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[Zur Übersicht der von Benjamin Weil kuratierten Projekte, die auf der Ausstellung im Net.Art Browser präsentiert werden.]

Anmerkungen zum Blick auf die netz.geschichte

Mit einer gehörigen Prise Humor kann ein Versuch unternommen werden, einen Blick auf die Geschichte der Online-Kunst zu werfen. Denn wie soll man Kategorien für die Beurteilung einer künstlerischen Praxis finden, die noch keine fünf Jahre alt ist? Die ersten künstlerischen Experimente im Netz dürften inzwischen ähnlich überholt wirken wie ein Film der Brüder Lumière, doch wie diese besitzen auch die digitalen Werke schon historische Bedeutung und haben nichts von ihrer Relevanz eingebüßt. Das hat damit zu tun, daß sie sich der im Entstehen begriffenen Netz-Kultur auf kritisch-distanzierte Weise nähern und zu Gedanken über die zahlreichen durch dieses Medium ausgelösten Veränderungen auffordern: den Wissenstransfer, die Konsumgewohnheiten, die Sorge, 'unternehmenseigene' Bürger zu werden. Auch untersuchen sie, wie traditionelle narrative Strukturen in Frage gestellt werden. Sie entwickeln eine Repräsentationsstrategie jenes Technoscapes, in dem wir uns zunehmend bewegen. Durch den bewußt einfachen Code erinnern diese Projekte daran, daß die Hypermedia-Struktur noch immer ihrer Erkundung harrt, statt, dem allgemeinen Trend folgend, zu einem senderartigen, kontrollierten Environment zu transformieren. Eine Auswahl von Websites anläßlich einer Museumspräsentation wirft zwangsläufig Fragen hinsichtlich der Integrität des Werkes auf: Die Veränderung der 'natürlichen' Sehbedingungen, das Vergrößern der Monitorproportionen und das Browsen als öffentlicher Vorgang schaffen ein neues Paradigma für das Erleben dessen, was ursprünglich für den Monitor und als 1:1-Verhältnis zwischen Projekt und Benutzer konzipiert war. Darüber hinaus wird indirekt ein Präzedenzfall für Museumsstrategien geschaffen, soweit die Integration dieser neuen Kunstform davon betroffen ist. Indem das Museum Werke, die es selbst für gute Kunst erachtet, konserviert, sammelt und präsentiert, begründet es eine Hierarchie und stellt Kategorien bereit, mittels derer sich das Werk in einem bestimmten Kontext verorten läßt. Eine recht schwierige Aufgabe, wenn es um vernetzte Medien geht! Bei der Produktion der Werke wird kaum Rücksicht auf ihre Konservierung genommen, und die Tatsache, daß die meisten Arbeiten mit derselben kommerziellen Soft- und Hardware produziert und rezipiert werden, hat ihre zunehmende Abhängigkeit von der sich ständig weiterentwickelnden Technologie zur Folge. Net.art wird durch dieselbe Technologie gefährdet, die ehemals von den net.artists als Alternative zu den von ihnen abgelehnten Distributionswegen der Kunst ins Auge gefaßt worden war. Sollte das Museum daher als Hüter dieser dezidiert profanen Werke fungieren? Sollten online tätige Künstler darüber nachdenken, wie sie ihr Projekt dem spezifischen Kontext der Institution entsprechend ðumfunktionalisierenÐ können? Diese Fragen müssen ebenso überdacht werden, wie die nach Sehbedingungen, Konservierungsbemühungen und Sammelstrategien, damit diese Kunst ohne Verzerrung ihrer ursprünglichen Konzeption integriert werden kann.

Benjamin Weil

 





 




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