ZKM Logo
top
shadow

±±
Intro
KünstlerInnen
Werke
Literatur

Öffnungszeiten
Führungen
Sponsoren
Presse

±±±
Aktuelles Forum
Neuer Eintrag
Alle Eintraege

±
Join Now
Login


   zurück... | weiter...

Darren Almond ::: 1971 : England

Titel:: H.M.P. Pentonville
Art:: Video-, Audioinstallation
Jahr:: 1997

Der junge britische Künstler Darren Almond beschäftigt sich mit der topografischen Struktur von Zeit. Wie verändert Geschichte unsere Wahrnehmung, welche Informationen werden in der historischen Transformation vermittelt, welche negiert?

In der Arbeit »H.M.P. Pentonville« bezieht sich Almond recht eng auf die bahnbrechende Schrift »Überwachen und Strafen« von Michel Foucault. Der französische Philosoph analysiert darin Methoden und Ziele der gesellschaftlichen Bestrafung, die bis ins 18. Jahrhundert in Form der öffentlichen körperlichen Züchtigung vonstatten ging. Im Zuge der Aufklärung unternahm man den Versuch, die Strafsanktionen zu »humanisieren«, indem jegliche Form von staatlich angeordneter, körperlicher Gewalt verurteilt wurde und der Strafvollzug, wie wir ihn heute kennen, als ein Ein- oder Wegschließen der Verurteilten eingeführt wurde.
Im Rahmen seiner Institutionenkritik belegt Foucault jedoch, dass Maßnahmen wie Isolation, Freiheitsentzug und Reglementierung vitaler Lebensinteressen wie Nahrungsaufnahme und Sexualtrieb, nicht weniger barbarisch sind, im Gegenteil darauf zielen, das Subjekt in seiner Substanz anzugreifen.

Darren Almond gelingt es, dieses Ausgeliefertsein mit Hilfe von Bild und Ton sinnlich erfahrbar zu machen. Ein einstündiger Videofilm focussiert den Blick in eine schmale, enge Gefängniszelle. Man erkennt zwei übereinandergestellte Pritschen, obenauf liegt ein schmuckloser Stuhl. Das winzige Fenster vergittert, kahle Wände, Leitungsrohre. Die erstarrte Leere des Raumes wird kontrastiert durch die beständige Abfolge weiß leuchtender Ziffern in der eingeblendeten Abspielzeit. Über ein Tonbandgerät werden Stimmen und Geräusche hörbar. Zuknallende Eisentore, ruppige Anweisungen der Gefängniswärter, das Murmeln einer gedämpften Unterhaltung von Personen, die an der Zellentüre vorbeigehen.
Die Stille und Trostlosigkeit des Bildes und die Statik des Videos widersprechen krass dem im Kino üblichen Vorantreiben der Handlung mittels visueller Dynamik und szenarischer Überfülle. Einzig die schwachen Schatten entlang der Gitterstäbe bezeugen den Verlauf von Zeit, dokumentieren quasi eine nicht existente, eine ausgesetzte Handlung, die kontradiktorisch im Bewußtsein des Zuschauers stattfindet.

Der Betrachter erlebt real den Verlauf der durch das Video vorgegebenen Stunde, er wird dazu veranlaßt inne zu halten, vor dem unbeweglichen Bild stehenzubleiben, freiwillig auf Bewegung zu verzichten. Unbewußt übernimmt der Zuschauer die Rolle des Gefängnisinsassen, schaut sich in der Zelle um, vernimmt die Repetition der immer gleichen Geräusche, wird Teil eines institutionalisierten öffentlichen Raumes, den man nie öffentlich wahrnimmt.

-> Text: Barbara Könches

Linkempfehlungen ::
· Rezension einer Ausstellung in der Galerie Max Hetzler 1999 [Berlin]
· Foto o.g. Ausstellung
· Biografie und Einzelausstellungen in der Galerie White Cube [London]
· Bibliografie
· Foto einer Arbeit ohne Titel, 2000
· Foto von Darren Almond



Collection Pamela and Richard Kramlich;
courtesy Thea Westreich Art Advisory Services;
Foto: Jay Jopling, White Cube, London


 
shadow
Base

Last update: Dienstag, 27. April 2004 um 15:55:00 Uhr
Copyright 2014 ZKM

This site is using the Simply Paper 1.0 theme.