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Stan Douglas ::: 1960 : Kanada

Titel:: Television Spots
Art:: Video-, Audioinstallation
Jahr:: 1987-88

Ein zentrales Thema der Arbeiten des kanadischen Künstlers Stan Douglas [*1960, Vancouver] ist die Mechanismen der Konstruktion von Subjekt| Identität innerhalb unterschiedlicher Zeichensysteme und deren jeweiliger Rezeptionskontexte und kultureller Traditionen.

Viele seiner Videoarbeiten und Installationen rekurrieren thematisch und formal auf die Bereiche Film und Fernsehen als prominente Modi der Bildkonstruktion für ein Massenpublikum, deren ästhetische Formen er dramaturgisch und inhaltlich kritisch aufgreift und sie verbindet mit u.a. differenten Rezeptionskontexten und -haltungen wie sie durch das Museum oder eine Galerie repräsentiert werden. Damit werden auch soziale und politische Aspekte dieser im Kunstkontext primär als rein ästhetische Urteilsbildung apostrophierten Mechanismen ausgeweitet und wechselseitig ihre Kategorisierungen unterlaufen.

Die 1987-88 entstandenen »Television Spots« sind das, was sie sind:
Die zwölf kurzen Videosequenzen waren zunächst geplant als Inserts innerhalb herkömmlicher Werbung im Programm privater kanadischer Fernsehsender. Ohne Ankündigung oder einleitende Information wurde pro Abend jeweils einer der fünfzehn bis dreißig Sekunden dauernden Spots als Bestandteil der sich wiederholenden Blöcke gesendet. Die Sequenzen geben kurze Geschichten wieder bzw. zeigen Ausschnitte eines Ereignisses: So beginnt z.B. der Spot »Answering Machine« mit der Aufnahme einer Frau, die gerade an der Tür ihrer Wohnung ankommt. Als sie ihren Haustürschlüssel gefunden hat, beginnt das Telefon zu klingeln. Man sieht wie sie ihre Wohnung betritt, ihre Tasche abstellt, sich schließlich setzt und zu rauchen beginnt. Das Telefon auf dem Tisch neben ihr klingelt weiter und der Spot endet, als der Anrufer beginnt, eine Nachricht auf den Anrufbeantworter zu sprechen.

Was Kameraeinstellung und Schnittdramaturgie betrifft, so entsprechen diese - wenn auch verknappt - der konventionellen Film- bzw. Fernsehdramaturgie. Ihr Inhalt jedoch, die Handlungsdramaturgie, das Abgebildete stehen konträr zur Erwartungshaltung der Zuschauer, unterlaufen die gängige Konstruktion von Bedürfnissen und damit auch letztendlich der [Repräsentation der] Identität des Publikums als rein einer durch das Medium definierten Größe. Die »Televison Spots« erscheinen als »narrative« Fragmente, da sie unwillkürlich formal einzuordnen, zu lesen sind, jedoch zeigen die Bilder »Leerstellen«: Die Schauplätze sind austauschbare urbane Gebiete ohne dramatischen oder narrativen Gehalt, sie sind alltäglich, banal - ebenso wie die »Handlung«, die »Ereignisse«, die eigentlich normalerweise ausgeblendeten Bilder zwischen den Schnitten. Sie zeigen Warten, Orientierungslosigkeit, Mißverständnisse bzw. die Unmöglichkeit von Verständigung überhaupt. Damit und durch den Schnittrhythmus, der bedeutend langsamer ist als der der Werbedramaturgie, stets aber im Rahmen einer Zeitökonomoie des konventionellen filmischen Bildes bleibt, erhalten die Aufnahmen die Qualität von Realität als found-footage, als fragmentiertes Fundstück bzw. der Überführung der medialen Konstruktion in ihrer Disfunktionalität in eine andersartige Repräsentation von Realität als Verweis auf Bedeutungskonstruktionen außerhalb des Mediums.

Eine Fortsetzung dieser Arbeit für den Kontext »Fernsehen« sind die »Monodramas« von 1991. Douglas greift mit diesen zehn - wie er sie bezeichnet - »Variationen«- auf das Genre des »Fernsehspiels« zurück. Anders als die »Televison Spots« sind die einzelnen »Monodramas« eher abgeschlossen Einheiten, die einem klassischen Ablaufprinzip folgen. Technisch sind sie perfekter und es werden z.B. Schnitt- und Einstellungsdramaturgie gezielt übernommen und entziehen sich so zunächst der unmittelbaren Reflexion des Betrachters, distanzieren, unterbrechen verstärkt durch den Inhalt: Auch hier ist es das Alltägliche, Banale und Absurde, Themen und Orte, die dem Genre völlig widersprechen; urbane, nicht-definierte Zonen, Topographien des Scheiterns und der Abwesenheit, die sich erst durch das Außerhalb des Bildes liegende erschließen ließen.

»Television Spots« und »Monodramas« - ursprünglich als künstlerische Arbeiten in einem konträren Kontext konzipiert - werden im Rezeptions- und Definitionssystem einer Ausstellung als Installationen präsentiert, die erweitert wurden um eine zehn bzw. zwölfteilige Serie von Bildern - quasi um ihre Beschreibung, eine veränderte Bezugnahme auf die dort vorherrschenden und von Douglas auch in diesem Fall als obsolet angesehenen Repräsentationsysteme und dominante Diskurse der Definition: Unter den schwarz-weiß Stills aus den einzelnen Sequenzen steht jeweils der Titel gefolgt von einer kurzen Zusammenfassung der Handlung sowie - in Anlehnung an die Form eines Drehbuchs - die knappe Beschreibung der einzelnen Einstellungen bzw. die Auflösung der Szene. Teilweise finden sich auch Fußnoten, insbesondere bei den »Monodramas«, die scheinbare Kurzkommentare innerhalb des semiotischen Systems der formalen Wiedergabe einer Filmszene fungieren.

Ein wichtiger Bezugspunkt, der maßgeblich die gesamte Arbeit Douglas
seit Mitte der 80er Jahre prägt, ist die Auseinandersetzung mit dem Werk Samuel Becketts. Neben Arbeiten wie das Theaterstück »Not I« [1972], der Stummfilm »Film« [1965], sind insbesondere die »Teleplays« von Beckett, eine Reihe von kurzen Stücken für die BBC, für die »Television Spots« und die »Monodramas« von zentraler Bedeutung.
Die Beckettsche Konzeption des Absurden, die Abwesenheit des Subjektes sowie u.a. die Vermischung von Rezeptionskontexten, Gattungs- und Genrelementen sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

-> Text: Yan Stanton

Linkempfehlungen ::
· Kurzbiographie | Einzel-, Gruppenausstellungen | Bibliographie
· Win, Place or Show
  [Interview von Georg Schöllhammer; springerin, 3| 1998]
· Double Vision: Stan Douglas and Douglas Gordon
· Essay von Lynne Cooke
  [Dia center for the arts, New York, 1999| 2000]
· Stan Douglas
  [Einzelausstellung; De Pont, Tilburg, NL, 2000]
· Stan Douglas
  [Einzelausstellung; MOCA Los Angeles, USA, 2000| 2001]



Collection Pamela and Richard Kramlich;
courtesy Thea Westreich Art Advisory Services;
Foto: Thea Westreich Art Advisory Services


 
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Last update: Dienstag, 27. April 2004 um 15:59:19 Uhr
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