: ZKM :: SchwegerPartner_Umbauphase
 
 




 

Zur Architektur Neues Leben in einem historischen Bauwerk
Architekten Schweger + Partner

*_1997 wurde mit der Eröffnung von ZKM und städtischer Galerie nach fünfjähriger Planungs- und Bauzeit durch das Architekturbüro Schweger + Partner [Hamburg] die südliche Hälfte des gewaltigen Hallenbaus ihrer neuen Bestimmung übergeben. 1999 folgten im nördlichen Teil die Umbauten für das Museum für Neue Kunst und der Hochschule für Gestaltung. ][

° Konzept

Das vorgeschlagene Konzept des Architekturbüros Schweger + Partner beruht auf der Kreuzung und Überlagerung von der inneren Kommunikationsachse mit den öffentlichen Querachsen, bezogen auf das Karlsruher Stadtraster, eingefügt in den städtischen Kontext. Die öffentlichen Straßenräume werden durch das als Riegel im Straßennetz wirkende IWKA-Gebäude weitergeführt, als offene, lichtdurchflutete Hallen mit Begegnungs-, Kommunikationsräumen und Foyers.

° Städtebauliche Einbindung

Die offene Nord-Süd-Durchwegung wurde zur geschoßverbindenden Bewegungsachse mit Treppen und Stegen erweitert und verdeutlicht so die angestrebte interdisziplinäre Arbeit zwischen Künstlern, Wissenschaftlern, Technikern einerseits und den verschiedenen Sparten der Kunstproduktion andererseits. Um auch zum Stadtraum hin die Nutzungen und Inhalte öffentlich darzustellen, wurde das große Tonstudio vor den historischen Monumentalbau gestellt. Dieses mit der Stadt verknüpfende Element bietet dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie vielfältige Möglichkeiten medialer Selbstdarstellung und Inszenierung. Außerdem ermöglichte diese Maßnahme den weitgehenden Erhalt der inneren Offenheit des Gebäudes und das Freihalten der Lichthöfe. Die Verknüpfung des Haupteingangs mit dem Stadtraum wurde durch einen vorgelagerten Platz zur Brauerstraße großzügig hergestellt, wo im Jahr 1999 eine Strassenbahntrasse als Erweiterung des öffentlichen Nahverkehrs-Netzes mit einer Haltestelle nahe des Zugangs zum ZKM entstand.

° Umbaukonzeption

Die öffentlichen Straßenräume werden durch den Hallenbau mit zweigeschossigen, 10 m hohen Fassadenöffnungen durch die lichtdurchfluteten Hallen hindurchgeführt. So sind aus den Foyers von ZKM und HfG lebendige städtische Begegnungs- und Kommunikationsräume geworden. Die Weiterführung der Blockstruktur auf dem ehemaligen Werksgelände wurde schon teilweise definiert mit Neubauten von Arbeitsamt, der beeindruckenden Generalbundesstaatsanwaltschaft von O.M. Ungers und einem Multiplexkino. Weitere Verwaltungsbauten und die Landeszentralbank werden folgen.

Der leere Industriebau beeindruckte durch seine offene Nord-Süd-Durchwegung mit Schienentrasse der Werksbahn. Sie wurde transformiert zur 312 m langen geschoßverbindenden inneren Bewegungsachse mit Treppen und Stegen. Am Südende schaut diese Achse als gläserner Ausstellungsturm aus dem Gebäude heraus und markiert den Eingang zu Wechselausstellung und städtischer Galerie.

Das Architekturbüro Schweger + Partner arbeitete die Stärken hinsichtlich Tradition und Kontinuität aus, die nicht Rekonstruktion, sondern Interpretation bedeutete. Es galt, Maßbeziehungen und Maßverhältnisse des Vorhandenen aufzunehmen, Gliederungen zu reduzieren, Details zu vereinfachen, das Schlichte dagegenzusetzen, die Gestaltregeln des Baues herauszuarbeiten und auf dieser Grundlage zu variieren, die Transformation in die heutigen Mittel und Materialien zu vollziehen.

Der Hallenbau A der ehemaligen Deutschen und Waffen- und Munitionsfabriken, 1918 von Architekt Philipp Jakob Manz entworfen, beeindruckt durch das gewaltige Bauvolumen und die monumentale Baukörpergestaltung in klassischer Tradition. Das Innere wirkt leicht und offen mit einer Abfolge von zehn glasüberdeckten Maschinenhallen, gegliedert durch zwei Joche breite Zwischenspangen in Stahlbaukonstruktion. Dieser vorab sich bietende Eindruck von lichter Offenheit und Transparenz in Kombination mit der einfachen Prägnanz von Material und Detail war eine ideale Voraussetzung und soll auch weiterhin die Atelier Atmosphäre des Hauses bestimmen. Die neuen notwendigen Einbauten und technischen Einrichtungen bleiben als Zufügungen ablesbar, machen als neue Schichten die Geschichte nachvollziehbar und unterstützen in der Ablesbarkeit von Funktion und Konstruktion die klare Einfachheit des Altbaus.

° Denkmalpflege

Der historische Industriebau wurde in seinem grundsätzlich Wesentlichen erhalten und wiederhergestellt. Seine Großform, Reihung und der Wechsel von Hallen und Geschoßbau, bietet die Grundlage für die neu formulierte Werkstattatmosphäre. Im Bereich der öffentlichen Durchwegung, eingebunden in den Stadt-Kontext, wurde die vorgesehene Nutzung durch angemessene Eingriffe in der Fassade sichtbar erklärt. Die Fassaden erhielten durch neue Fenster die ursprünglich kleinmaßstäbliche Gliederung in den großen Öffnungen zurück. Die abgemauerte Dreiteilung mit Pfeilern war statisch nicht notwendig und wurde wieder entfernt. Diese Elemente wurden gemäß den geforderten bauphysikalischen Anforderungen ausgebildet als Doppelfassaden mit 72teiliger Einscheibenverglasung, hinterlüftet außen und mit thermischer Fassade innen. Der Zwischenraum kann je nach Bedarf mit Sonnenschutz, Verdunkelung und Tageslichtreflektoren ergänzt werden.

Der ockergraue Putz mit seinem hellen Farbton unterstützt die differenzierte Fassadengliederung. Die Dachflächen wurden nach konstruktiver und bauphysikalischer Ergänzung neu mit Tonpfannen eingedeckt. Dort erfolgt auch die Integration der Photovoltaik in das denkmalpflegerische Konzept auf den Flächen der Lichtdächer über den Innenhöfen mit Ergänzungen auf den Dachflächen der Querriegel. Im Innen bau wurden die technischen Ergänzungen vertikal in Kernen zusammengefaßt und von dort horizontal verzweigt in eigenständigen Decken Segel Elementen mit Lichtlenk- und akustischen Funktionen geführt. Diese regelmäßige, flexible Trassenführung nimmt außer der Stromführung und Beleuchtungsanhängung auch die für das Gesamtgebäude erforderliche Sprinklerführung auf. Die bestehende Stützen- und Deckenkonstruktion wurde dadurch weitgehend freibleibend erlebbar der Industriebaucharakter blieb erhalten.

Quelle: Prof. Peter P. Schweger, Hartmut H. Reifenstein, Bernhard Kohl, Wolfgang Schneider, Prof. Wilhelm Meyer: »Zur Architektur Neues Leben in einem historischen Bauwerk«.

Erschienen in: »Karlsruhes neues Kulturzentrum«, Hrsg.: Stadt Karlsruhe, Braun Verlag, Karlsruhe 1997

Foto:: Lichthof_ZKM :: © Bernhard Kroll

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