Helen Chadwick [GB] :: Loop my Loop [1991]

Goldenes, schimmerndes Haar. Die blonde Verführung. Ihr helles Haar ergoß sich über ihre schlanke Schulterpartie... Unwillkürlich baut sich beim Lesen dieser Worthülsen bereits ein Bild im Kopf auf - eine Vorstellung, die über das Geschriebene hinausreicht, genährt durch Erinnerung und Erfahrung, bereichert durch Klang und Wohllaut.

Ob im Märchen oder in der Werbung, die Haare sind eines der unmittelbar erotischsten Konnotate sexueller Phantasien. Insbesondere in der öffentlichen Kommunikation unterliegen diese Stereotypen einer restriktiven Regulation: Die Blondine ist zärtlich und anschmiegsam, dunkelhaarige Frauen gelten als wild und exotisch. Wenngleich jeder die fadenscheinige Oberfläche dieser Zuschreibungen bestens kennen mag, zwingt uns die Sprache, insbesondere die Umgangssprache, allzu oft abgenutzte Metaphern auf.
Die früh verstorbene Künstlerin Helen Chadwick untersuchte mit ihren Fotografien die Schnittstelle zwischen visueller und verbaler Benennung, zwischen subjektivem Eindruck und objektivem Ausdruck. »Fleischsein heißt also mehr als bloßes Objekt oder Bild zu sein, mehr als festgeschriebene Bedeutung. Es ist etwas Dynamisches, Prozeßhaftes, ein stets wechselnder Austausch von Beziehungen«, erklärte sie 1990 auf einem Symposium über Fotografie.

In ihrem Referat bemängelte sie die Angst der Philosophen vor der Sexualität, die in der Tat von philosophischer Seite gerne den Psychologen überlassen wird. In »Loop my Loop« sind beide Ansätze des Werkes von Helen Chadwick deutlich zu erkennen. Zum einen das in Schleifen (loops) gelegte Haar, das positive Assoziationen hervorruft, zum anderen das Organische, eine Art Darm - Schlinge [loop], das man als ekelig empfindet, das uns jedoch in unserer Existenz determiniert. Beide Elemente gehen in dem Foto eine Symbiose ein; das weiche Haar rankt sich um das fahle Fleisch, Körper und Geist finden zueinander. »Doch das Bewußtsein ist eine unauflösliche Synthese von denkendem Ich und physischer Ausstattung [Körper und Sinnesapparat]« erklärte die Künstlerin.

Text: Barbara Könches

Die Organe des Körpers als Buchstaben :: Vereinzelung

Linkempfehlung ::
»Radikale Bilder« Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Graz
Kunstmuseum Uppsala

  
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