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Die »Audiovisuelle Dokumentation« der documenta 5 [1972] von Karl Oskar Blase

Die documenta 5 von 1972 unter der künstlerischen Leitung von Harald Szeemann ist zu einem Mythos der Ausstellungsgeschichte des 20. Jahrhunderts geworden. Konzept-Art und Performance wurden erstmals breit gezeigt, Abteilungen zu Werbung, Kitsch, Politischer Propaganda oder Science Fiction brachen den üblichen Rahmen einer Kunstausstellung auf. Joseph Beuys zeigte kein künstlerisches Werk mehr, sondern diskutierte hundert Tage lang mit Besuchern in seinem Büro für »Direkte Demokratie«.
Zu diesem offenen und erstmals bewusst vielfältige Verbindungslinien herstellenden Ausstellungskonzept gehörten auch neue Informationsstrukturen, wie zum Beispiel die Besucherschule von Bazon Brock und die »Audiovisuelle Dokumentation« von Karl Oskar Blase. Hier konnte der Besucher aus einer wachsenden Zahl von Video-Interviews mit Künstlern, Vermittlern und Besuchern auswählen und sich die Bänder auf zwei Monitoren vorführen lassen. Das Programm startete mit rund 20 vor der Eröffnung aufgenommenen Videos und umfasste am Ende 70 Bänder mit über 80 Gesprächen und Performance-Mitschnitten. Dieses Material, das auf offenen Spulen im 1/4 Zoll-Format aufgenommen wurde, ist bis heute erhalten und wurde nun am ZKM für eine zeitgemäße digitale Präsentation gesichert und so aufbereitet, dass jedes Band auch nach der Ausstellung in der Medialounge in der Mediathek sofort abgerufen werden kann.

Künstler wie Vito Acconci, Joseph Beuys, Marcel Broodthaers, Ben Vautier oder Franz Erhard Walther erklären ihre Arbeit. Die documenta-Kuratoren Harald Szeemann, Jean Christophe Amman, Konrad Fischer, Klaus Honnef, Eberhard Roters und Gerry Schum erläutern und verteidigen ihre Ideen und Konzepte. Vermittler und Kunstkritiker wie Arnold Bode, Willi Bongard, Werner Haftmann, Peter Iden, Christos Joachimides, Klaus Staeck, Karin Thomas oder Rudolf Zwirner üben teilweise vehement Kritik. Damit ist eine kunsthistorische Quelle erschlossen, die auf breiter Basis die engagierte Diskussion über aktuelle Kunst genau zu jenem Zeitpunkt dokumentiert, als diese Kunst in Erscheinung trat.

- Christoph Blase -

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