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Eija-Liisa Ahtila ::: 1959 : Finnland

Titel:: Anne, Aki and God
Art:: Video-, Audioinstallation
Jahr:: 1998

Ob Edvard Munch, Henrik Ibsen, Edward Grieg oder Sören Kirkegaard,
den Künstlern und Denkern der nordischen Breitengraden spricht
man eher als denen anderer Kulturregionen ein charakteristisches mentales Wesensmerkmal zu: die Melancholie, eine innere Zerissenheit dem Leben gegenüber, das metaphysisch begründet sein will. Auch die Videokünstlerin Eija-Liisa Ahtila thematisiert in ihren Werken die dunklen Seiten der Existenz, das Balancieren der Menschen auf dem schmalen Steg zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Wenngleich sie mit modernsten technischen Hilfsmittel und mit aktuellen künstlerischen Strategien arbeitet, diese in ihrem Werk gar vorantreibt, so folgt ihr Sujet den alten, eingebrannten Spuren auf der Suche nach dem Geheimnis Mensch. Eija-Liisa Ahtila vereinigt in ihrem Werk Anthropologie mit psychologischem Gespür, Religion mit Medienkritik, Dokumentation mit Fiktion.

Der Film »Anne, Aki, und Gott« setzt sich aus Fragmenten einer geplanten Dokumentation zusammen, ist Resultat und Fortführung einer früheren Arbeit, die um eine Installation erweitert, das Thema Wahn und Wirklichkeit völlig neu inszeniert. Der Ausstellungsraum wird in zwei Teile gegliedert, die eine Seite symbolisiert das Passive, das Erleiden und Leiden an und durch die Welt, die andere Raumsphäre verkörpert das aktive Element, welches die Handlung als ein lebensbejahendes Prinzip dem bloßen Sinnieren gegenüber stellt.

Die passive Rolle übernimmt Aki, ein junger Ingenieur, der sich allmählich der Welt entzieht, sein Appartment nicht mehr verläßt und in Wahnvorstellungen verfällt. Ihm erscheint Gott als schwebende Gestalt über seinem Bett, ein metapysisches Über-Ich, das ihm sein Schicksal beschreibt, seine Existenz reflektiert. Gleichzeitig betritt Anne die Szenerie, eine aus Akis Gedanken erschaffene Frauengestalt, sein Idealbild, dem er zunehmend verfällt. Anne nimmt für Aki reale Formen an, sie wird zu seinem Lebensmittelpunkt. Wie die Stimme der Vernunft durchbricht ein fremder Erzähler die halluzinatorischen Filmbilder. Er erklärt Aki, dass seine Phantasmen nichts weiter als eine Anzahl unterdrückter Gedanken wären, die ihn nun zum Handeln aufforderten.

Für den Betrachter der Installation ergibt sich ein irritierendes Moment einerseits durch die Verwebung von fiktiver Geschichte und psychoanalytischer Erklärung im Film, andererseits durch die im Raum angeordneten häuslichen Utensilien wie Bett und Leselampe, die den Eindruck vermitteln, man stehe mitten auf der Bühne und befinde sich nicht wie in einem Kinofilm weit davon entfernt. Die Arbeit der Künstlerin ist dadurch gekennzeichnet, dass sie alles unternimmt, um die vermeintliche Grenze zwischen Wahn und Wirklichkeit zu durchbrechen. Auf den Monitoren in Akis Appartement kann man sein Gespräch mit einem Therapeuten verfolgen. Der objektive Zeuge dieser Realität, der Therapeut, entzieht sich allerdings unserer Sicht, so dass wieder einzig und allein die Gestalt Aki als Bezugspunkt für Wahrheit dienen kann. Damit nicht genug, teilt die Künstlerin dem jungen Mann unterschiedliche Gesichter und Stimmen zu, so dass Aki einer und viele zugleich ist. Aki ist Teil der Wirklichkeit und gleichzeitig Teil einer Illusion.

Dem aktive Raum ist das Weibliche zugeordnet. Auf einer frei stehenden Projektionsleinwand sieht man Interview-Ausschnitte, die mit jungen Frauen geführt wurden, welche sich um die Rolle der Anne bewarben. Jede spricht mit der ihr eigenen Stimme, dokumentiert ein reales Geschehen, das zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort de facto stattfand.

Das weibliche Geschlecht, das noch Sigmund Freud als Objekt für seine Studien der Hysterie diente, repräsentiert in »Anne, Aki und Gott« den vernünftigen, realistischen Part, während der Mann, hier aufgelöst in einer schimärischen Gestalt zwischen Qual und Halluzination, die tiefen Abgründe der menschlichen Seele symbolisiert.
Mithin betont Eija-Liisa Ahtila zusätzlich den Aspekt der Rollenverteilung in der Gesellschaft, wurden doch die Frauen meistens als die der Schwermut anheim fallenden Opfer gebrandmarkt, als passiv das Leben Erduldende, während dem Männlichen gemeinhin das Klischee des tatkräftigen, erdverbundenen Helden zugeordnet wurde.

-> Text: Barbara Könches

Linkempfehlungen ::
· Foto von Anne, Aki and God 1998
· Biografie und Informationen über die Videoinstallation »Today«
· Rezension einer Ausstellung [Kunsthaus Glarus]
· Ausstellung [Galerie Paolo Curti] 28.September - 4. November 2000
· Consolation Service Film im unabhängigen Ausstellungsraum Index -
  The Swedish Contemporary Art Foundation, 24.Februar - 2.April 2000
  [Stockholm, Schweden]
· Closed Door 4-teilige Fotoarbeit



Collection Pamela and Richard Kramlich;
courtesy Thea Westreich Art Advisory Services und Klemens Gasser &
Tanja Grunert, Inc., New York; exhibition plan courtesy Eija-Liisa Ahtila;
Foto: Thea Westreich Art Advisory Services


 
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Last update: Dienstag, 27. April 2004 um 15:54:34 Uhr
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