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Siemens - Medienkunstpreis 1993

Preisträger 1993 :: Klaus Schöning
Gründer und Leiter des "Studio Akustische Kunst" beim WDR (DM 10.000)

*_Für die akustische Kunst sind alle hörbaren Erscheinungen gleichwertige Komponenten. Die akustische Kunst ist ein Schmelztiegel heterogener akustischer Elemente: der gesprochenen Sprache, der asemantischen Artikulation, der Lautpoesie, der Mehrsprachigkeit, des Universums der Klänge und Geräusche und der Stille, der elektronischen Musik ebenso wie der muisique concrète sowie der künstlerischen Verarbeitung dieser akustischen Komponenten durch eine avancierte Radiotechnik. Dabei hat die akustische Kunst als neues Genre des elektronischen Zeitalters ebenso wie der Film eine eigene Sprache entwickelt.

      Wie die Cineasten haben auch die Audio-Künstler die Trennung zwischen Autor und Regisseur, wie sie im Theater und im Hörspiel üblich ist, aufgehoben: sie realisieren ihre Stücke zumeinst selbst. Ausgehen können wir von der Existenz der Ars Acustica, der akustischen Kunst. Auch im Radio. Dort allerdings bewegt sich diese akustische Kunst wie vagabundierendes Kind durch die Abteilungen des Radios. Vorsichtig aufgehoben zuweilen an den Programmrändern des literarischen Hörspiels, der Neuen Musik, des Features.

      International jedoch zunehmend in eigenständigen, unabhängigen Redaktionen und Experimentalstudios wie dem "Studio Akustische Kunst" des WDR in Köln. Begleitet von einer kontinuierlichen wissenschaftlichen Recherchearbeit werden heute die Konturen eines internationalen Networks der Ars Acustica und ihrer Ästhetik deutlich, deren Spuren bis in das erste Jahrzehnt dieses Jahrhunderts weisen.

      Hervorgerufen durch die ästhetischen Grenzerweiterungen und die wechselseitige Durchdringung der Künste, ihrem "Verschmelzungsprozeß" (Walter Benjamin), ereigneten sich wesentliche Neuerungen auch im Bereich des Akustischen. Schriftsteller, Komponisten, Lautpoeten, Cineasten erkannten schon sehr früh die kreative Herausforderung einer Verbindung ihrer avancierten künstlerischen Aktivitäten mit den neuen elektro - akustischen Möglichkeiten. Es konnte sich eine Kunst entwickeln, die ich seit den siebziger Jahren als akustische Kunst und als Als Acustica bezeichne. Es ist der sicvh innerhalb und außerhalb des Radios häufig verzweigende, wenig bekannte Weg einer neuen Kunst zwischen den Künsten und Institutionen. [...]

Auszug aus dem in "Medienkunstpreis 1993" veröffentlichten Aufsatz von Klaus Schöning "Spuren zur akustischen Kunst im WDR. Eine Skizze" (Hg. Zentrum für Kunst und Medientechnologie, Stuttgart 1993) ][

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