-> […] eine Dose Zyklon-B-Gas […], mit dem die Juden in Auschwitz und
Majdanek getötet wurden. Ich wollte, dass eine einzige Dose in einem kleinen,
sonst leeren Raum auf einem Podest stand – als das Symbol für Adolf Hitlers
Deutschland, so wie einst die im Metropolitan Museum of Art isoliert ausgestell-te
Vase des Euphronios als Inbegriff der griechischen Antike erschien.
++
Raul Hilberg, »Unerbetene Erinnerung« [1994]
www.holocaust-education.de
*__Der Holocaust spielte nach Ende des Zweiten Weltkriegs lange Zeit in der europäischen
Kultur eine eher marginale Rolle. Reflexionen über den Genozid an den Juden wurden
in der Hauptsache von jüdischen Dichtern und Denkern angestrengt. Erst in den letzten
Jahren haben auch deutsche Intellektuelle und Institutionen sich zentral in die Debatte
um Gedächtnis und Geschichte eingeschaltet, die Gleichgültigkeit und das Schweigen
durchbrochen und versucht, das Unfassbare und Einzigartige dieser tiefgreifenden
Verwerfung und das ungeklärte Verhältnis von Moderne und Barbarei zu verstehen.
Der leere Raum, von dem der Holocaust-Forscher Hilberg spricht,
könnte das Internet sein. Statt der Dose steht die Information im Mittelpunkt dieses
Raumes, denn die Information über den Holocaust scheint immer noch das wirksamste
Gegenmittel zu sein. Das Internet bietet wie kaum ein anderes Medium die Möglichkeit,
intensive Dialoge mit einem großen Publikum zu führen. Eine Eigenschaft, die in
der Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themenstellungen und deren
Vermittlung unverzichtbar geworden ist.
In der Kooperation des Goethe-Institutes, der Fördergesellschaft für kulturelle Bildung e.V. und des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe wurde jetzt ein über fünfzig Schulprojekte umfassendes Archiv zum Thema Holocaust und Nationalsozialismus online gestellt. Das ZKM hat mit Unterstützung der Wiener Agentur FOX Mediadesign eine repräsentative und innovative Website entwickelt.
Interessierte finden ab dem 15.Februar 2001 unter der Webadresse www.holocaust-education.de fortlaufend aktualisierte Projektberichte und Quellenmaterial zu den Themenkomplexen Antisemitismus, Faschismus, Judenverfolgung und Nationalsozialismus. Der Zugang erfolgt über eine Newspage und ein intelligentes Archiv.
Die Intelligenz des Archivs ist darin zu sehen, dass es verschiedenartige
Absichten und Wünsche der Benutzer im Umgang mit seinem Datenmaterial
berücksichtigt. Die Webdatenbank erlaubt dem User, über anspruchsvolle Suchformulare
die für Ihn relevanten Fragen an das Archiv zu stellen und die Antworten auf seine
persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten präsentiert zu bekommen.
Diskussionsforen bieten die Möglichkeit der Kommentierung der
vorgestellten Projekte wie auch der Aufnahme und des Fortschreibens des Dialoges mit
anderen Nutzern der Website. Ein Redaktionssystem dämmt die Gefahr des Mißbrauchs
dieser Foren ein. Content-Manager [Chefredakteure] haben die Möglichkeit, laufende
Diskussionen zu moderieren und destruktive Tendenzen mit Ausschluß zu belegen.
In technischer Hinsicht ist das am ZKM entwickelte Redaktionssystem
das Herzstück des Webprojektes. Von Anfang an für einen internationalen
Benutzerkreis mehrsprachenfähig konzipiert, erlaubt das System Einzelpersonen und
Kleingruppen, professionell für das Internet zu produzieren und im Web zu publizieren.
Das Redaktionssystem ist mit allen Funktionalitäten beliebig kopierbar
und kann darin zum Ausgangspunkt neuer Projekte werden. Es sind damit die
Voraussetzungen für neue Holocaust-Projekte geschaffen, an denen Schüler und
Jugendliche weltweit online gemeinsam arbeiten werden.][
Thomas Fürstner
[Leiter des ZKM_Institut für Netzentwicklung]
- > 02.02.2001: Pressekonferenz, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt M.
- > 15.02.2001: Projekt online
° Credits
° Konzept und Projektleitung:
Regina Wyrwoll
[Leiterin Bereich Medien, Zentralverwaltung Goethe Institut e.V., München]
° Koordination
Annette Brinkmann [Fördergesellschaft Kulturelle Bildung e.V., Bonn]
Mario Solis Weilbach, [Fördergesellschaft Kulturelle Bildung e.V., Bonn]
° Entwicklung, Konzept und Produktion der Website
ZKM_Karlsruhe, Thomas Fürstner, Leiter des Institutes für Netzentwicklung in Zusammenarbeit mit FOX Mediadesign [Wien], Andreas Rathammer
° CD-ROM
»Lernen aus der Geschichte: Projekte zu Nationalsozialismus und Holocaust in Schule und
Jugendarbeit«
[ARCult Media Verlag Bonn, 2000
ISBN 3-930395-23-1]
Herausgeber:
Annette Brinkmann, Annegret Ehmann, Sybil Milton, Hanns Fred Rathenow, Regina Wyrwoll
° Verantwortlich
Presse und Informationsamt der Bundesregierung
Goethe Institut
Robert Bosch Stiftung
Fördergesellschaft Kulturelle Bildung e.V.