Jiri David [CS] :: Hidden Image-series [1993-95]

Obgleich ein Mensch zunächst absolut symmetrisch zu sein scheint, entlarvten bereits die ersten im 17. Jahrhundert durchgeführten Autopsien, dass man im Innern mitnichten von einer Gleichverteilung der Organe sprechen kann. Neurologen ergänzten diese Erkenntnisse durch die Funktionsanalyse des Gehirn, auch hier ergeben sich eindeutige Präferenzen. Die linke Hälfte organisiert im Normalfall das sprachliche Verständnis, die rechte ist für den räumlich - visuellen Bereich zuständig.
Der Blick nach innen schärfte denn auch die äußere Wahrnehmung. Schaut man genau hin, so zeichnet die wenigsten Menschen eine Ebenmäßigkeit aus, vielmehr weichen rechte und linke Seite weit voneinander ab. Jiri David macht sich diese Differenz zu nutze, indem er in Fotomontagen die jeweilige Gesichtsseite tatsächlich dupliziert, so dass man die Personen zwar problemlos wieder erkennt, dennoch irritiert feststellt: hier stimmt etwas nicht. Die Künstlerin Louise Bourgeois, der Musiker John Cale oder der Kunstwissenschaftler Zdenek Felix sind prominente Modelle dieser harmonisierenden Neukombination, denn jetzt vervollständigt die identische Spiegelung und nicht das bloß Ähnliche das Portrait. Die Permutation der körpereigenen Buchstaben führt hier nicht nur zur Sonderform des Anagramms, sondern zu einem Palindrom.
Text: Barbara Könches

Die multiplen Organe :: Rekombinationen des Körpers

  
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Januar-März 2001
  
  

 





 
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