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Dan Graham ::: 1942 : USA

Titel:: Body Press
Art:: Filmprojektion
Jahr:: 1970-72

Der US-amerikanische Künstler Dan Graham arbeitet seit den sechziger Jahren an der Synthese von Pop-art, Konzeptkunst und Minimal. Seine Name impliziert eine ungewöhnliche Vielfältigkeit an Positionen und Arbeitsbereichen künstlerischen Schaffens, wobei die Bedeutung seiner theoretischen Schriften als integraler Bestandteil seines Werkes sicher die meiste Beachtung fand. Bezeichnend für Grahams kritische Interventionen in verschiedenen Bereichen der Kunst und Kultur ist, daß ihn das jeweilige Thema nicht isoliert interessiert, sondern daß er es jeweils in seinem sozialen und psychologischen Kontext sieht und begreift.

So versteht er auch die Architektur als eine Art gesellschaftlichen Raum,
der sowohl soziale Funktionen der Kommunikation, als auch jene der Isolation und Überwachung sowie psychologische Parameter, wie das Verhalten der Betrachter, zuläßt. Diese Komponenten hat Graham auch in seinem Werk »Body Press« zu einem Geflecht des Verständnisses des sozialen als auch realen Körpers und dessen Verhältnis zu dem ihn umgebenden Raum verdichtet.

In »Body Press« stehen zwei unbekleidete Personen, die eine männlichen,
die andere weiblichen Geschlechts, Rücken an Rücken in einem mit Spiegeln ausgekleideten zylinderartigen Raum. Jeder der beiden Personen hält eine Filmkamera in der Hand, die sie mit einer achtförmigen Bewegung von der Hüfte bis zum Auge um ihre Körper führen. Die selbe Bewegung wird umgekehrt ausgeführt, wenn sich die Kameras auf Hüfthöhe hinter der einen Person und gegenüber der anderen befinden. An diesem Punkt werden die Kameras untereinander ausgetauscht. In beiden Filmen erscheint der Körper wie ein klares Abbild und ein durch die Wiedergabe der verspiegelten Flächen verzerrtes Bild.

Beide Bilder werden großformatig auf die gegenüberliegenden Fläche des Raums projiziert und zeigen damit gleichzeitig dreifach gespiegelt die Gesichtspunkte beider Akteure: In den Aktionen des Gegenübers, durch die verspiegelten Wände und durch das Auswechseln der Kameras in der Mitte des Prozesses, was eine dritte "Teilung" der Aktion und des Bildes bewirkt. Weil die Kamera zu einem Teil des Performers gemacht wurde, wird beim Beobachter eine Unsicherheit darüber ausgelöst, ob er sich mit der Kamera oder mit dem Darsteller identifizieren soll. Der Betrachter muß sich völlig neu orientieren, da die normalen Bedingungen des Filmeschauens keine Gültigkeit haben.

Das Führen der Kamera am Körper der Darsteller verleiht dem Prozess des Filmens eine Taktilität, die vom Beobachter wie eine Art "Oberflächenspannung" empfunden werden kann. Diese Greifbarkeit wiederholt sich in den Wellen der gebogenen Spiegelflächen, deren runde Form zusätzlich in verschiedenen architektonischen Elementen wiederkehrt, wie es auch bei späteren Arbeiten Dan Grahams der Fall ist. Die zylindrische Form des von Graham gewählten Raums in »Body Press« verdeutlicht die Verbindung von Architektur zum menschlichen Körper. Dieses so einfache wie profunde Konstrukt dieser Arbeit macht sie vielleicht zur ersten des Künstlers, die das Verständnis des Körpers und dessen Soziabilität und derer beider Relation zu urbanen architektonischen Formen so explizit herausstellt.

-> Text: Heike Borowski

Linkempfehlungen ::
· Biographie | Bibliographie
· Über den umstrittenen und umworbenen Konzeptkünstler und Rockdenker
  [von Justin Hoffmann]
· Skulpturenweg Nordhorn [Rezension]
· Fotografien [Ausstellung von Walker Evans und Dan Graham
  im Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster,
  1993 und im Whitney Museum of American Art, New York, 1993/ 1994
· Dan Graham in der Generali Foundation
·
Interview [von Peter Doroshenko, "Journal of Contemporary Art"]



Collection Pamela and Richard Kramlich;
courtesy Thea Westreich Art Advisory Services;
Foto: Thea Westreich Art Advisory Services


 
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Last update: Dienstag, 28. Juni 2005 um 21:00:57 Uhr
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