Manfred Willmann [A] :: Selbstportrait [1971]

»Mein Leben ist das eines Beobachters der Oberfläche des Vergänglichen«, sagt der 1952 in Graz geborene Fotograf Manfred Willmann über sich selbst.

Auf seinem in der Ausstellung gezeigten »Selbstportrait« aus dem Jahre 1971 stellt er den menschlichen Körper wie selbstverständlich den Dingen zur Seite :: Der Kopf ist der Kleiderbügel, die Hände drängen wie dralle Früchte genährt von der Schwerkraft dem Boden entgegen. Der Po neben der Hose, die Füße neben den Schuhen, so als seien die Kleidungsstücke der Existenz ebenbürtig. Willmann negiert jedoch weniger die Ernsthaftigkeit des Seins, als dass er den Dingen ihre Würde zurück gibt. Zumal die bildliche Darstellung von Äpfeln oder Textilien weit über ihren nur abbildhaften Status auf den interpretatorischen Konnex verweist. Allein die Ikonographie der Frucht erzählt von menschlicher Geschichte und Geschichten, die das Erwachsen des Selbstbewußtseins der menschlichen Spezies aus dem mythischen Dunkel der »Geworfenheit« eindringlich dokumentieren. Zunächst mutet die strenge fotografische Konfrontation von Mensch und Gegenstand surreal und fremd an, doch sobald man versucht, die Bilder zu verbalisieren, entdeckt man, dass sich hinter den schlichten Zeichen die Üppigkeit sprachlicher Kreativität befindet.

Text: Barbara Könches

Die multiplen Organe :: Rekombinationen des Körpers

  
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Januar-März 2001
  
  

 





 
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