Aziz & Cucher [USA & YV/USA]

Der künstlerische Ansatz von Anthony Aziz und Sammy Cucher gehört sicherlich zu den interessantesten Positionen der neueren Kunst. Ausgehend von der Überlegung, dass Cyberspace und zunehmende Medienpräsenz in den menschlichen Lebensraum eindringen, die natürliche Umgebung allmählich von künstlichen Reservaten verdrängt wird, erkunden die Künstler die Möglichkeit menschlicher, und das heißt zumeist auch sprachlicher, Kommunikation. Entgegen McLuhans Theorem "das Medium sei die Botschaft" verteidigen Aziz und Cucher die Bedeutung des Inhalts. Das erste Opfer einer digitalisierten Lebenswelt ist die sinnliche Erfahrung, denn die dort präsentierten Menschen, die Räume, die Sachverhalte werden auf Grund semiotischer Verbindlichkeiten kreiert und wahrgenommen, so dass nicht länger die Dinge den Parameter für eine zutreffende Beschreibung zur Verfügung stellen, sondern die Sprache, mithin die Kommunikation eine unabhängige Existenz führen und Welt aus sich heraus erschaffen. Mit ihren Arbeiten setzen die Künstler Anthony Aziz und Sammy Cucher prägnante Symbole für diese Entwicklung.
Die Menschen verlieren ihre Identität in der virtuellen Welt, da sie sich nicht mehr körperlich erfahren und berühren können. Der Mensch ist ein vereinbartes Zeichen unter vielen; ein Statthalter, dessen Formen an frühere Erscheinungs- und Bedeutungsebenen erinnert. Die Haut, die Hülle überwuchert feinere physiognomische Differenzen. Die gleichbleibende Farbe des Inkarnats legt sich wie Geschenkpapier über die freundliche Gabe, der keine wesentliche Funktion zukommt, sondern die als bloße Geste verharrt.
Text: Barbara Könches

Der virtuelle Körper :: der Körper als reines Bild

Linkempfehlung::
Aziz + Cucher in der Ausstellung »Das XX. Jahrhundert. Ein Jahrhundert Kunst in Deutschland«

  
  Seeing Time
  
  Wichtige Ausstellungen
Januar-März 2001
  
  

 





 
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