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Jeff Wall ::: 1946 : Kanada

Titel:: The Quarrel
Art:: Cibachrome-Grossdia im Leuchtkasten
Jahr:: 1988

Jeff Walls Kunst ist nicht Fotografie, nicht Kino, nicht Malerei, nicht Reklame, sie ist von allem etwas, eine Kreuzung verschiedener Kunstformen und ein Bestandteil der modernen Zeit mit ihrer Verbindung zu Werbung, Mode und Spektakel. Seit Ende der Siebziger Jahre fertigt der kanadische Künstler Cibachrome Diapositive, die in Aluminiumschaukästen montiert und von der Rückseite her mit Leuchtstoffröhren illuminiert werden.

Die Werke Walls drücken eine starke Sehnsucht nach der Autorität der Alten Meister aus, eine Sehnsucht nach einem vergleichbaren Potential in der zeitgenössischen Kunst. Eine andere Form der Fotografie wurde gewählt, nicht, um deren Traditionen zu stürzen, sondern um sie als spezifisches Gegenstück zur Malerei zu begreifen. Walls Aufnahmen geben Details wieder, wie sie sich dem Museumsbesucher bei der eingehenden Betrachtung eines niederländischen Gemäldes offenbaren, wie das zerknitterte, aber sorgfältig arrangierte Bettlaken in der Arbeit »The Quarrel«. Nicht nur die geschickte Adaption altmeisterlicher Elemente, auch das Format ruft die Erinnerung an die Malerei wach, indem der Künstler eine wandfüllende Größe vergibt und vom Betrachter die gleiche Aufmerksamkeit einfordert wie bei einem Tafelbild.

»The Quarrel« schildert eindringlich eine alltägliche Szene zwischen Mann und Frau, beide ermüdet, traurig, wortlos. Die Frau sitzt auf dem Bettrand, aber die Art und Weise, wie sie mit gespreizten Fingern die Hand hebt, läßt ahnen, daß sie die Szenerie verlassen wird. Sie hat sich dem Mann abgewandt, der sich zur anderen Seite gedreht in die Bettlaken hüllt. Selbsterkärend drapiert Wall die Requisiten Kopfkissen und Tücher, um den emotionalen Schnitt zwischen den beiden Personen Ausdruck zu verleihen. Rückbezogen auf den Titel läßt die Aussagekraft der Aufnahme weitaus mehr Schlüsse auf die Beziehung des Paares zu, als hätte der Künstler den eigentlichen Akt des Streitens wiedergegeben.

Der Szene haftet etwas Unwirkliches, etwas Künstliches an, was sie fast gänzlich in die Sphäre der Malerei rückt. Elemente des Phantastischen und merkwürdige Details bevölkern Walls Bilder, die auf das offensichtlich Groteske und Unheimliche in der Kunst anspielen, auf Bosch, Grünewald und Goya.

Jeff Walls Interesse an gewissen surrealistischen Aspekten stellt er auch in seiner Arbeit »Untangling« unverholen zur Schau: Obwohl der den Arbeiter umgebende Raum genügend Möglichkeiten zum Aufbewahren und Verstauen von Sachen bietet, weist er keine direkten Hinweis auf einen Ein- oder Ausgang auf. Der Arbeiter selbst sieht sich einem gigantischen Labyrinth von Tauen gegenüber... Beklemmend drängt sich dem Betrachter das Gefühl des Klaustrophobischen auf, ein Gefühl des Ausweglosen und Eingeschlossenseins. Sowohl in dieser Arbeit als auch in »The Quarrel« sind die Menschen in dramatische Geschehnisse verwickelt, aber sie erwecken den Eindruck, als existierten sie gar nicht in der Wirklichkeit, sondern jenseits dieser. Fast möchte man meinen, Walls Akteure sind Bestandteil eines Traums, genauso wie die formlose Masse der Taue, die sich zu bewegen und bösartig zu wuchern beginnt, je länger die Transparenz und Illuminiszenz der Leuchtkästen ihre hypnotische Wirkung ausüben können.

-> Text: Heike Borowski

Linkempfehlungen ::
· Ausstellungsbesprechung | Kurzbiographie
  [Museum of Contemporary Art, Los Angeles,
  Dezember 1997 bis Februar 1998]
· Biographie
· Bibliographie
· Jeff Wall auf der Dokumenta X
· Jeff Walls "Restoration" von 1993



Collection Pamela and Richard Kramlich;
courtesy Thea Westreich Art Advisory Services;
Foto: Thea Westreich Art Advisory Services


 
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Last update: Dienstag, 27. April 2004 um 16:06:45 Uhr
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