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Struth/vom Bruch ::: 1954/1951 : D/D

Titel:: Berlin-Project
Art:: Video-, Audioinstallation
Jahr:: 1997

Für das ûBerlin Projektë entschlossen sich Thomas Struth und Klaus vom Bruch, unabhängig voneinander innerhalb eines Zeitraums von einem Jahr urbane öffentliche Plätze zu filmen. Das in Düsseldorf, Köln, Luzern, Rom, New York, Havanna, Hong Kong und Shanghai aufgenommene und viele Stunden dauernde Material wurde anschlie�end gekürzt zusammengestellt, ohne dabei die Handschrift des einzelnen Künstlers explizit herauszustellen. Die Aufnahmen haben gemeinsam, da� sie mit unbewegter Kamera aufgenommen wurden und die Künstler auf filmische Mittel wie Schwenks oder Zooms weitestgehend verzichtet haben.

Nur teilweise dokumentiert das Filmmaterial die eigentliche Reise, dann,
wenn der Blick durch die Kamera die Sicht aus einem Zugfenster hinaus und das Vorbeiziehen der Landschaft einfängt. Nie jedoch folgt der Blick etwas Bestimmten oder wendet seine Aufmerksamkeit gar etwas besonders Interessantem zu. Das Unspektakuläre und das Alltägliche prägen diese Szenen, fast so, als seien diese beiden Eigenschaften Bedingung dafür, gefilmt zu werden.

Sehr viel häufiger zeigt das Filmmaterial Szenen, die mit einer fest installierten Kamera aufgenommen wurden: Manchmal wurde sie versteckt angebracht oder einfach auf dem Boden abgestellt, was zur Folge hatte, da� der Ort dauernd im Bild zu sehen ist, während Personen oder Fahrzeuge wie flüchtige Erscheinungen den Bildausschnitt passieren. Jenseits jeder inhaltlicher Zensur, zeigt die Szenerie mehr oder weniger belanglose Sequenzen des Alltags, eine Stra�enszene, einen Markt, eine Kirche, an der eine Person vorüberschlendert. Gelegentlich gibt die Szenerie eine ûau�ergewöhnlicheë Handlung wieder, wie das Gespräch mehrerer Männer untereinander, aber auch hier ist der Verzicht auf Dramaturgie offensichtlich und der Zufall charakteristisch. Der Betrachter erfährt nicht, worüber sich die Personen unterhalten, woher sie gekommen sind oder welches Ziel sie verfolgen.

ûMenschen im öffentlichen Raumë waren schon früher Thema im Werk Thomas Struths, wie auch seine in der Ausstellung vertretene Arbeit ûLouvre 1ë zeigt. Die Kooperation für das ûBerlin Projektë ist eine weitere Möglichkeit zur Thematisierung, wobei das Medium Video das Aufgenommene nicht wie eine Fotografie für nur einen einzigen Moment einfriert. Es zeichnet vielmehr eine Bewegung nach, die den Fokus des Blicks vom Einzelnen wegführt und dennoch die Aussagekraft des Gefilmten von den zweckgebundenen und effizienten Absichten der Beteiligten erkennbar werden lä�t.

Klaus vom Bruch hegt eine tiefe Abneigung gegenüber den tradierten Medien Malerei und Skulptur, und seine Entscheidung, mit dem elektronischen Medium Video zu arbeiten, ist programmatisch. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine collageartige �berlagerung von Dokumentaraufnahmen, Werbespotelementen und Selbstbildnissen aus. Oft verwendet der Künstler historische Filmsequenzen, die verkürzt und rhythmisch - manchmal bis zum Exze� - immer wieder aneinander gereiht werden.

Für die Formalisierung des ûBerlin-Projektsë waren Klaus vom Bruchs langjährige Erfahrungen als Filmer und Videokünstler von wertvoller Präsenz. Seine früheren Arbeiten sind Zeugnisse von der Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum und dessen Einflu� auf den Menschen. So hat für ihn auch die vergleichende Kulturanthropologie, die sich durch wechselnde Drehorte Ausdruck verschafft, eine grö�ere Gewichtung als der Einzelne im sozialen Kontext.

Die Idee für das ûBerlin-Projektë wurde in Japan geboren, als Thomas Struth auf eine jener gro�formatigen Videowänder aufmerksam wurde, die das Bild diverser Plätze in verschiedenen grö�eren Städten mit Produktwerbung beleben. Mit anderen Bildern besetzt, wollte das Künstlerduo eine solche Videowand, jedoch mit reflexivem Charakter, kreieren: Die Betrachter der Bilder der Anderen werden zu Betrachtern ihrer selbst, reale Passanten stehen Bildern von Passanten gegenüber und innerhalb dieser Distanz wird ein Bewu�tsein für den Zusammenhang zwischen ihnen und sich geschaffen.

-> Text: Heike Borowski

Linkempfehlungen ::
· vom Bruchs Homepage
· Biographie Klaus vom Bruch
· Das Jam-Jam-Projekt
  [Andreas Denk über KvB im Kölnischen Kunstverein, 1993]
· Wie eine Melodie, die im Ohr sitzt
  [Interview mit dem Künstler von Gislind Nabakowski]
· KvB in der Galerie Dörrie*Priess [April - Juni 1998]
· Blitzreview [Christoph Blase über KvB
  in der Bundeskunsthalle Bonn im Oktober 1995]



Collection Pamela and Richard Kramlich;
courtesy Thea Westreich Art Advisory Services;
Foto: Thea Westreich Art Advisory Services


 
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Last update: Montag, 26. Juni 2006 um 20:19:01 Uhr
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