Janice Sloane [USA] :: Untitled [1998]

Bio - Lifting? Janice Sloane zeigt auf ihren Fotografien die bildliche Auslegung dessen, was in Worten immer so sanft und angenehm klingt. Die Kosmetik - Industrie beherrscht den Jargon der blumigen Sprache perfekt, schließlich werden hier ausschließlich Produkte verkauft, deren Wert weniger sichtbar nachzuprüfen als vermeintlich zu spüren ist.

Wobei die Frage offenbleibt, ob man sich nur subjektiv den Nutzen einredet, oder tatsächlich jünger, frischer, entschlackter wirkt. Es sind vor allem und - leider immer noch - Frauen, auf die der Kosmetik - Markt zielt, die diesen lukrativ machen. »Sommer, Sonne, Strand - jetzt zeigt Frau wieder Haut!« - bekommt man zu lesen, wobei das Ausrufezeichen schon signalisiert, dass es hier mit der Freiwilligkeit aus ist. Man zeigt wieder Haut!
Fröhlich geht es mit einem Kalauer weiter: »Wer also mit unbehaartem Bein durch den Sommer kommen möchte, muß vor allem eines sein - beharrlich.« Darauf bliebe den Leidenden nur zu wünschen, dass der Sommer kurz sei und die Schönheitsqual ein Ende habe. Sich die Haut oder die Haare auf derselben auszureißen, ist nicht so lustig, wie der flotte Werbespruch nahelegt, deutlicher tritt das tatsächliche Gefühl von Schmerz und Unbehagen auf der Fotoarbeit »Untitled 1998, from the series Skin pulling photos« der jungen amerikanischen Künstlerin Janice Sloane zutage. Unwillkürlich empfindet man beim Anblick eine körperliche Reaktion die nicht unbedingt mit Ekel, aber mit Abneigung gleichgesetzt werden könnte. Werbung für Haut und Haar dagegen vermeidet den rein körperlichen Appell, hier sollen die imaginierenden Sinne angesprochen werden, also zuvörderst die Augen und qua Formulierungskünste - die Ohren. Leichterdings liest man vom »natürlichen Wunsch, jugendlich auszusehen«, und die Frage, was Frauen sich wünschen, gilt auch längst als geklärt: Glatte, straffe Haut an Po und Oberschenkeln«.
Wer immer noch nicht verstanden haben sollte, warum es hier in Wirklichkeit geht, dem sei angeraten: »Sofort bestellen!« Wer nun die muskulösen, von Krampfadern durchzogenen und in Falten gelegten Beine auf den Fotos von Janice Sloane genießt, der hat sich ein Stück vorgearbeitet in die Realität. Auch wenn es mit der Ent-Faltung und der Cellulitis nicht besser wird, so bieten Selbsthilfegruppen oder erfahrene Trainer immer noch die Möglichkeit sich psychisch »gesund zu atmen«, die Schönheit quasi zu inhalieren.

Text: Barbara Könches

Die Organe des Körpers als Buchstaben :: Vereinzelung

  
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