Mike Kelley [USA] :: Composite Femme Fatale [1998]

Mike Kelley gehört zu den prominentesten Künstlern aus den Vereinigten Staaten. Wie viele andere Kollegen arbeitet er Sparten übergreifend. Mit Paul McCarthy dreht er Filme, gestaltete ein Künstlerbuch, mit Tony Oursler verbindet ihn die Vorliebe für theatralische Environments, deren Protagonisten aus der kindlichen Welt der Puppen und Monster stammen.
Kelley, 1954 in der Nähe von Detroit geboren, entstammt einer irisch - katholischen Arbeiterfamilie. Seine Werke lesen sich wie das ständige Aufbegehren gegen die allzu strengen, weltabgewandten Moralvorstellungen dieses Milieus. In Europa wurde der heute in Los Angeles lebende Künstler mit seinen Arbeiten mit Stofftieren und Decken bekannt. Doch abgesehen von einem wohl nie zu verleugnenden autobiographischen Hintergrund sind es auch kollektive Erinnerungen und historische Paradigmen, die wie in »Composite Femme Fatale«, die Relevanz Kelleyscher Interventionen im Kunstbetrieb ausmachen. Das von Paul Feyerabend für die Wissenschaft ausgerufene Credo des »anything goes« fand spätestens seit den 80er Jahren eine ebenso weite Verbreitung in der Kunst. Der Dekonstruktivismus, dessen populärster Vertreter zweifelsohne den Namen Derrida trägt, negierte ein eineindeutige Sinnzuschreibung zugunsten einer pluralistischen Interpretationsvarianz. Die Kunst, die dieser Philosophie - ob bewußt oder nicht - nahe steht, verleiht eben der Variationsbreite, der Nicht-Eindeutigkeit Ausdruck. Wenn Kelly in seiner »Composite Femme Fatale« Decke, Kissen, Socke, Kinoplakate und Kassettenrecorder in einem Ensemble vereint, dann geschieht das nicht ausschließlich, um einer nostalgischen Erinnerung nachzuspüren. Die Installation regt dazu an, pubertäre Tagträume zu assoziieren, in denen ein Heranwachsender seine sexuellen Phantasien angereichert durch Kinobilder und musikalische Stimmungen auslebt, aber gleichermaßen sind die isolierten Gegenstände, die summarische Ansammlung diversifizierter Motive und Lebensentwürfe eine Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Situation am Ende des 20. Jahrhunderts.

Text: Barbara Könches

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