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Musik Tanz Text Bild

03.10. 2000 :: ZKM-Kubus und ZKM-Medientheater, 20 Uhr

*_An zwei Spielorten vereint der Abend nacheinander zwei sehr gegensätzliche neue Produktionen, die durch die ungewöhnliche Einbettung von gesprochenem Text in Musik, Tanz und [Bühnen-]Bild eine tragende strukturelle Komponente gemeinsam haben.][

· »Yours« - Multimedia Performance
· »Der Tod und das Mädchen II« - Ballett



»Yours«
Multimedia Performance

Komposition > Jaroslaw Kapuscinski
Choreographie > Nik Haffner
Tanz > Anthony Rizzi
Eine Produktion des ZKM

· ZKM_Kubus

»Yours«

Der Abend wird im ZKM_Kubus mit der jüngsten Arbeit des polnischen Gastkünstlers Jaroslaw Kapuscinski eingeleitet. »Yours« wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Tänzer und Choreographen Nik Haffner vom Frankfurter Ballett konzipiert und am ZKM in Zusammenarbeit des Instituts für Musik und Akustik und des Instituts für Bildmedien produziert. Die Uraufführung fand am 16. September 2000 beim »Warschauer Herbst« statt. Bereits vor etlichen Jahren begann Kapuscinski, seine kompositorische Arbeit auch auf visuelles Material auszudehnen. Er verfolgt einen strikt integrativen Ansatz, bei dem - unterstützt durch Computertechnologie - Musik und bildnerisches Material gleichzeitig und vollständig aufeinander bezogen entwickelt werden. »Yours« ist eine interaktive Performance, bei der in Echtzeit das multimediale Material geformt und gesteuert wird. Die Projektion zeigt einen nackten Tänzer, dessen Bewegungen durch Kapuscinski am Diskklavier beeinflusst werden. Kapuscinski »tanzt den Tänzer«, wie umgekehrt die Gesten des Tänzers die Musik des automatischen Klaviers steuern können. Aus dem Off ist eine Stimme zu hören mit Texten aus Samuel Becketts »Company«, die die Einsamkeit der doch voneinander abhängigen Akteure durch die Kraft von Imagination und Erinnerung zu überwinden trachtet.

»Der Tod und das Mädchen II«

Ballett von Bernd Roger Bienert
nach einem Originaltext von Elfriede Jelinek
Musik von Olga Neuwirth

Sprecherinnen [auf Band] >Anne Bennent | Hanna Schygulla
Dramaturgie > Alexander Jansen
Programmierung der Computerstimme > Gottfried Hüngsberg
Klangregie > Christian Venghaus
Klangbearbeitung > Cornelius Pöpel
Ein Auftragswerk des Saarländischen Staatstheaters Saarbrücken in Zusammenarbeit mit dem ZKM

· ZKM_Medientheater

»Der Tod und das Mädchen II«

Olga Neuwirth, aus Graz stammend, jetzt in Venedig lebend, gehört zu den gegenwärtig am meisten beachteten jungen Komponisten/ Komponistinnen. Überraschenderweise besteht die musikalische Umgebung der Tänzer in »Der Tod und das Mädchen II« aus einem von drei Stimmen gesprochenen Text; dieser Originaltext von Elfriede Jelinek wurde von Olga Neuwirth musikalisch bearbeitet und unterlegt. Das Mehrspur-Zuspielband wurde von ihr im April 2000 in Zusammenarbeit mit dem Tonmeister Christian Venghaus und dem Klangdesigner Cornelius Pöpel am Institut für Musik und Akustik des ZKM realisiert. Seit vielen Jahren entstehen Arbeiten von Neuwirth zu Texten von und in Zusammenarbeit mit Elfriede Jelinek. »Der Tod und das Mädchen II« greift den Dornröschen-Stoff auf. Der Text ist ein bitterer, zynischer, kalter Monolog/ Dialog zwischen der »Prinzessin« [gesprochen von Anne Bennent und Hanna Schygulla] und dem »Prinzen« [eine von Gottfried von Hüngsberg generierte Computerstimme], der das unbestimmbare Verhältnis von Tod und Leben, von Schlaf, Warten, »Erweckung«, Identität und die von männlicher Macht geprägte Beziehung der Geschlechter reflektiert. Die Musik von Olga Neuwirth vertont nicht den Text, sondern schafft um ihn herum zwischen Irrealität und Realität vagierende Räume. Sie bilden sich durch changierende Flächen elektronisch verfremdeter Klänge und wieder erkennbarer akustischer Fundstücke. Wie der Text von Jelinek verweigert die Musik die Festlegung von Positionen. Sie ist ein Labyrinth der assoziativen Verknüpfungen, der Demontage des Vertrauten, der Irritationen.
»Über die Wörter hinaus sagt die Musik vielleicht das Unsagbare, die fließende Verzauberung, die Klischee und Ironisierung nicht ausspart, sie kehrt zurück wie die Erinnerung, sie verlässt uns nicht. Sie fügt sich in die Sprache ein und man spürt ihre ständige Anwesenheit in langsamen und schnellen Wellenbewegungen.« [Olga Neuwirth]

· Eintritt DM 20/15

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