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Siemens - Medienkunstpreis 1992

Preisträger 1992 :: Rebecca Horn
Medienkünstlerin (DM 30.000)

*_Die in Berlin lebende Künstlerin gehört zu den wenigen europäischen Künstlern, die sich international durchgesetzt haben. Dies liegt sowohl an der künstlerischen Intensität ihrer Werke , als auch an der sich immer verbreiternden medialen Vielfalt ihres Schaffens. Nach dem Studium an HfBK in Hamburg arbeitete Rebecca Horn Ende der 60er Jahre ausgehend von Performances mit den körperbezogenen Skulpturen an einer Umsetzung in Filme und Videobändern. Diese, meist ohne Publikum, für die Kamera inszenierten Performances zeigten das Interesse der Künstlerin an neuen Raum-Erfahrungen, an der poetischen Vermittlung psychischer Zustände und physischer Eingeschlossenheit.

      Die Skulpturen (Federn, die Finger verlängern, oder Holzstäbe, die senkrecht über dem Kopf balanciert werden) verselbständigten sich immer mehr. Sie werden begleitet von sensiblen Zeichnungen und Collagen mit Einsprengseln von Texten, Fotos und Objekten. Die Objekte und Skulpturen wurden immer freier und lebendiger; sie wurden selbst Akteure in den Filmen: So die "Paradieswitwe", eine Federkleid-Skulptur von 1975, die mit einer Video - Doppelprojektion auf der documenta 6 in Kassel 1977 gezeigt wurde.

      Danach entstanden lebendig agierende Skulpturen, wie der automatisch sich bewegende Fächer (documenta 7) und Schaukeln bis hin zu mechanisierten Schmetterlingen, die in den jeweiligen Filmen tragende Rollen spielten und zugleich in großen Einzelausstellungen vorgestellt wurden: Der "Eintänzer" 1978 in der Kestner-Gesellschaft Hannover und "La Ferdinanda" 1981 in der Kunsthalle Baden-Baden. Diese Filme entwickelten sich immer mehr zu langen Spielfilmen, wie zuletzt "Buster’s Bedroom" 1990/91 mit den Hauptdarstellern Donald Sutherland, Geraldine Chaplin, David Warrilow u.v.a. mit der Kameraführung von Sven Nykvist.

      Auch hier spielen Objekte wie der sich verselbständigende Rollstuhl oder Tiere wie die Schlange selbst Hauptrollen. Die erotische Sensibilität, die Dichte der assoziativen Bilder, die präzise Nähe der Gefühle und Dinge lassen auch ihre Environments und Skulpturen, ihre Objekt-Kästen und Zeichnungen als Teile eines künstlerischen Gesamtwerkes erscheinen, wobei mit Magie behaftete Materialien wie Quecksilber, Spielgelwände, oder sich selbst zeugende elektrische Flämmchen genauso einbezogen werden können wie akustisch aktive wie Metronome, Hämmerchen, Klaviere oder Schreibmaschinen – und deren mediale Umsetzung in Filme, Fotos, Zeichnungen, Bücher, Erzählungen.

      Die seit 1989 an der Berliner Hochschule lehrende, zeitweise im Odenwald und in New York lebende Künstlerin hat in den letzten Jahren Einzelausstellungen in bedeutenden Museen und Privatgalerien Englands, der USA, Frankreichs und Deutschlands gezeigt. 1992 erhält Rebecca Horn den erstmals verliehenen Medienkunstpreis des ZKM Karlsruhe sowie den Kaiserring in Goslar. [...]

Auszug aus dem in "Medienkunstpreis 1992" veröffentlichten Aufsatzes von Wulf Herzogenrath "Rebecca Horn" (Hg. Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe, 1992) ][

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