Sinje Dillenkofer [D] :: Raster II [1992]

Die geballte Faust steht als Symbol für Kampf und Widerstand. Sie ist Sinnbild einer geistigen und körperlichen Einheit; einer Einheit, die sich zur Wehr setzt, die sich innerer und äußerer Zwänge entgegen stellt. Sinje Dillenkofer, 1959 in Neustadt | Weinstraße geboren, multipliziert die Faust, individualisiert sie und schafft so ein Beziehungsgeflecht zwischen persönlicher Geste und sozialer Zielrichtung.

Es sind neun großformatige und kleinformatige Fotos, die auf den ersten Blick identisch erscheinen, bei näherer Betrachtung jedoch unterschiedlich ausfallen und persönliche Attribute offenbaren. Entgegen der üblichen Darstellung vermeidet Dillenkofer die frontale Ansicht auf die Faust, sie wählt die Perspektive von der Seite des Daumens aus. Dadurch reduziert sich das aggressive Potential zugunsten einer an Schattenspiele erinnernden Mimik. Nähe und Ferne bestimmen die Deutlichkeit, die distinkte Lesbarkeit des Zeichens. Lage und Formation tragen das ihrige dazu bei, eine vielleicht unbewußten Handlung wie das Fäuste-Ballen in eine artifizielle Ausdruckslage zu übersetzten, einen angeborenen Instinkt in eine Kulturtechnik zu verwandeln. Immer sind es Gegensätze, auf die Sinje Dillenkofer antwortet:
Mr. Jeckyll und Mr. Hyde, arm und reich oder - ähnlich wie bei »Raster II« - der einzelne Mensch und seine soziale Einbindung in »Formationsspiele«.
Entsprechend konfrontieren uns Sinje Dillenkofers Installationen und Photo - Objekte mit Bildwelten, die vor allem von unseren kulturellen Kodifizierungen, Normen und Hierachien handeln.

Text: Barbara Könches

Die Organe des Körpers als Buchstaben :: Vereinzelung

  
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Januar-März 2001
  
  

 





 
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