ZKM Logo
top
shadow

±±
Intro
KünstlerInnen
Werke
Literatur

Öffnungszeiten
Führungen
Sponsoren
Presse

±±±
Aktuelles Forum
Neuer Eintrag
Alle Eintraege

±
Join Now
Login


   zurück... | weiter...

Gilbert & George ::: 1943 & 1942 : Italien & England

Titel:: A Portrait of the Artists as Young Men
Art:: Video
Jahr:: 1972

Die Arbeiten Gilbert & Georges' zeichnen sich durch eine normative Formgebung aus, die der ursprünglichen Idee, menschliche Skulpturen zu sein, Ausdruck verleiht. Gilbert & George schaffen nicht, indem sie in Stein meißeln oder Plastiken formen, sie schaffen, indem sie den künstlerischen Akt ins Gegenteil verkehren und sich selbst zur Skulptur ernennen.

Entgegen vielen Künstlern, die die Erhebung des Verlusts an produktiver Einbildungskraft zum Inhalt der Kunstwerke oder die Erklärung der eigenen Person in den künstlerischen Status ebenfalls zu einem leitenden Motiv in der Kunst des 20. Jahrhunderts machten, begreifen Gilbert & George den Zustand des Entleerten, Sinnlosen und Abstrakten nicht als Reflexion einer historischen Entwicklung. Sie begreifen sich als dessen Inkarnation, was sich in ihren Arbeiten als bewußte und in allen Konsequenzen akzeptierte Annahme dieses Zustandes ausdrückt. Letztlich ist es jedoch gerade die Erkenntnis darüber, die deren Überwindung garantiert.

Als sich die beiden Bildhauerstudenten Gilbert und George Ende der 60er Jahre an der St. Martins School of Art in London kennenlernen, hat ihnen die Kunstschule an Ausbildungserfahrung so gut wie nichts vermitteln können und sie verlassen sie ohne vertieftes Kunstwissen und ohne handwerkliche Versiertheit. Ihre gemeinsame künstlerische Laufbahn beginnen sie mit dem Einverständnis eines fast völligen Verlusts an Einbildungskraft und individuellem Schöpfungsvermögen sowie einer sie verbindenden leeren Identität. Durch ihre schlichte Namensgebung »Gilbert & George« und den Verzicht auf ihre Familiennamen unterstreichen sie ihr stereotypes und konformes Äußeren, welches sie sich im Laufe der Jahre zulegen.

Bereits eine ihrer ersten Arbeiten, "Three Works - Three Works", kennzeichnet durch die Verdoppelung des Werktitels das Moment der Gleich-Gültigkeit beider Exponate, die jeweils einer der Künstler anfertigte und so die Identität beider als entleerte und abstrakte Wesen preisgibt. Sie geben sich erstarrt, hohl und ohne Persönlichkeit. Gleiches, Gleich-Gültiges, Austauschbarkeit und Aufhebung der Identität sind die augenfälligen und vordergründigen Merkmale ihres Werks.

Dabei stellt gerade ihre Gemeinsamkeit die Besonderheit dar.
Ein soziales Weltbild, welches gemäß der Maxime handelt, alle zu einen, hat stets eine Gegenreaktion seitens des Individuums hervorgerufen. Gilbert & George schaffen eine neue soziale Struktur, bei der es sich als äußerst hilfreich erweist, daß sie zwei Wesen sind. Sie kreieren eine Struktur des Sozialen, die immer mindestens zwei verlangt, da ein einzelner nie eine Gemeinschaft bilden kann. Sie errichten diese soziale Welt, indem sie das Gewicht auf die Freundschaft verlagern und geben ihr so ihre eigene Schönheit.

Daß die Künstler dabei nie auf historisches und tradiertes Bildungsgut zurückgreifen, vielmehr sich selbst und vertraute Motive benutzen, indem sie das Leben bar jeder Prüfung auf einen inneren Gehalt in seinen äußeren Erscheinungen wahrnehmen, macht ihre Welt umso kostbarer. Jeder kann sie lesen und verstehen, ohne das geringste Vorwissen an Erziehung oder Bildung mitzubringen.

-> Text: Heike Borowski

Linkempfehlungen ::
· Homepage Gilbert & George
· Werdegang
· Retrospektive 1970 � 1997
 [Doris von Drathen über die Ausstellung
  im Musée d'Art Moderne de la Ville de Paris, Oktober 1997 � Januar 1998]
· The Cosmological Pictures
 [Christoph Doswald über die Ausstellung in der
  Kunsthalle Zürich, Januar bis März 1992 und in der Wiener Secession,
  April bis Mai 1992]
· The Puzzle of Gilbert & George



Collection Pamela and Richard Kramlich;
courtesy Thea Westreich Art Advisory Services;
Foto: Thea Westreich Art Advisory Services


 
shadow
Base

Last update: Freitag, 1. Juli 2005 um 10:30:21 Uhr
Copyright 2014 ZKM

This site is using the Simply Paper 1.0 theme.