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Siemens Medienkunstpreis 1993

Preisträger 1993 :: Bill Viola

Hauptpreis für den derzeit bedeutendsten Medienkünstler (DM 30.000)

*_Die Technologien zur Wiedergabe optischer Bilder (Fotografie, Film, Video) sind Maschinen, die am Ende eines Maschinenzeitalters stehen. Es sind diese Apparate, die Inhalte erzeugen und direkte Eindrücke der Außenwelt wiedergeben. Sie geben uns die Welt zurück und sind daher wesentlich tiefgründiger und geheimnisvoller, als es die meisten Menschen vermuten. Naturgemäß werden sie weniger zu Instrumenten von visionären Vorstellungen als, in einem alten ursprünglichen Sinne, von Philosophie.

      Betrachtet man ein Videogerät, so fällt es schwer, sich vorzustellen, daß dieses Gerät, dieser Gegenstand aus der Natur stammt. Die Metalle und Kunststoffe, aus denen sich seine physische Masse zusammensetzt, sind aber irdische Materialien, sie entstammen dem Erdboden. Selbst die Elektrizität, durch die das Gerät aktiviert wird, ist ein grundlegendes Element der Natur. Die kulturgeschichtliche Entwicklung, insbesondere die des westlichen Kulturkreises, steht im Zusammenhang mit de Förderung und Nutzbarmachung der Ressourcen.

      Zu den jüngeren Ergebnissen dieser Entwicklung dürfen im Bereich der Elektronik letztlich auch die heutigen Computer- und Videotechnologien gerechnet werden. Historisch gesehen war es vor allem die Arbeit Isaac Newtons und die durch ihn verursachte wissenschaftliche Revolution in der westlichen Welt, die das Augenmerk mehr und mehr auf das Materielle rückten.

      Seine Entdeckung und seine neuartige Sichtweise der Dinge hatten zur Folge, daß man die Welt nun weniger von einem religiös-weltanschaulichen Standpunkt aus befragte, als vielmehr aus einem wissenschaftlich spekulativen Ansatz heraus; Ursachenforschung trat an die Stelle gefühlsbetonter Erklärungen, Vernunft an die Stelle der Einfühlung. Der Apfel fällt nun nicht mehr aufgrund einer ihm eigenen inneren Notwendigkeit zum Boden herab, sondern weil eine physische Kraft, die Schwerkraft, ihn hinunterzieht. Das Göttliche wird zum Mechanischen, so daß man die Welt nicht mehr in erster Linie nach dem Warum, sondern nach dem Wie der Dinge zu befragen beginnt. [...]

Auszug aus dem in "Medienkunstpreis 1993" veröffentlichten Aufsatz von Bill Viola: "Zwischen dem Wie und dem Warum" (Hg. Zentrum für Kunst und Medientechnologie, 1993) ][

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