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S y m p o s i u m

»Vom Tafelbild zum globalen Datenraum
Neue Möglichkeiten der Bildproduktion und bildgebender Verfahren«


4. + 5. Dezember 2000 :: ZKM_Vortragssaal :: Eintritt frei

Abstracts der Vorträge

4.12.2000 :: 1. Tag


14.00 - 14.30 Uhr
Prof. Dr. Manfred Faßler
»Sind mediale und künstlerische Bildungswege »machbar«?«


Es fehlt an der Ausbildung im Bereich audio-visueller Selbstorganisation medialer Umgebungen. Dies führt in eine zunehmend schwierige Situation, da in wenigen Jahren medial vollsozialisierte junge Menschen in die Ausbildungstätten drängen und Lehre verlangen werden, die über ihre Medienkompetenzen hinausgeht. Zu suchen wäre nach Beobachtungs- und Beschreibungsebenen für poly-morphe Mediengestaltung. Dies schließt selbstredend die Dimensionen von Bildproduktion und bildgebenden Verfahren ein, lässt sich aber nicht auf diese reduzieren. Für die Ausbildung bedeutet dies u.a.
(1.) verschiedene, aufeinander bezogene und im Ausbildungsverlauf zu integrierende Mediencluster (Cinemascope, Videoscope, Computerscope, Ton, Raum-Narration usw.) zu formulieren,
(2.) stärker die multisensorischen datamorphischen Umwelten, Interaktivitäten, Netzwerke, Präsenzen, Interfaces und Endo-Faces zu bearbeiten,
(3.) viel deutlicher mediale Raum-Zeit-Konfigurationen von Kultur, Kommunikation und Performance in den Lehrplan zu integrieren (und dies nicht nur als narrative Zeit des Filmes),
(4.) zu lernen, die Beziehung von Programmierung, (interaktiver/ interpassiver) Performance, Partizipation und (raum-zeitliche) Orientierung zusammen zu denken,
(5.) sowohl die Codelines also auch deren Nutzung als kulturelle Produktion, Erhaltung und kulturelle Reproduktion zu verstehen (was die Integration von medienanthropologischen Wissens ebenso bedeutet, wie die Suche nach individualisierenden Unterscheidungsformen innerhalb des Netzes).
Über allem steht für mich die Kopfzeile: Der Clash zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst findet nicht primär im Bereich der Technik oder des Commerce statt, sondern im Bereich Content (also der relativ fest beschriebenen Bezeichnungs-, Bedeutungs- und Bezugsgrößen der nächsten Entwicklungszyklen). Welche kulturgebenden Verfahren in bildgebenden Verfahren eingelagert sind, wird zum wichtigsten Kommerzialisierungsgrund, sowohl in den medizinischen Expertensystemen, wie in Kunstproduktion. ][

14.30 - 15.00 Uhr
Prof. Hans Ulrich Reck
»ZWISCHEN BILD UND MEDIUM
Zur Aktualität des Ungleichzeitigen im Gebiet der bildenden Künste«


Der zeitgemäße Kunstbetrachter wird derzeit heftig zum Mitspieler emanzipiert. Er ist gehalten und angeleitet, eine aktive Rolle in der Entstehung des Kunstwerks zu übernehmen. Digitale Mitspielmöglichkeiten im "Gesamtdatenwerk", Eintauchen ins immersive Environment, Surfen durch Internet und Cyberspace, der flexible Besuch virtueller Realitäten - angesagt ist der aufgeschlossene, locker mündige, postmodern geschulte, ironisch mitspielende Rezipient. Die Befreiungsschläge der Kunst haben Züge eines militärischen Einsatzes angenommen. Berichte von der Front der Kunst verkleiden sich zu techno-imaginären Siegesmeldungen. Wunder an neuer Teilhabe und allgemeiner ästhetischer Erfahrung werden gepriesen, nicht zuletzt unter dem dubiosen Schlagwort einer "interaktiven Kunst".
Auch theoretisch wird die digitale Ästhetik weitherum weniger geprüft und untersucht als gepriesen und inszeniert. Der Begriff "Medienkunst" ist dementsprechend etabliert und weit verbreitet. Lanciert vor über zehn Jahren, um dem Spiel der Kunst einen weiteren Raum zu sichern, ist es an der Zeit, eine Revision vorzunehmen. Dabei ergeben einige Nachdenklichkeiten eine Einsicht in die Rückbindung vieler der gepriesenen Innovationen an das Überlieferte und Unerledigte im Gebiet der bildenden Künste.][

15.00 - 15.30 Uhr
Monika Fleischmann
»Die Spur des Betrachters im medialen Raum«


Bilder sehen und wahrnehmen, bedeutet, Gedankenspuren aufzunehmen und mit eigenen Gedanken zu vermischen. Hinterlassen traditionelle Bilder eine Spur im Gedächtnis des Betrachters, so kann der Betrachter interaktiver Bilder selbst eine Spur im Bild hinterlassen. Die Auswirkung von Interaktivität auf den medialen Raum und die mediale Prägung des Körpers wird exemplarisch diskutiert. Durch die sensorische Kopplung von Körper, Datenkörper, Datenraum und Raum wird eine neue Wahrnehmungswirklichkeit spürbar, die wir als Mixed Reality bezeichnen. ][

16.00 - 16.30 Uhr
Prof. Philip Pocock
»Environmental (f)actors : art, audience & education«


A Beuys' Tafelbild reads: "Denken gleich Form". Substitute 'Denken' with 'message' and 'Form' with 'medium' and his equation for art becomes: "The medium is the message", Mcluhan's maxim for global media. Distributed, exhibited and later published, Beuys' chalkboard idea fully intends to break through classroom walls and connect teaching and learning with other spaces for art and social technology. Since cultural contexts precipitate out as types of objects - even subjects when recontextualization occurs, institutions for 'higher' learning are hard-pressed not to lag or even delay such 'networked', provisional, interdisciplinary, flat-heirarchical approaches to the 'social construction of knowledge' [Barrett] based not on industrial paradigmatic keywords like 'picture' and 'representation' but on digital ones like 'database' and 'connectionism'.
With the nuclear, digital and population bombs having blasted paradigms from 'thingness' to 'isness', from 'material' to 'medial', from 'pictures' to 'data', art and education merge as global media to deal with the fallout. Both art and education are growing 'immaterial' and conceptual research (inter)activities. As such, both fuzz borders between sender(s) and receiver(s), author(s) and audience(s), teacher(s) and learner(s). They do this when their contents - perceptions within an environment - immaterialize and the audience and author(s) collaborate on the construction of knowledge as 'participants'. For the information sectors in a network society, art and education become environmental (f)actors if not environments themselves, through which we navigate and in which we interact and discourse in a quest for producing culture - real and virtual responses to a shared environment. There is great need right now for a new art-as-research curriculum to deal with contemporary issues and projects. I suggest 'Information Art and Technology'. ][

16.30 - 17.00 Uhr
Dr. Gerhard Lischka
»Die Rahmen des Bewusstseins«


Nehmen wir an, dass unser "normaler" Zustand derjenige von Produktion/Präsentation und Rezeption ist, so ist er der übliche Modus unseres Alltagslebens. Er wickelt sich nach dem Programm der Gesellschaft, auch der in ihr mit ihr verbundenen Gemeinschaften und Gruppen ab, in denen wir leben, zu denen wir uns zählen oder in die wir uns einfügen. Produktion und Rezeption verhalten sich wie Angebot und Nachfrage, sie sind die im Prozess der Materialisierung und Immaterialisierung vorgenommene Ästhetisierung oder Mediatisierung, die uns als Medium der Gesellschaft gestaltet und innerhalb der wir die von uns gewählten Medien gestalten. ][

5.12.2000 :: 2. Tag

9.30 - 10.30 Uhr
Volker Kuchelmeister
»Praxisbeispiele computergestützter Wissensvermittlung«


Seit 1994 beschäftigt sich das Multimedia Studio am Institut für Bildmedien des Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe mit der Konzeption, Produktion und Realisierung von Off- und Online Projekten im künstlerisch/kulturellen Bereich. Die in diesem Zeitraum verwirklichten Projekte zeichnen sich durch Innovation und das hohe inhaltliche und technische Niveau aus. Dies bestätigen zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen, die wir für unsere Produktionen erhalten haben. Im Multimedia Studio wirken die langjährigen Erfahrungen der Mitarbeiter und eine ausgezeichnete technische Infrastruktur zusammen. Der Kontext des ZKM bietet darüber hinaus ausgezeichnete Bedingungen für kreative Konzepte und innovative technische Lösungen.
Das Multimedia Studio realisiert sowohl eigene Konzepte und Publikationen als auch externe Projekte in Form von Kooperationen oder als Auftragsarbeit. Die zum Einsatz kommenden Medien sind CD-ROM, DVD, Internet und Print.
Im Vortrag wird besonders die DVD-ROM des aktuellen Kyogen-Projektes vorgestellt werden.

· »Mansaku & Mansai. That´s Kyogen«, DVD.
  Produziert im Auftrag der Waseda Universität Tokyo und Tokyo Media
  Connection, 2000.

1998 gründeten eine Reihe von Gesellschaften/Firmen das Waseda University Media Network Center (MNC) mit dem Ziel, die Forschungsergebnisse der Tokioter Waseda Universität öffentlich verfügbar zu machen. Das erste Großprojekt wurde vom MNC-Mitglied, der Tokyo Media Connections Ltd., initiiert und beinhaltet eine DVD-Video und eine DVD-ROM über Kyogen, eine Form traditionellen japanischen Theaters. Die Wurzeln des Kyogen gehen zurück ins 14. Jahrhundert, und es wird bis heute aufgeführt. Kyogen hat sich aus dem Nô-Theater entwickelt, zeichnet sich aber durch realistischere und komischere Handlungen aus. Kyogen ist ein wichtiger Teil des japanischen Kulturerbes, der aber bis jetzt kaum untersucht und dokumentiert worden ist.
Mit dem DVD-Projekt wird beabsichtigt, diese Lücke zu schließen. Es bietet die einzigartige Möglichkeit, diese bedeutende Form japanischen Theaters umfassend und auf unterhaltsame Weise zu studieren und zu lehren. Die DVD besteht aus zwei Teilen: einer Dokumentation der bedeutendsten Kyogen-Aufführungen auf DVD-Video, die vom Kyogen-Großmeister Nomura Mansaku ausgewählt und selbst aufgeführt wurden. Die Aufnahmen wurden von einem professionellen Team in höchstmöglicher Qualität extra für die DVD gemacht. Der zweite Teil des Projektes ist eine DVD-ROM, die Workshops, Vorträge und Demonstrationen von Nomura Mansai, den Sohn des Großmeisters, beinhaltet.
Aufgrund des großen Erfolges der bisherigen künstlerischen und kulturellen CD-ROM-Projekte des ZKM hat sich TMC für das ZKM als Hauptpartner für die Realisierung des Kyogen-DVD-Projektes entschieden. 1999 wurde dafür in einer ersten Phase ein Prototype als CD-ROM entwickelt, der die Grundlage der DVD bildet, die bis Januar 2001 produziert sein soll. Im Jahr 2001 wird die japanische Regierung ein Ausbildungsprogramm starten, um traditionelles, japanisches Theater an Schulen zu lehren. Die Kyogen-DVD wird diesem Zweck hervorragend dienen; ein großes Marktpotential für die DVD wird erwartet. ][

11.00 - 11.30 Uhr
Prof. Dr. Pierangelo Maset
»Auf dem Weg zur 'Bildpragmatik': Kunstvermittlung mit Ästhetischen Operationen«


Die traditionelle Kunstvermittlung geht von einer Gegenüberstellung von Werk und Betrachter aus und strebt über die Kompetenzbildung der Betrachter eine Vermittlung von Werkinhalten an. Dieses Setting ist einerseits durch die Gegenwartskunst, die insbesondere den Werkbegriff attackiert hat und andererseits durch die Neuen Technologien, die die Frage der Autorschaft radikal verändert haben, ins Wanken geraten. "Bilder" sind heute nicht mehr nur Objekte kultischer Handlungen, kontemplativer Betrachtungen und interpretativer Annäherungen, sondern sie können durch das Internet vielfältig zirkulieren und moduliert werden und dadurch kreative Handlungen ermöglichen.
Damit stellt sich die Frage nach einer Bildpragmatik, die im Kontext von Kunstvermittlung den Gebrauch von Bildern theoretisch und praktisch untersucht und erprobt. Das Konzept der "ästhetischen Operationen" soll als ein möglicher Ansatz von Bildpragmatik am Beispiel der Operation Hard Edge vorgestellt werden, die auf eine kunstgeschichtlich etablierte Arbeitsweise zurückgreift, jedoch durch die Anwendung dieser Arbeitsweise im physischen und virtuellen öffentlichen Raum neue Wege zu beschreiten versucht. ][

11.30 - 12.00 Uhr
Dr. Udo Thiedeke
»Wird Kunst ubiquitär?
Anmerkungen zur gesellschaftlichen Funktion von Kunst im Kontext neuer Medien und Medienkompetenz.«


Scheinbar hat die Entwicklung und Verbreitung sogenannter neuer, computerbasierter Medien nicht nur zu einer quantitativen Ausweitung der visuellen Produktion geführt. Die Implementierung dieser virtualisierenden Medien hat auch qualitative Folgen für das "traditionelle Monopol" der Kunst zur Bilderproduktion. Was sind die Folgen dieser Entwicklung? Ist die Deutungsposition der Kunst erschüttert? Wird Kunst entdifferenziert? Wird sie also ubiquitär und erzwingt dieser Entdifferenzierungsprozess eine Neucodierung sozialer Funktionssysteme wie etwa der Bildung, um die Qualitätssicherung einer breiten künstlerischen Praxis zu gewährleisten?
Es erscheint daher sinnvoll, genauer zu untersuchen, welche gesellschaftliche Funktion Kunst als eigenes Kommunikationssystem einer funktional differenzierten Gesellschaft hat, um Unterschiede zu anderen Teilsystemen wie z.B. der Bildung, der Politik, der Religion oder der Wirtschaft zu konturieren. Entlang der differenzierten Funktionalität von Kunst ist dann danach zu fragen, welche Bedeutung die Veränderungen medialer Kommunikation für die kommunikative Orientierung von Kunst und Bildung haben und in welcher Weise dieser Wandlungsprozess in spezifischen Medienkompetenzerfordernissen zum Ausdruck kommt. ][

13.00 - 13.30 Uhr
Prof. Volker Albus
(Titel noch offen)

Der Vortrag wird sich um zwei Aspekte drehen, die mir als Vertreter des Produktdesign wesentlich erscheinen:
1. Veränderungen im Bereich der Kommunikation, die sich aus den Optionen, aus dem "Gebrauch" der Neuen Medien ergeben, so z.B. das Problem der Zeitmessung, die Möglichkeiten neuer, d.h. "anderer" Rezeptionsformen traditioneller Medien, sowie ein Projekt zum Thema "individuelle" Persönlichkeitsgestaltung. Alle drei Beispiele stammen von Studenten der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe.
2. Die Problematik der Hardware. Auf vielen Ebenen kann das Angebot an Hardware mit der Entwicklung, mit den Möglichkeiten eines erweiterten und weitaus flexibleren Informationsfluss' nicht Schritt halten. Das Design der Hardware, insbesondere dessen konventionelle Auslegung schränkt in manchen Bereichen die Rezeption dieses Angebots erheblich ein. ][

14.00 - 14.30 Uhr
Prof. Dr. Hans Dieter Huber
»Bildstörung«


Der Vortrag wird sich von einem systemisch-konstruktivistischen Standpunkt aus mit der Frage der Irritation und Verunsicherung durch Bilder befassen, sowie der Frage, wie diese erfahrenen Irritationen und Verunsicherungen durch Bilder durch Unsicherheitsabsorption in kognitive Erfahrungsstrukturen umgebaut werden können. Der Begriff der Bildstörung, als der Moment, in dem das Medium selbst bewusstseinsfähig wird, wird in Zusammenhang mit künstlerischer Bildmedienproduktion im Gegensatz zu alltäglicher Bildmedienproduktion gebracht. ][

15.00 - 15.30 Uhr
Prof. Dr. Dieter Daniels
»Big Brother ready made«


Die aktuelle, ehemals "modern" genannte Kunst und die elektronischen Medien stehen beide im Ruf, ein schwieriges Feld für Curricula mit einer planbaren Lehr- und Lernbarkeit zu sein. Beide Bereiche zeichnen sich durch kaum vorhersehbare Umbrüche aus, die morgen schon die Gewissheit von heute als überholt erscheinen lassen. Was heißt das für die Überschneidung dieser beiden Felder in der sogenannten Medienkunst?
Hat ein Reality TV vom Typus Big Brother die Formel "Kunst = Leben" mit der die Intermedia- und Medienkunst vor dreißig Jahre angetreten ist endlich wahr gemacht? Ist der Konflikt von industrieller Produktion und künstlerischer Individualität, der seit Duchamps ready made schwelt, damit endlich gelöst? Kann ein Künstler heute in den Medien noch etwas machen, was als "Kunst" eine Erkennbarkeit behält? Wird die "Aufmerksamtkeitsökonomie" noch den letzten Rest der Avantgarde in die "Gesellschaft des Spektakels" integrieren? ][

Intro
Programmablauf
Biografien der Referenten

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