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CIRCLES °5 ::

Montana Sacra

Dirk Bell, Susanne Bürner, Dieter Detzner, Berta Fischer, Tine Furler, Sebastian Hammwöhner, Thilo Heinzmann, Thomas Helbig, Uwe Henneken, Dani Jakob, Stephan Jung, Marcus Kaiser, Erwin Kneihsl, Kalin Lindena, Manfred Peckl, Anselm Reyle, Jenny Rosemeyer, Heidi Specker, Katja Strunz, Wawrzyniec Tokarski, Gabriel Vormstein, Suse Weber, Mark Wehrmann, Klaus Winichner, Thomas Zipp
ZKM | Zentrum für Kunst und Medientechnologie

06. April - 13. Mai 2001

Die Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe »Circles«, die unter Annahme einer soziologischen Perspektive die individuelle Sozialisation und Netzwerkarbeit junger Künstler als grundlegende Bedingung für die künstlerische Produktion und Positionsfindung untersucht, widmet sich im Rahmen der fünften und letzten Station »Montana sacra« einem Kreis von 25 Künstlern, die exemplarisch für die selbstorganisierten und kollaborativen Strukturen der derzeitigen Berliner Kunstlandschaft stehen.

Nachdem die Bundeshaupstadt seit der Wiedervereinigung zu einem wahrhaften »Mekka« für die junge Kunst geworden ist nur selten scheuen die Kolporteure und Berichterstatter einen Vergleich mit dem Paris der 20er-Jahre , ergibt sich für viele junge Künstler, die aus anderen sozialen Umfeldern, Studienorten oder lokalen Szenen an die Spree gezogen sind, eine exilartige Lebenssituation und die daraus folgende dringende Notwendigkeit, sich hier neu zu vernetzen, Beziehungen zu etablieren persönlicher oder professioneller Art , neue Freundschaften zu schließen und künstlerische Aktivitäten in (selbst-) organiserte Bahnen zu lenken.

Der von Dirk Bell, Anselm Reyle und Thilo Heinzmann gegründete Ausstellungsraum »Montparnasse« ein Ausstellungsraum in der Tradition des »Artist Run Space« bildet im Verbund mit der angegliederten Bar »Finks« sowie dem Ausstellungsraum »Maschenmode« und der Galerie Giti Nourbakhsch die Grundlage für ein komplexes Beziehungs-, Arbeits- und Kommunikationsgeflecht der zu »Circles °5« eingeladenen Künstler. Diese Konstellation, die verschiedenste Künstlerkreise und deren Schnittmengen vereint, ist deshalb so bemerkenswert, da sich hier Künstler mit stark unterschiedlichem sozialen und ausbildungsspezifischen Background zu einem für Berlin typischen unabhängigen neuen Netzwerk formieren, dessen Aktivitäten (d.h. Ausstellungsräume, Barbetrieb, gemeinsame Reisen, Ausstellungsprojekte und Publikationen) sowohl auf einer lokalen Ebene als auch über die Grenzen der Spreestadt hinaus eine gewisse Schlagkraft entwickeln konnten.

Der geometrische Begriff der »Schnittmengen« ist in diesem Rahmen deshalb angebracht, da sich die eingeladenen Künstler und ihre eigenen Freundeskreise aus Braunschweiger, Frankfurter, Düsseldorfer und nicht zuletzt Karlsruher Akademiezeiten zu einer überlappenden Konstellation der sozialen Überschneidungen addieren. Diese Struktur läßt sich nicht durch formal-ästhetische, stilistische oder inhaltliche Kohärenzen charakterisieren; sie ist in ihrer Zusammensetzung heterogen und basiert vor allem auf gegenseitiger »Sympathie« so auch der Titel einer von Wawrzyniec Tokarski organisierten Ausstellung in den Räumen von Montparnasse im letzten Jahr (»Sympathie - Macht der Liebe und Freundschaft«).

Ob diese gegenseitige Sympathie, d.h. die diversen Formen der Annäherung, des Austauschs und der wechselseitigen Kritik auch in einem möglichen gemeinsamen Kunstbegriff, einer sich annähernden Idee von künstlerischer Produktion resultiert, soll in der Ausstellung sowie in der begleitenden Vortrags-veranstaltung, an der Gunter Reski, Angela Rosenberg und Raimar Stange teilnehmen, erörtert werden.

Der Titel »Montana sacra« ist einem Spielfilm des Kult-Regisseurs Alejandro Jodorowsky (dt: »Der Heilige Berg«, 1975) entlehnt und beschreibt die konzeptuelle Vorgehensweise des Projekts: Im Gegensatz zu einer exklusiven Präsentation, also einer Reduktion auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, soll in dieser letzten Station der »Circles«-Reihe ein weitgehend akkumulatives, inkludierendes Ausstellungskonzept als Repräsentationsmodell des Berliner »Circle« fungieren; ein Berg, aufgehäuft aus Arbeiten, Versatzstücken und Gerümpel, der vom Boden bis zur Decke reicht und als Projektionsfläche für performative und musikalische Aktionen dient, wird im »subRaum« des ZKM_Kubus errichtet und paraphrasiert so das utopische Sinnbild des »heiligen Bergs«. Mein Parnass, dein Parnass...

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