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James Coleman ::: 1941 : Irland

Titel:: INITIALS
Art:: Diaprojektion
Jahr:: 1993-94

Obgleich bereits 1989 eine große Retrospektive der Arbeiten von
James Coleman in Paris zu sehen war, wurde sein Werk im deutschen Sprachraum erst acht Jahre später nach einer in der Wiener Secession abgehaltenen Ausstellung rezipiert. Nicht zuletzt der von Rosalind Krauss verfaßte Katalogtext trug das seinige dazu bei, das diffizile und hoch interessante Werk einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Coleman arbeitet bereits seit Mitte der sechziger Jahre mit Photographie, Video, Multimediainstallationen und gehört also durchaus zur Pionier-Generation der Medienkunst. Seine sorgfältige und langsame Arbeitsweise erschwerte ihm das allseitige Präsent-Sein, das mitunter entscheidend sein kann für den Kunstbetrieb. Hinzu kam, dass Händler, Sammler, Kritiker und Publikum sein Oeuvre nie so recht einzuordnen verstanden - Performance, Theater, Photographie oder gar Design? Bis heute hält diese Debatte an, aber was zunächst als Nachteil erschien, bestätigt heute die Bedeutung von Colemans Werk. In der Tat enthalten seine Installationen von allem etwas und entziehen sich doch einer stringenten Klassifikation.

Die Arbeit »INITIALS« aus dem Jahr 1993-94 besteht aus einer Diaprojektion mit Klangarrangement. Wer sie verstehen und erleben will, der braucht - wie für alle Werke Colemans - Zeit, denn in 18 Minuten erzählt der Künstler uns einen Roman, der sich aus Standbildern und Textfragmenten allmählich vor dem inneren Auge zusammensetzt. Coleman, der lange Zeit in Mailand lebte, greift gerne auf das Rohmaterial der typischen Fotoromanza zurück.
So entführt er den Betrachter in »INITIALS« auf eine Krankenstation, die ebenso bloße Fotokulisse sein könnte. Auch den Protagonisten ist eine künstliche Geziertheit zu eigen, die symptomatisch für das Element des Trivialen in Colemans Arbeit ist, und zugleich befremdend für das Publikum. Die nacheinander illuminierten Diabilder in einem ansonsten absolut dunklen Raum erwecken eine unheimliche, ja beängstigende Stimmung. Oftmals ist die Veränderung in den Bildsequenzen minimal, sie zwingt zur Konzentration. Dazu erklingt eine Mädchenstimme aus dem Off, die Passagen aus William Butler Yeats Gedichten vorträgt. Stockend, schwach klingt die zarte Stimme, zögernd buchstabiert sie die schweren Worte des irischen Poeten.

»INITIALS« - wie Initialen führt James Coleman die Bilder vor als Abkürzung, als Wiedererkennungszeichen eines sehr viel komplexeren Texts oder Themas, als »Art of Memory« [Rainer Metzger]. Aber auch die Interpretation der theatralisch, mystischen Kunst eines James Coleman fiel der Kritik über lange Jahre schwer. Während Benjamin H.D. Buchloh von einer »Archäologie des Spektakulären« sprach, betonte Michael Hauffen den »blinden Fleck des Sehens«, den das Colemansche Werk in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stelle. Friedemann Malsch dagegen charakterisierte das Hauptthema als die Frage nach Identität.

Es ist ein Zufall, aber ein passender, dass Coleman einen Namensvetter hat, den Soziologen James Coleman, der zu den »wichtigsten Wegbereitern einer allgemeinen Theorie des individuellen und sozialen Handelns, welche die Genese und die Einflüsse von Strukturen und geregelten Handlungssystemen auf Handlungschancen, Handlungsverlauf und Handlungsfolgen mitbedenkt. Ziel von Colemans Bemühungen ist eine dynamische Prozessanalyse, welche die Identifikation und Modellierung kollektiver Verteilungsmechanismen in den Vordergrund rückt.« [Hans Peter Müller]

Der Künstler James Coleman unternimmt ebendies auf dem Felde der sinnlichen Präsentation. Er analysiert Verhalten und zugleich dessen Abbildung in den Medien; er deutet Handlung als Filmhandlung, als ein Spiegelbild von Wirklichkeit und negiert doch qua Dekonstruktion dessen Funktionalität; er fordert das Individuum heraus sich als Teil des Kollektivs zu bestimmen, doch unterläßt er es, die dazu notwendigen Codes bereit zu stellen. Die ästhetische Wahrnehmung existiert ausschließlich als eine singuläre Leistung, nicht teilbar und nicht diskutabel, doch ihr schmaler Übergang zu einer ethisch normierten ist für die Gesellschaft notwendig. James Coleman versucht diesen schmalen Pfad mit den Mitteln der Kunst zu erkunden. Um es mit den Worten Yeats zu sagen:

»In der Musik der Sinne bleibt verwaist, Was je erschuf der alterslose Geist.« (aus Fahrt nach Byzanz)

-> Text: Barbara Könches

Linkempfehlungen ::
· Ausstellung »Projected Images: 1972-1994« im Dia Art Center New York,
  1994-1995. Fotos, Essays, Bibliographie (in engl. Sprache)



Collection Pamela and Richard Kramlich;
courtesy Thea Westreich Art Advisory Services;
Foto: James Coleman & Marian Goodman Gallery, New York


 
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Last update: Mittwoch, 4. Juli 2007 um 14:32:25 Uhr
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