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Die Geschichte der Netzkunst ist eine Geschichte von Werken, deren konstituierendes Element ebenso wie ihre Schwäche die Besonderheiten der derzeitigen technischen Bedingungen sind. Die Einzigartigkeit der Technologie hat spezifische neue Modalitäten der Interkommunikation hervorgebracht, getrieben von einer Notwendigkeit, die Evolution dieses Mediums mit der Evolution neuer kultureller Erfahrungen und Werte zu synchronisieren. Es scheint, als würde das Internet tatsächlich zu dem ubiquitären Informationsraum, der alles mit allem verbindet. Sämtliche Medien werden durch diese Konvergenz in einer einzigen Technologie zusammengefasst, die beliebig konfiguriert werden kann - für jegliche Bandbreite, vom textbasierten Chat auf digitalem Papier bis zur immersiven, verteilten virtuellen Umgebung im alle Sinne umfassenden Internettheater zu Hause. Die sich immer wieder verändernde Struktur dieser Interkommunikation wird nicht länger die Folge ihrer technischen Beschränkungen sein, vielmehr werden die Inhalte die Gestaltung bestimmen. Diese Hyper-Verbindung befindet sich derzeit noch in einem Stadium der Entwicklung und Simulation, kann aber bereits durch Intra-Netzwerk-Modelle mit überzeugenden Inhalten die Realisierbarkeit der verschiedenen Richtungen künstlerischer Aktion im Bereich des distributed computing aufzeigen.

Die Arbeiten in net_condition, die am ZKM Institut für Bildmedien produziert wurden, sind Beispiele hierfür. An ihnen lassen sich die Voraussetzungen des kommenden Netz-Verkehrs prüfen, in dem unverbindliche Intimitäten erfahrbar sind. Shane Coopers Remote Control nutzt die Nachrichtenströme des Internet und setzt die Texte, die von einem virtuellen Nachrichtensprecher gesprochen werden, auf poetische Weise neu zusammen. Ken Feingolds Séance Box No. 1 ist eine orakelhafte Modellbühne für die Interaktionen zwischen unseren diversen Verkörperungen in realen, virtuellen oder in Ersatz-Welten, wie wir sie in naher Zukunft erleben werden. Knowbotic Research hat mit 10_dencies ein vernetztes Kommunikationsmedium entworfen, das Stadtplanern eine einzigartige Umgebung für Austausch und Reflexion bietet. Masaki Fujihatas Impressing Velocity ist eine beispielhafte Untersuchung der Bedingungen von Teleoperationen und Telepräsenz. Jeffrey Shaws Distributed Legible City erlaubt Radfahrern, die sich an verschiedenen, voneinander entfernten Orten befinden, sich in einer künstlerisch definierten, gemeinsamen virtuellen Umgebung zu treffen und zu unterhalten.

Und Blast Theorys Desert Rain verbindet Körper-Theater mit vernetzter Virtualität, um eine interaktive, polemische und erzählerische Erfahrung zu vermitteln. Es ist bezeichnend für den veränderten Stellenwert künstlerischer Forschung, dass viele dieser Arbeiten im Rahmen von ESPRIT, dem mehrjährigen EU-Forschungsprogramm zur Informationstechnologie, entstanden sind. Dabei arbeitet das ZKM eng mit bedeutenden akademischen und industriellen Forschungszentren in Großbritannien, Schweden und der Schweiz zusammen.

Netzbedingung ist ein Zustand, eine Möglichkeit und ein Dilemma. Sie hat vor unsere Monitore ein Gitter gespannt, das das Terrain der sich entwickelnden intelligenten Informationsräume zugleich verbirgt und enthüllt. Diese gemeinsamen Umgebungen, die Verkörperungen auf allen Ebenen erlauben, sind vor allem soziale Räume, in denen ein Kunstwerk nicht mehr nur reine Darstellung ist, sondern in denen es die Struktur und die Kosmologie dieser Räume ebenso bestimmen kann wie die Aktivitäten, die in ihnen stattfinden.

Jeffrey Shaw





 




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