Hermione Wiltshire [GB] :: X [1996-1998]

Lange bevor die »net community« öffentlich auftrat, erlangte das Netz einen zweifelhaften Ruf als Plattform und Vermittlungszentrale für diverse Erotik- und Pornoangebote. Ursprünglich als schnelles und unerschöpfliches Reservoir akademischen Wissens angelegt, siegten unvermittelt Begierden und Begehren über die intellektuellen Strukturen. Wie ist das zu erklären, in welchem Verhältnis steht das Wissen zum Wollen?

Dieser Problematik widmete sich die britische Künstlerin Hermione Wiltshire in ihrer Fotoreihe der »I Modi«. Sie fertigte aus den Fotoaufnahmen verschiedener römischer Bibliotheken Scherenschnitte an, deren Umrißformen Frauen und Männer beim Liebesakt wiedergeben. Untrennbar sind hierdurch Leib und Verstand zueinander geführt. Der Schatten des menschlichen Wissensdrangs wird durch die Sexualität bezwungen, während gleichzeitig die intellektuelle Neugier dem Menschen wie ein Brandmal eingeschrieben ist. Das Verbindungselement zwischen Körper und Geist stellt Hermione Wiltshire in Form des Schattens dar: ein plastische Erscheinung, die nur unter bestimmten Umständen zu sehen ist, quasi eine unsichtbare, aber nie abwesende Gemeinsamkeit. Der Schatten spielt in allen Arbeiten der Künstlerin eine wichtige Rolle, denn nicht im Licht erstrahlen die Dinge klar und distinkt, sondern erst durch die Negation des Offensichtlichen gelangen wir zu einer wahren Formbeschreibung.
Text: Barbara Könches

Die Organe des Körpers als Buchstaben :: Vereinzelung

Linkempfehlung::
Ausstellung in der Gallerie Wigmore Fine Arts, 1999

  
  Seeing Time
  
  Wichtige Ausstellungen
Januar-März 2001
  
  

 





 
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