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Vito Acconci ::: 1940 : USA

Titel:: Pornography in the Classroom
Art:: Video-, Audioinstallation
Jahr:: 1975

Das Hauptinteresse von Vito Acconci gilt dem Raum.
Raum sowohl wörtlich verstanden als modellierter und zu modellierender
Umraum – der Künstler studierte Architektur,- wie auch im
metaphorischen Sinn: als Möglichkeit der Begegnung von Materie und Geist. Körper nehmen Raum ein, Personen nehmen Raum ein,
Charaktere nehmen Raum ein.

Vito Acconci erkundet seit den 60er Jahren konsequent den
Begriff »Raum«, wobei es in der Retrospektive überrascht, dass er zunächst den schwierigsten Weg wählte, nämlich die Erkundung des eigenen Ichs,
wenn man so will des Innenraumes. In vielen Performances setzte sich
Acconci mit dem eigenen Ich auseinander, »Seedbed«,
aufgeführt 1971 in der New Yorker Gallery Sonnabend, gilt als Höhepunkt dieser Schaffensperiode. Gleichzeitig markierte die Aufführung jedoch einen Wendepunkt in Acconcis Werk. Das private, intime Erleben sexueller Energien vollzog der Künstler damals umringt vom Vernissage-Publikum vor aller Augen. Damit negierte er das Individuelle zugunsten des Allgemeinen,
löste die Antinomie zwischen dem Einzelnen und der Gesellschaft auf.

Die Arbeit »Pornography in the Classroom« aus dem Jahr 1975
darf man als Fortsetzung dieses thematischen Ansatzes lesen.
Nun ist es allerdings nicht mehr die Person Acconci, die dem Zuschauer entgegentritt, sondern es sind abstrakte Gefühle wie Angst, Begierde, Frustration usw., die eine je individuelle Emotion innerhalb eines gesellschaftlichen Rahmens, dem - im übertragenen Sinn zu
verstehenden - Klassenzimmer, bezeugen.

Mit provokanter Geste konfrontiert der Künstler Tabuthemen wie Sexualität und Pornografie mit ehrwürdigen Schulweisheiten, das heißt er setzt
offiziell verleumdete und öffentlich verleugnete Handlungsfelder mit den
die Kultur prägenden institutionalisierten Räumen in einen gemeinsamen Bezug.
In seiner Installation projiziert Vito Acconci achtzig Dias in die Ecke eines abgedunkelten Raumes. Je neun aufeinander folgende Bilder zeigen eine schwarze Tafel, auf der man mit weißer Kreide niedergeschrieben Begriffe
und Buchtitel lesen kann, die seinerzeit die aktuelle Debatte bestimmten
und auch das Denken des Künstlers beeinflußten.
Themen aus Politik, Psychologie, Soziologie, Linguistik und Kulturwissenschaft werden hier angerissen. Dazwischen erscheinen einzelne,
rot unterlegte Worte, die all dem geschriebenen Wissen die subjektive Kraft des Erlebens gegenüberstellen. Es sind Ausdrücke persönlicher Empfindungen wie Haß, Zorn oder Wille, welche mitunter Ausgangspunkt einer rein rationalen, theoretischen Abhandlung sein können, öfter jedoch im Genre des Romans
zu finden sind. Der Künstler betont die Ausdrucksqualität der Sprache zusätzlich durch visuelle Eindrücke. Auf der gegenüber liegenden Seite
des Raumes sieht man farbige Großaufnahmen, Filmstills pornografischer Herkunft. Davor auf dem Fußboden steht ein kleiner Monitor, der in einem Zeittakt von dreißig Sekunden einen erigierten Penis zeigt, simultan erklingt Acconcis Stimme: »Hilfe, ich ertrinke… Land ho!«

Zwischen Artikulation und Vision, zwischen abstrakten Begriffen und vitalen Trieben, zwischen Führen und Verführen spannt der Künstler einen Raum auf, den der Besucher überbrücken muß. Erst durch die je individuelle Leistung
des emphatischen Erlebens und der kritischen Einordnung vervollständigt
sich das Werk, erhält das Subjektive Allgemeingültigkeit.

Vito Acconci wurde in den 60er Jahren stark von dem poetischen Einfluß der konzeptuellen Kunst des Fluxus beeinflußt. Wie Lawrence Weiner oder Dick Higgins [dessen Büro der »Something Else Press« Acconci des öfteren aufsuchte] vertraute Acconci der imaginativen Kraft und kompositorischen Ordnung der Worte, allerdings bestärkte und bekräftigte er deren Wirkmacht durch Bilder, so bedeutet »Pornografie im Klassenzimmer« mehr als die Überschreitung eines tabuisierten gesellschaftlichen Topos, denn die Installation ist zugleich Austragungsort eines Wettstreits zwischen der öffentlichen intellektuellen Debatte und den individuellen Empfindungen.

-> Text: Barbara Könches

Linkempfehlungen ::
· Kurzbiografie
· Vortrag von Vito Acconci im Rahmen des Symposiums »Andere Orte.
  Öffentliche Räume und Kunst«

· Neuere architektonische Entwürfe
· Impact des Techniques sur l'Art du XXème siècle
· weitere Arbeiten
· Acconci in Online-Ausstellungen
· Ausstellung »Volume, Bed of Sound«
· weitere Links



Collection Pamela and Richard Kramlich;
courtesy Thea Westreich Art Advisory Services;
Foto: Thea Westreich Art Advisory Services


 
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Last update: Dienstag, 27. April 2004 um 15:54:22 Uhr
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