: ZKM :: Artikel :: Weltwissen/ news 18.09.2000 cont'd
 
 

  

Weltwissen - Wissenswelt

Die Burda-Akademie zum dritten Jahrtausend liefert neue Thesen zum Verständnis der modernen Wissensgesellschaft

Wie entsteht das Wissen in unseren Köpfen? Wie lassen sich komplexe Informationszusammenhänge auf dem Bildschirm graphisch-visuell und leicht verständlich darstellen? Welche Software benötigt der Wissensmensch? Und wie geht die Wissensgesellschaft mit all dem Wissen der heutigen Zeit um? Vier zentrale Themen rund um die Architektur der globalen Wissensgesellschaft, denen sich der neue Buchtitel der Burda-Akademie zum dritten Jahrtausend »Weltwissen Wissenswelt. Das globale Netz von Text und Bild« interdisziplinär und neuartig stellt.


Von der Hirnforschung zur Knowledge-Software

    Der Band »Weltwissen - Wissenswelt«, der unter anderem aktualisierte Beiträge der Münchner Tagung »Envisioning Knowledge die Wissensgesellschaft und die neuen Medien« enthält, skizziert die moderne Welt des Wissens aus den Perspektiven der Hirnforschung, des Knowledge-Designs, der Knowledge-Software, des Knowledge Managements und der neuen Ökonomie. Die Hirnforschung stellt den Software-Anwender in das Zentrum ihrer Betrachtungen: Wie sortiert und speichert der Mensch Informationen und wann entsteht Wissen? Aus der Fülle der Antworten ergibt sich eine übergeordnete Konsequenz: »Die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine bei der Nutzung des Internet kann erst dann als gelungen betrachtet werden, wenn die Technik sich an die Art und Weise, wie Menschen mit Wissen umgehen, anpasst...«, fasst Hirnforscher und Mitherausgeber Ernst Pöppel zusammen. Ein klarer Appell an die Software-Entwickler und Oberflächen-Designer. Je flacher die Navigation, je übersichtlicher und intuitiver die Benutzeroberfläche, je strukturierter die Informationsfülle, desto eher wird aus purer Information wertvolles Wissen.
    In »Weltwissen Wissenswelt« diskutieren Neurowissenschaftler, Medientheoretiker, Künstler und Politiker die Rolle und Grenzen der interaktiven Medien in der Wissensgesellschaft; Star-Designer Josh Kimberg äußert sich zu nutzerorientierten Designprinzipien; Manager global agierender Großunternehmen zeigen, wie die neuen Technologien zum interaktiven Wissensmanagement eingesetzt werden und die neue Ökonomie langfristig davon profitieren wird.

Pictorial Turn vom Text zum Bild

    Für Christa Maar, Akademieleiterin und Herausgeberin, liegt die eigentliche Stärke der neuen Medien darin, »komplexe Daten in Form von dreidimensionalen Simultationen abbilden zu können«. »Pictorial Turn« nennt der amerikanischen Kunsthistoriker William J. T Mitchell den unaufhaltsamen Wandel von der text- zur bildorientierten Wissensvermittlung. Das Bild wird zum zentralen Trägermedium für komplexe Informationen und verweist den Text als Vermittlerinstanz auf eine neue Position. Text wird »mehr als bisher...eingesetzt werden, um das Bild zu unterstützen«, konstatiert Bob Greenberg, Gründer der mehrfach ausgezeichneten Firma R/GA Digital Studio, New York.

    Der Epilog des Buches entführt in die neuesten Dimensionen moderner Visualisierungstechnologien: Virtuelle Anatomie-Atlanten in 3D, interaktive Informationsmöbel , virtuelle Windkanäle und intelligente Data-Mining-Programme sind längst Wirklichkeit und die treibende Kraft einer neuen Ökonomie, deren wichtigste Ressource menschliches Wissen heißt.

Weltwissen Wissenswelt. Das globale Netz von Text und Bild

Herausgeber: Christa Maar, Hans Ulrich Obrist, Ernst Pöppel

mit Beiträgen von u.a.
William J. Clancey [NASA/ Ames Research Centers, Moffett Field, Cal., USA], Derrick de Kerckhove [ McLuhan Program in Culture & Technology, University of Toronto, CDN], Helga Nowotny [ Collegium Helveticum, ETH Zürich, CH], Ernst Pöppel [ Institut für Medizinische Psychologie, Ludwig-Maximilians- Universität, München], Luc Steels [ Artificial Intelligence Laboratory, Universität Brüssel], Peter Weibel [ZKM_Karlsruhe].

DuMont Buchverlag, Köln
1. Auflage 2000
ISBN 3-7701-5307-3
Preis: DM 48.-

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