30 Uhr :: ZKM-Foyer :: Eintritt: DM 12

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