Jürgen Klauke [D] :: Gebaute Figuren [1974]

Jürgen Klauke entwickelte als einer der ersten die inszenierte Fotografie, in deren Mittelpunkt der eigene Körper stand. In den frühen Tagebuchzeichnungen wird der künstlerische Kosmos bereits durchgespielt. Auch hier steht der eigene Körper im Vordergrund, der die Grundlage der zeichnerischen Reflexionen bildet.

Meist in Tusche gearbeitet und oft mit kurzen schriftlichen Notizen versehen, wird der Körper erkundet und variiert. Self-Performance, eine der ersten wichtigen Fotoarbeiten Klaukes, bestehend aus einer Sequenz von 13 Bildern, zeigt die Verwandlung bzw. Transformation eines männlichen Subjektes in ein weibliches. Als Hilfsmittel dieser Metamorphose dienen Klauke Attribute der geschlechtlichen Codierung wie Kleidung, Make Up und Prothesen aus Stoff. In den »Gebauten Figuren« erweitert Klauke seinen Körper, der wiederum als androgyne Vorlage dient, um falsche Gliedmaßen, ein Beinpaar aus Plastik, welches er als zusätzliches Element dem Repertoire seines eigenen Körpers hinzufügt. Klauke:: »Die Zeichnungen wurden in den 70er Jahren autentischer und die Fotos präziser: der Körper als Bildträger, als Sprache«. Klauke beschäftigt sich seit den 60er Jahren mit der Frage nach der persönlichen Identität, in den frühen fotografischen Zyklen der 70er Jahre ist diese Frage vor allem geknüpft an die Problematik der sexuellen bzw. Gender-Identität. Die Fotografie dient ihm als Vermittler für seine Inhalte. Wählt er in den frühen Arbeiten ausschließlich seine eigene Person als Medium, so wird das »Ich« in späteren Arbeiten der 80er Jahre durch persönliche Gegenstände wie Hut oder Gehstock substituiert. In seinen fotografischen Inszenierungen und Performances wird Identität dekonstruiert. Es gibt kein konstantes, sondern nur ein multiples Selbst, das eigene »Ich« wird beliebig konstruiert, geändert und gestaltet.

Text: Sabine Himmelsbach

Die Objektvermählung :: der Cyborg