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41. Olivier Sorrentino, Single’s Bar .01, 2002
Sich seinen Partner über ein Bild in einer Zeitschrift oder einem Internetdienst für „einsame Herzen" auszusuchen, ist gang und gäbe geworden. Lediglich das Aussehen entscheidet über die Auswahl. Die spärlich gelieferten Informationen zur Person wie Hobby und Musikgeschmack werden zur Nebensache. Kleidung, Frisur, Gewicht und Alter sind ausschlaggebende Entscheidungskriterien. Olivier Sorrentino aka VJ Anyone zeigt in seinem Video Single’s Bar .01 Frauen und Männer die auf der Suche nach einem Partner sind und heiße Blicke austauschen. Durch den stroboskopischen Bildschnitt reduziert sich alles auf das Erscheinungsbild und den Code, den es zu entschlüsseln gilt. [Carmen Beckenbach]

   
  42. Eddo Stern, Sheik Attack, 1999
Schon seit geraumer Zeit gehören Computerspiele wie Sim City, Nuclear Strike, Delta Force und Settlers zu unserer Gegenwartskultur. Ein wesentliches Merkmal dieser Spiele besteht darin, das sich der Benutzer eine eigene Welt bauen bzw. zusammensetzen kann. Eddo Stern kombiniert in Sheik Attak Bilder aus Computerspielen und kontrastiert sie mit bekannten israelischen Popsongs aus den späten 60ern und 90ern. Dem Jahr 1966 zugeordnet hört man das Lied „Careful, we’re building here" von Naomi Shemer und sieht fleißige Arbeiter beim Aufbau einer Siedlung. Im krassen Gegensatz stehen die Bilder, die dem Jahr 1999 zugeordnet sind. Anonyme Hochhausbauten wechseln sich ab und Kampfszenen bestimmen den Alltag. Computerbilder dienen in Sheik Attak als Metaphern für den Alltag in Israel. [Carmen Beckenbach]

   
  43. Margi Szperling, Uncompressed, 2000
Uncompressed verbindet die interaktiven Komponenten eines Computerspiels mit einem Spielfilm. Dem Benutzer bietet sich, nach einem kurzen Vorspann, mittels eines Interfaces die Möglichkeit an, aus sechs Erzählsträngen den Fortgang des Films zu wählen. Im Verlauf der Handlung kann man zwischen den unterschiedlichen Standpunkten der Protagonisten springen, um so die Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu erleben. Jede der sechs Hauptfiguren ist mit einer eigenen Farbe versehen. Durch diese Hervorhebung ergeben sich eindrucksvolle Bilder, die dem Kurzfilm eine neue erzählerische Komponente geben und die subjektive Wahrnehmung der Geschichte betonen. [Carmen Beckenbach]

   
  44. Florian Thalhofer, [korsakow syndrom], 2000
Aus ca. 150 Einzelsequenzen kann der Benutzer bei der nonlinearen, interaktiven CD-ROM [korsakow syndrom] wählen, welchen Film er sehen möchte. Das problematisierte Thema aller Filme ist Alkoholismus. Dabei kombiniert Florian Thalhofer u.a. gefundenes Dokumentationsmaterial mit selbstgeführten Interviews. Ist erstmals ein Film vom Betrachter ausgesucht worden, so läuft zeitgleich ein Clip, der Filme zeigt, die eine im Hintergrund arbeitende Datenband thematisch dem aktuell Gezeigten zuordnet. So bieten sich mannigfache Möglichkeiten zwischen einem Interview, einem Konzert mit Selbstversuch, Fernsehbildern eines offensichtlich stark alkoholisierten Boris Jelzin und Anti-Drogen-Spots aus den USA zu „zappen". Die Arbeit ist eine Dokumentation, die keiner linearen Erzählstruktur mehr folgt, und somit mehrere Aspekte eines Problems miteinander verbindet, um ein möglichst breites Informationsspektrum zum Thema zu präsentieren. [Carmen Beckenbach]

   
  45. Wawrzyniec Tokarski, Insider, 2001
Mit aneinandergefügten Bildern, Kommentaren und Bildinschriften ergeben sich in den völlig ungeordnet erscheinenden Konstellationen neue Bedeutungen. Jeder Bestandteil für sich ermöglicht dem Betrachter einen eigenen Assoziationsraum, der in der Kombination von Bild, Ton und Inschrift ad absurdum geführt wird. Das vermeintlich Bekannte wird durch die Verknüpfung der drei Informationselemente verfremdet. [Carmen Beckenbach]

 
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