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Siemens - Medienkunstpreis 1992

Preisträgerin 1992 :: Regina Cornwell
Anerkennungspreis in Höhe von DM 5.000 für ihre Verdienste in der Vermittlung von Medienkunst

*_Noch ist es viel zu früh, um das Potential des Computers in der Kunst ermessen zu können. Wir wissen aber, daß der Computer mehr ist als ein Pinsel, ein Bleistift oder ein Farbkasten. Unter diesem Deckmantel wird der Computer einfach in die schönen Künste integriert und dort versteckt als ein schnelles Arbeitsmittel zum Malen und Zeichnen. Jedes erstellte Objekt kann ein "Original" sein und ist damit nicht zu unterscheiden von allen anderen; oder die Ausgabe variiert etwas, ist aber immer noch ein Original.

      Dieses Rätsel, das wir dem Comuter verdanken, wirft zumindest eine neue Frage auf. Mit ein wenig Anpassung werden auf dem Computer erstellte Bilder und Zeichnungen vielleicht akzeptiert werden, wie dies mit Photoausgaben in ein-, zwei- oder dreifacher Auflage geschehen ist.

      Trotz allem, wo und was ist die Kunst, wenn das Programm nach der Bildausgabe gelöscht wird? Dies ist ein Szenario, in dem eine sich sträubende Kunstszene die Leistung des Computers in der Kunst fast völlig reduzieren und die Aufmerksamkeit wieder auf traditionelle Formen lenken kann. Neue Formen und Medien aber neigen dazu, etwas von älteren zu übernehmen.

      Denken wir dabei beispielsweise an die Geschichte des Films. Es werden auch neue Formen aus vielerlei Gründen in ältere, traditionelle integriert. Aus der Sicht des Künstlers ist dies eine Art des Zugangs zu einem ungewohnten Medium, denn er ist unsicher, was er sonst damit tun sollte. Und für den Kurator bedeutet dies, daß ein Publikum angelockt wird, das scheu vor dem Neuen steht und nur widerstrebend das Unbekannte erforscht, während gleichzeitig die noch nicht ausgereifte und nicht bestätigte respektablere und vielleicht gleichförmigere Hauptströmung entsteht.

      Aber durch keinen der genannten Gründe erzeugt die Computeranwendung in der Malerei und Graphik noch Aufregung. Es entsteht jedoch Aufregung, wenn der Computer genutzt wird, um ein neues Kunstgenre zu schaffen. Dies geschieht durch Interaktion. Interaktion setzt heute den Computer voraus. Wir hören noch oft den verwirrenden Begriff des interaktiven Video, der nahelegt, daß eher das Video als die Interaktion die Lösung sei, wo doch in Wirklichkeit interaktive Kunst, die das Video nutzt, gemeint ist. [...]

Auszug aus dem in "Medienkunstpreis 1992" veröffentlichten Aufsatz von Regina Cornwell "Kunst und Medientechnologie" (Hg. Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, 1992) ][

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