Florschütz Thomas [D] :: O.T. (Kreuz)-I [1991]

»Zumindest optisch aus der Ganzheit befreit, werden die Körperfragmente zu Vokabeln einer unbekannten Sprache«, schreibt die Kunsthistorikerin Margrit Brehm über die Arbeiten von Thomas Florschuetz. Das Alphabet seiner Worte setzt sich im groben aus Armen, Beinen, Augen oder Nasen zusammen. Durch die mikroskopische Vergrößerung kleiner und kleinster Körperteile im Verbund mit deren Neukombination zu meist zwei- oder dreiteiligen Bildertafeln gelingt es dem 1957 in Zwickau geborenen Künstler eine Sprache zu erschaffen, deren Laute wir kennen, deren Bedeutung uns fremd bleibt.

»Es geht darum, Widerhaken in den unendlichen Strom der Bilder zu implantieren«, erläutert Florschuetz. Damit schärft er sowohl die Wahrnehmung als solche, wie auch die Wahrnehmung menschlicher Leiblichkeit im besonderen.
»Ohne Titel, Diptychon Nr.61/II« 1992, - der enge Bildausschnitt eines Auges mit ansetzender Nasenwurzel mutet fremd an, da unsere Wahrnehmung unbewußt holistische oder unter bestimmten Kriterien selektierte Bilder erzeugt. Wir sehen den starren Blick einer Person, die Farbe ihrer Augen, vielleicht das Gesicht, aber nie einen bloß willkürlichen Ausschnitt, so wie Florschuetz ihn anbietet. Zumal durch die serielle Reihung oder »symmetrische Anordnung« das singuläre Erkennen bestimmbarer Körperpartien zusätzlich erschwert wird.
Bis 1988 arbeitet der Künstler ausschließlich mit schwarz-weiß Fotografien, und noch heute benutzt er Farbe sparsam, minimalistisch. In der 1991 entstandenen Arbeit »Ohne Titel« [Kreuz] - I, 1991, fungiert das starke Rot lediglich als Kontrast zu einer blassen Hautoberfläche, die gleichwohl nicht nur syntaktisch, sondern auch semantisch interpretiert werden darf. Die enge Assoziation zwischen Armrumpf, Fleisch und rotem Blut liegt allzu dicht beieinander. Doch der in Berlin lebende Fotograf separiert die Farbe der Körperflüssigkeit, verdrängt sie nach außen, so dass die menschliche Hand blutleer, wächsern, fast künstlich wirkt. In neueren Arbeiten verfolgt er den umgekehrten Weg. Jetzt werden oberflächliche Erscheinungen und die sich dahinter befindlichen Strukturen kombiniert, so dass das Objekt gleichsam luzide, transparent wirkt. Fotos wie »Ortszeit« 1998, vereinigen in sich die Kontradiktion von Draufsicht und Durchsicht, sprechen aus, was man immer schon gesehen hat, ohne es tatsächlich wahrnehmen zu können.

Text: Barbara Könches

Die Objektvermählung :: der Cyborg

Linkempfehlungen ::
Ausstellung »Gliederungen« 6.11.1999 - 16.01.2000 in der Staatlichen Kunstsammlung Dresden
Ausstellung »Anatomy of a Triptych« 16.12.1998 - 17.01.1999 in der Budapester Kunsthalle
Rezension zur Ausstellung »Suburbia« in der Galerie Nikolaus Sonne, Berlin 1996

  
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